Temperaturen über 30 Grad Celsius 12.08.2025, 11:20 Uhr

Hitzewelle in Deutschland: Sind Sie darauf vorbereitet?

Nachdem der Sommer einige Zeit Pause gemacht hat, ist die Hitzewelle zurück. In den kommenden Tagen werden Temperaturen über 30°C erwartet.

Hitzewelle

Eine Hitzewelle mit Temperaturen über 40°C hält Europa in Atem. Doch woher kommt sie und was bringt die Zukunft?

Foto: Smarterpix / lucidwaters

Eine massive Hitzewelle überzieht Deutschland und große Teile Europas. Sie bringt nicht nur extreme Temperaturen, sondern zeigt auch die wachsenden Risiken, die mit dem menschengemachten Klimawandel verbunden sind. Wie entstehen solche Wetterlagen? Welche Rolle spielt der Jetstream? Könnte es sogar die erste echte Hitzekuppel über Deutschland geben? Klar ist: Wir erlebten das trockenste erste Halbjahr seit über 130 Jahren – und die nächste Hitzewelle steht bevor.

Extreme Hitze im Anmarsch

Deutschland steht vor einer Hitzewelle, die ihrem Namen alle Ehre macht. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) erwartet zur Wochenmitte den Höhepunkt mit schwülheißen 31 bis 38 Grad – und parallel dazu steigt die Gefahr von Unwettern.

Am Mittwoch strahlt die Sonne nahezu landesweit vom Himmel. Lediglich im Norden, Nordwesten und im Bergland ziehen im Tagesverlauf einige Quellwolken auf. In den ostbayerischen Mittelgebirgen sowie direkt an den Alpen kann es am Nachmittag und Abend zu kräftigen Gewittern kommen.

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Sonnenschutz und Flüssigkeit nicht vergessen

„Wer sich längere Zeit draußen aufhält, sollte an geeigneten Sonnenschutz denken“, rät DWD-Meteorologin Jacqueline Kernn. Ebenso wichtig sei es, regelmäßig zu trinken. „Bei empfindlichen Menschen kann die länger anhaltende Hitze zu Problemen führen.“

Die Nächte werden ebenfalls zunehmend warm – und damit sinken die Chancen, Wohnungen und Häuser in den frühen Morgenstunden ausreichend herunterzukühlen. Das kann den Schlaf beeinträchtigen. Laut DWD sind bis Freitag in einigen Städten sogenannte Tropennächte möglich – Nächte, in denen die Temperatur nicht unter 20 Grad fällt.

Vor dem Wochenende wächst die Gewittergefahr

Am Donnerstag zeigt sich der Wetterumschwung zunächst zaghaft: Im Nordwesten ziehen dichtere Wolkenfelder auf, begleitet von einzelnen Schauern und Gewittern. Örtlich besteht Starkregengefahr. Auch im Bergland sind Gewitter nicht ausgeschlossen. Die Temperaturen bleiben hoch und erreichen 29 bis 38 Grad.

„Zum Ende der Woche sind wieder etwas verbreiteter Schauer und Gewitter möglich“, so Kernn. Regional könne es auch Starkregen, Hagel und Sturmböen geben. Die Temperaturen entwickeln sich uneinheitlicher: Während im Nordwesten maximal 26 bis 31 Grad erreicht werden, kann es andernorts noch einmal bis zu 37 Grad heiß werden.

Eine Hitzewelle – was ist das eigentlich?

Eine Hitzewelle ist mehr als ein heißer Sommertag. Meteorologisch spricht man in Deutschland von einer Hitzewelle, wenn an mindestens drei aufeinanderfolgenden Tagen über 30 °C erreicht werden – und kein Tag unter 25 °C fällt. Der Schlüssel liegt in der Dauer und Intensität.

Verursacht werden Hitzewellen meist durch stabile Hochdrucklagen. Sie blockieren den Zustrom kühlerer Luftmassen, sorgen für wolkenfreien Himmel und lassen den Boden austrocknen. Eine aufgeladene Atmosphäre entsteht, in der sich Hitze staut. Besonders gefährlich wird es bei sogenannten Blockadelagen, wenn das Hochdruckgebiet über Tage oder sogar Wochen ortsfest bleibt.

Trockenster Jahresbeginn seit 1893

Zur extremen Hitze kommt eine beispiellose Trockenheit: Das erste Halbjahr 2025 ist laut Säkularstation Potsdam das trockenste seit Beginn der Messungen 1893. Nur 146,8 Millimeter Regen fielen zwischen Januar und Juni – kaum die Hälfte des langjährigen Durchschnitts. Der bisherige Negativrekord aus dem Jahr 1942 wurde damit deutlich unterboten.

Fred Hattermann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) sagt: „Im Frühjahr und zu Beginn des Sommers hat die Vegetation den größten Wasserbedarf. Doch dieser konnte vielerorts nicht gedeckt werden.“ Sommerfrüchte keimten schlecht, die Wälder stehen erneut unter Stress. Peter Hoffmann vom PIK warnt: „Die Schäden aus den vergangenen Dürrejahren sind noch nicht behoben – und die neue Trockenperiode verschärft die Situation.“

Heat Dome – wenn die Hitze unter der Kuppel gefangen ist

Ein Begriff, der in Europa bisher selten verwendet wurde, rückt nun immer stärker in den Fokus: „Heat Dome“, auf Deutsch Hitzekuppel oder Hitzeglocke. Dahinter steckt ein blockierendes Hochdruckgebiet, das heiße Luft wie unter einer Glasglocke einschließt. Die Folge: keine Wolken, kein Wind, kein Regen – nur zunehmende Hitze.

Solche Wetterlagen sind besonders gefährlich. Durch den Druck des Hochs sinkt die Luft ab, erwärmt sich dabei weiter und verhindert jede Abkühlung. In den USA hat dieses Phänomen 2021 zu Temperaturen nahe 50 °C geführt. Ob Deutschland erstmals eine echte Hitzekuppel erlebt, ist meteorologisch noch offen – die Symptome sind jedenfalls da.

Gesundheitliche Folgen – Städte als Hitzefallen

Extreme Hitze ist ein stiller Killer. Die Weltgesundheitsorganisation und die WMO warnen vor zunehmenden Gesundheitsrisiken, vor allem in Städten. Dort wirken versiegelte Flächen, Asphalt und Beton wie Wärmespeicher. In heißen Phasen entsteht eine sogenannte urbane Wärmeinsel – nachts kühlt es kaum noch ab.

Laut dem europäischen Klimadienst Copernicus ist die Sterblichkeit bei Hitzewellen in Städten deutlich höher als in ländlichen Gebieten. Die WHO fordert daher neue Messmethoden für hitzebedingte Todesfälle und eine bessere Überwachung der öffentlichen Gesundheit. Schon jetzt sterben laut IPCC jedes Jahr rund 28.000 Menschen in Europa an den Folgen von Hitze – Tendenz steigend.

🔆 So schützen Sie sich richtig bei großer Hitze

1. Sonne und Anstrengung meiden
Vermeiden Sie direkte Sonneneinstrahlung – vor allem in der Mittagshitze. Bleiben Sie im Schatten und verschieben Sie körperliche Aktivitäten im Freien auf die frühen Morgenstunden. Auch Kinder sollten nicht ungeschützt in die Sonne.

2. Körper kühlen, viel trinken
Tragen Sie helle, luftige Kleidung und eine Kopfbedeckung. Kühle Duschen oder kalte Arm- und Fußbäder helfen beim Runterkühlen. Trinken Sie regelmäßig – am besten Wasser oder verdünnte Fruchtsäfte. Alkohol belastet den Kreislauf zusätzlich. Essen Sie leicht und vermeiden Sie üppige Mahlzeiten.

3. Wohnung kühl halten
Lüften Sie frühmorgens oder spätabends – dann, wenn die Außentemperatur unter der Raumtemperatur liegt. Halten Sie tagsüber Rollläden oder Vorhänge geschlossen, um direkte Sonneneinstrahlung zu verhindern.

4. Besonders gefährdete Personen im Blick behalten
Alleinlebende Senior*innen oder pflegebedürftige Menschen sind bei Hitze besonders gefährdet. Achten Sie darauf, dass auch sie ausreichend trinken, sich nicht überanstrengen und die Wohnung möglichst kühl bleibt.

5. Bei Symptomen richtig handeln
Treten Beschwerden wie Schwindel, Kopfschmerzen oder Verwirrtheit auf, bringen Sie die betroffene Person in den Schatten, lagern Sie den Oberkörper hoch und reichen Sie etwas zu trinken. Ein kühles Tuch auf der Stirn kann helfen. Im Zweifel gilt: ärztlichen Rat einholen oder den Notruf 112 wählen.

 

Die gefährlichsten Hitzewellen seit 1950 nehmen zu

Laut dem Regionalen Klimazentrum der WMO fanden über zwei Drittel der schwersten europäischen Hitzewellen seit 1950 nach dem Jahr 2000 statt. Der sechste IPCC-Bericht warnt: Bis 2050 könnte rund die Hälfte der europäischen Bevölkerung im Sommer unter hohem Hitzestress leiden – besonders in Süd- und Osteuropa sowie zunehmend auch in Mitteleuropa.

Die WMO hat das Programm „Frühwarnungen für alle“ gestartet. Es vernetzt Wetterdienste, Gesundheitsbehörden und Krisenmanagement. Ziel: gefährdete Menschen rechtzeitig warnen, Maßnahmen koordinieren und Todesfälle vermeiden. Ein weiterer Baustein ist das Projekt „Extreme Heat Risk Governance“, das Städte und Staaten bei rechtlichen und organisatorischen Fragen unterstützt.

Rückblick: Hitzerekorde im Zeitraffer

  • Juli 2003: 40,2 °C, Dürreschäden, Tausende Hitzetote.
  • Juli 2015: 40,2 °C in Frankfurt am Main.
  • Sommer 2018: Monatelange Hitze, massive Waldbrände.
  • Juli 2019: Rekord: 41,2 °C in Duisburg und Tönisvorst.
  • August 2020: Zehn Tage über 30 °C.
  • Juni/Juli 2022: Frühe Hitzewelle mit 39 °C.
  • Juni/Juli 2025: Aktuell: Bis zu 42 °C möglich.

Globale Erwärmung als Risikoverstärker

Forschende sind sich einig: Der Klimawandel verstärkt die Häufigkeit und Intensität von Hitzewellen. Schon jetzt treten sie weltweit fünfmal häufiger auf als in einem stabilen Klima. Der Anstieg der Treibhausgase heizt die Atmosphäre weiter an – und mit ihr die Wahrscheinlichkeit für Extremwetter.

Stefan Rahmstorf bringt es auf den Punkt: „Diese Zunahme der Hitzeextreme entspricht genau dem, was von der Klimawissenschaft als eine Folge der globalen Erwärmung vorhergesagt wurde.“

(mit dpa)

 

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

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