Genehmigt trotz Warnungen 13.10.2025, 16:00 Uhr

Gasprojekt bedroht das Great Barrier Reef – Millionen Korallen in Gefahr

Ein LNG-Projekt in Australien verursacht 876 Millionen Tonnen CO₂. Diese Folgen hat das für Menschen, Klimaziele und Millionen von Korallen.

Korallen

Ein Meer voller Leben – noch. Forschende warnen, dass das australische LNG-Projekt Scarborough Millionen Korallen das Leben kosten könnte.

Foto: Smarterpix / thomaseder

Vor der Westküste Australiens soll ab 2026 Flüssigerdgas gefördert werden. Das Projekt heißt Scarborough. Es läuft voraussichtlich 31 Jahre. Forschende der Australian National University haben ausgerechnet, was diese eine Entscheidung fürs Klima bedeutet. Ihr Ergebnis: 876 Mio. t CO₂ über die gesamte Laufzeit. Klingt abstrakt. Übersetzt heißt das: zusätzliche 0,00039 °C globale Erwärmung.

Die Studie nutzt die TCRE-Metrik. Dahinter steckt ein einfacher, gut belegter Zusammenhang: Jede zusätzliche 1000 Gigatonnen CO₂ erwärmen die Erde um etwa 0,45 °C. Diese Linearbeziehung verwendet auch der Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC). So lässt sich die Erwärmung einzelner Projekte berechnen.

„Vernachlässigbar“? Die Folgen sind messbar

Projektträger argumentieren oft, ihr Beitrag sei im globalen Mix nicht nachweisbar. Die Autorinnen und Autoren halten dagegen – mit Zahlen für Menschen und Ökosysteme. So zeigt die Analyse: Die Scarborough-Emissionen würden in einer Welt mit 9,5 Mrd. Menschen zusätzliche 516.000 Personen extremer Hitze aussetzen. Weitere 356.000 Menschen rutschen außerhalb der „menschlichen Klimanische“. Das ist der Temperaturbereich, in dem Gesellschaften historisch gut zurechtkamen.

Top Stellenangebote

Zur Jobbörse
ista SE-Firmenlogo
Projektingenieur - Technische Gebäudeausrüstung und Energiedienstleistungen (m/w/d) ista SE
Hamburg, Berlin, Düsseldorf, Köln, München Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur (m/w/d) Straßenplanung und Entwurf Die Autobahn GmbH des Bundes
Dillenburg Zum Job 
über Tröger & Cie. Aktiengesellschaft-Firmenlogo
Zweigniederlassungsleiter Großprojekte West (m/w/d) über Tröger & Cie. Aktiengesellschaft
Nordrhein-Westfalen Zum Job 
über Kienbaum Consultants International GmbH-Firmenlogo
Leitung (m|w|d) Hoch- und Ingenieurbau über Kienbaum Consultants International GmbH
Baden-Württemberg Zum Job 
intecplan integrierte technische Planung GmbH-Firmenlogo
Projektleiter:in (m/w/d) TGA intecplan integrierte technische Planung GmbH
Düsseldorf Zum Job 
BG ETEM-Firmenlogo
Dozent/in (m/w/d) in der Bildungsstätte Dresden BG ETEM
Dresden Zum Job 
BRAMM Bau GmbH-Firmenlogo
Bauingenieur - Tiefbau & Rohrvortrieb (m/w/d) BRAMM Bau GmbH
Vaihingen an der Enz Zum Job 
DFS Deutsche Flugsicherung GmbH-Firmenlogo
Architekt / Bauingenieur im Facility Management (w/m/d) DFS Deutsche Flugsicherung GmbH
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur (w/m/d) Straßenbau Die Autobahn GmbH des Bundes
EMS-CHEMIE (Deutschland) GmbH-Firmenlogo
Produktionsleiter Kunststoffherstellung LFT (m/w/d) EMS-CHEMIE (Deutschland) GmbH
Groß-Umstadt Zum Job 
GVE Grundstücksverwaltung Stadt Essen GmbH-Firmenlogo
Projektleiter (m/w/d) Städtische Hochbauprojekte GVE Grundstücksverwaltung Stadt Essen GmbH
TenneT-Firmenlogo
Network Engineer Kommunikationsnetze (m/w/d) TenneT
Allbau Managementgesellschaft mbH-Firmenlogo
Projektleiter Wohnungsbau (m/w/d) für Neubau und Modernisierung auf Bauherrenseite Allbau Managementgesellschaft mbH
Orano GmbH-Firmenlogo
Strahlenschutzingenieur / Strahlenschutztechniker (m/w/d) Orano GmbH
Nürnberg Zum Job 
UPM - The Biofore Company-Firmenlogo
Production Engineer (m/f/d) UPM - The Biofore Company
Universität Bayreuth-Firmenlogo
Bauingenieur / Bautechniker (m/w/d) Schwerpunkt Hochbau Universität Bayreuth
Bayreuth Zum Job 
KLEBL GmbH-Firmenlogo
Arbeitsvorbereiter / Stationärer Projektleiter (m/w/d) für Auftragsabwicklung und Produktionssteuerung im Bereich Fertigteilbau KLEBL GmbH
Gönnern Zum Job 
Stadtwerke Essen AG-Firmenlogo
Betriebsingenieur/in (gn) für Technisches Sicherheitsmanagement und Sonderprojekte Stadtwerke Essen AG
OCS Optical Control Systems GmbH-Firmenlogo
Applikationsingenieur (m/w/d) für Automatisierungssysteme OCS Optical Control Systems GmbH
OCS Optical Control Systems GmbH-Firmenlogo
Entwicklungsingenieure (m/w/d) für die Bildverarbeitung & Softwareentwicklung OCS Optical Control Systems GmbH

Auch für Europa rechnen die Forschenden vor: Bis zum Ende des Jahrhunderts kämen 484 zusätzliche hitzebedingte Todesfälle hinzu. Rechnet man geringere Kältetote dagegen, bleibt eine Netto-Mehrsterblichkeit von 118 Menschen.

Die Mitautorin Sarah Perkins-Kirkpatrick sagt: „Die meisten neuen australischen Projekte im Bereich fossiler Brennstoffe bezeichnen ihre erwarteten Treibhausgasemissionen im Kontext der globalen Emissionen als ‚vernachlässigbar‘ und behaupten, dass sie ihren Beitrag zur globalen Erwärmung nicht messen können, während sie gleichzeitig die zu erwartenden Auswirkungen ignorieren.“ Und weiter: „Unsere Untersuchungen zeigen jedoch, dass die Emissionen aus diesem neuen Projekt alles andere als vernachlässigbar sind.“

Great Barrier Reef: Millionen Korallen pro Bleichereignis

Die vielleicht eindringlichste Zahl betrifft das Great Barrier Reef. Die Forschenden koppeln den globalen Temperaturanstieg an die Hitzebelastung im Riff. Dafür nutzen sie „Degree Heating Weeks“. Diese Größe fasst Intensität und Dauer von Meeres-Hitzewellen zusammen. Ergebnis: Selbst der kleine Beitrag von Scarborough erhöht die thermische Last im Riff messbar. Bei jedem künftigen großflächigen Bleichereignis sterben dadurch zusätzlich rund 16 Mio. Korallenkolonien. Die Bandbreite liegt zwischen 4,7 und 37 Mio.

Das ist viel. Korallenriffe bieten Lebensraum, Küstenschutz und Einkommen. Wenn Bleichereignisse häufiger werden, bricht diese Funktion weg. Der Rückgang trifft auch Seegraswiesen, Fische und den Tourismus. Die Studie bezieht sich bewusst nur auf die Wärmebelastung. Sie zählt Effekte wie Versauerung und Überschwemmungen nicht mit.

Nationale Klimaziele unter Druck

Australien hat sich in seiner „Nationally Determined Contribution“ (NDC) zu -43 % bis 2030 (gegenüber 2005) und zu Netto-Null bis 2050 verpflichtet. Legt man diesen Pfad zugrunde, wächst der Anteil der Scarborough-Emissionen am jährlichen CO₂-Budget von rund 1,9 % zum Start auf 4,9 % im Jahr 2040. 2049 würde das Projekt alleine 49 % des dann verfügbaren Jahresbudgets beanspruchen.

Ab 2050 müssten alle verbleibenden Projekt-Emissionen dauerhaft wieder aus der Atmosphäre geholt werden. Das ist teuer und technisch begrenzt: 2023 wurden weltweit nur 0,04 Mio. t CO₂ dauerhaft gespeichert – etwa 0,6 % dessen, was Scarborough pro Jahr in Australien verursachen wird.

Mitautorin Nicola Maher folgert: Ohne massive und realistisch kaum erreichbare CO₂-Entnahme passt das Projekt nicht zu den nationalen Zielen.

Was die Methode leistet – und was nicht

Die TCRE-Rechnung liefert eine robuste Näherung für den wärmenden Effekt pro ausgestoßener Tonne CO₂. Das reicht, um Folgen in Größenordnungen zu bewerten. Dazu gehört, Risiken formell zu bepreisen. In der Studie kippt die Einschätzung „vernachlässigbar“ in „schwerwiegend“, wenn man Eintrittswahrscheinlichkeit und Konsequenz kombiniert.

Wichtig: Die Autorinnen und Autoren rechnen konservativ. Sie berücksichtigen zum Beispiel keine möglichen Kippelemente, die die Erwärmung zusätzlich antreiben könnten. Ebenso bleiben kombinierte Stressoren wie Säuregehalt oder seltener werdende Erholungsphasen außen vor. Das macht die genannten Zahlen eher zu Untergrenzen.

Andrew King sagt: „Diese Ergebnisse stehen in starkem Kontrast zu Behauptungen, dass einzelne Projekte im Bereich fossiler Brennstoffe nur vernachlässigbare Auswirkungen haben werden. Allein in dieser Fallstudie wird gezeigt, dass die zusätzliche Erwärmung durch die Kohlendioxidemissionen des Scarborough-Projekts mehrere Jahrzehnte bis Jahrhunderte andauern und langfristige ökologische und soziale Auswirkungen haben wird.“

Hier geht es zur Originalpublikation

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

Themen im Artikel

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.