Prognosen globaler Langfristtrends 18.06.2018, 15:45 Uhr

Die Zukunft wird überraschend anders sein

Prognosen zu treffen, ist nicht immer einfach: Zu viele Faktoren beeinflussen Vorhersagen, neue Erfindungen sorgen für teils signifikante Änderungen. Für Zukunftsforscher Michael Lauster ist es angesichts globaler Megatrends wichtig, dass Technologieentwicklung eine übergeordnete Zielvorgabe hat.

Michael Lauster

Michael Lauster ist Direktor des Fraunhofer-Institut für Naturwissenschaftlich-Technische Trendanalysen INT. Er meint, wichtig bei der zukünftigen Technologieentwicklung sei immer ein humanitärer Blickwinkel. Politik, Wirtschaft und Forschung müssten neue Technologien dringend unter der Prämisse des „Guten“ bewerten.

Foto: Mika Baumeister

Michael Lauster, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Naturwissenschaftlich-Technische (INT) Trendanalysen in Euskirchen, macht drei globale Langfristtrends aus, die seiner Aussage nach den Hintergrund für jede derzeitige Technologieentwicklung bilden: Bevölkerungsentwicklung, Klimawandel und Urbanisierung.

Geografischer Hotspot all dieser Trends sei Afrika, so Lauster am gestrigen Donnerstag im Rahmen eines Vortrags an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. Klar sei: Die Temperaturen würden weiter steigen – mit besonderen Auswirkungen auf den afrikanischen Raum. Bis zum Jahr 2100 rechneten Forscher mit lokalen Temperaturanstiegen von bis zu 7 °C . Gleichzeitig könnten sich Niederschläge um bis zur Hälfte verringern.

Top Stellenangebote

Zur Jobbörse
RHEINMETALL AG-Firmenlogo
Verstärkung für unsere technischen Projekte im Bereich Engineering und IT (m/w/d) RHEINMETALL AG
deutschlandweit Zum Job 
Berliner Wasserbetriebe-Firmenlogo
Bauingenieur:in Maßnahmenentwicklung Netze (w/m/d) Berliner Wasserbetriebe
EFCO Maschinenbau GmbH-Firmenlogo
Konstruktionsingenieur (m/w/d) EFCO Maschinenbau GmbH
Energie-Wende-Garching GmbH & Co KG-Firmenlogo
Projekt-Ingenieur (m/w/d) Energie-Wende-Garching GmbH & Co KG
Garching Zum Job 
Energie-Wende-Garching GmbH & Co KG-Firmenlogo
Projektmanager Erneuerbare Wärme (m/w/d) Energie-Wende-Garching GmbH & Co KG
Garching Zum Job 
Stadtwerke München GmbH-Firmenlogo
Inbetriebsetzungsleiter*in Leit-, Feld- und Automatisierungstechnik (m/w/d) Stadtwerke München GmbH
München Zum Job 
STILL GmbH-Firmenlogo
Entwicklungsingenieur Embedded Software (m/w/d) STILL GmbH
Hamburg Zum Job 
Berliner Wasserbetriebe-Firmenlogo
Berufseinstieg zum/zur Bauingenieur:in Bauleitung Tiefbau (w/m/d) Berliner Wasserbetriebe
Knorr-Bremse Systeme für Schienenfahrzeuge GmbH Berlin-Firmenlogo
Project Quality Engineer (m/w/d) Knorr-Bremse Systeme für Schienenfahrzeuge GmbH Berlin
Schwarzwald-Baar Klinikum-Firmenlogo
Bauingenieur (w/m/d) für die Abteilung Technik und Bau Schwarzwald-Baar Klinikum
Villingen-Schwenningen Zum Job 
Ingenieure Wüst-Firmenlogo
Projektmanager Bauüberwachung / Bauleiter (m/w/d) Ingenieure Wüst
Erlenbach am Main Zum Job 
Energieversorgung Halle Netz GmbH-Firmenlogo
Ingenieur Elektrotechnik - Netz- & Energietechnik, Smart Grid (m/w/d) Energieversorgung Halle Netz GmbH
Halle (Saale) Zum Job 
Staatliches Hochbauamt Karlsruhe-Firmenlogo
Bachelor oder Techniker (m/w/d) der Fachrichtung Ingenieurbau / Maschinentechnik Staatliches Hochbauamt Karlsruhe
Karlsruhe Zum Job 
Staatliches Hochbauamt Karlsruhe-Firmenlogo
Ingenieure (m/w/d) der Fachrichtungen Elektrotechnik und Versorgungstechnik Staatliches Hochbauamt Karlsruhe
Karlsruhe Zum Job 
Landeshauptstadt München-Firmenlogo
Bauingenieur*in für den Wasserbau und Bauwerksunterhalt (w/m/d) Landeshauptstadt München
München Zum Job 
Wirtgen GmbH-Firmenlogo
Versuchsingenieur Produktvalidierung (m/w/d) Wirtgen GmbH
Windhagen Zum Job 
Kreiskrankenhaus Emmendingen-Firmenlogo
Architekt / Bauingenieur oder Bautechniker als Projektleiter / Projektsteurer (m/w/d) Kreiskrankenhaus Emmendingen
Emmendingen Zum Job 
Hitachi Energy Germany AG-Firmenlogo
Service-Steuerungsingenieur für Frequenzumrichter (w/m/d) Hitachi Energy Germany AG
Mannheim Zum Job 
Messe München GmbH-Firmenlogo
Meister / Ingenieur / in der Elektrotechnik als Technical Manager (m/w/d) Messe München GmbH
München Zum Job 
RICHARD WOLF GmbH-Firmenlogo
Konstrukteur (m/w/d) für medizinische Instrumente und Endoskope RICHARD WOLF GmbH
Knittlingen Zum Job 

Auch das Bevölkerungswachstum skizziert der Wissenschaftler: Wegen steigender Lebenserwartungen und der schon jetzt hohen Geburtenrate werden 2050 rund 10 Mrd. Menschen auf der Erde leben. Der dritte sichere Trend sei, so Lauster, die Urbanisierung. Während es derzeit 23 Megastädte mit mehr als 10 Mio. Bewohnern gebe, sollen es 2050 bereits 50 sein, so der Ingenieur, der an der RWTH Aachen den Lehrstuhl für Technologieanalyse und -prognose innehat.

Alle drei Phänomene werden bald für völkerwanderungsähnliche Situationen sorgen, ist sich der Zukunftsforscher sicher: Bis 2050 werde sich die Situation so zuspitzen, dass weltweit rund 200 Mio. bis 1 Mrd. Menschen aufgrund akuter Hungersnöte und Wassermangel eine neue Heimat suchen. Aber auch das Internet trage eine Mitschuld. So sorge die dort gezeigte westliche Lebensart für Hoffnungslosigkeit in jenen Ländern, denen es nicht so gut gehe: „Für Menschen in Entwicklungsländern ist die LBS-Werbung [Anm. d. Red. ‚Wir geben Ihrer Zukunft ein Zuhause‘] geradezu unvorstellbar.“

Technik für die Zukunft muss dem Gemeinwohl dienen

Zur Vermeidung einer riesigen Flucht durch Ressourcenknappheit und Perspektivlosigkeit diskutiert Lauster drei Handlungsvorschläge für Europa: Der Kontinent könnte das Problem einfach aussitzen. Alternativ gebe es noch die Trump‘sche Lösung: Eine Mauer würde Migranten fernhalten, so dass die Krise die EU nicht erreichen würde.

Lösungsvorschlag Nummer drei wäre aber wohl am effektivsten, erklärt Lauster: „Wir müssen verhindern, dass sich die Menschen überhaupt erst auf den Weg machen und vor Ort helfen. Die Ursachen wie Angst, Hunger und Hoffnungslosigkeit müssen behoben werden. Nach der Schaffung von menschenwürdigen Verhältnissen bleiben die Menschen; niemand verlässt gerne seine Heimat.“

Um zukünftige Konflikte effektiv zu lösen, schlägt Lauster eine Teleologie der Technologie vor, also eine Technologieentwicklung unter Beachtung eines übergeordneten Ziels. Wichtig sei ein humanitärer Betrachtungswinkel: „Man müsste sich überlegen: Was ist ‚gut‘?“. Die Einsicht folgt jedoch direkt: „Ich bin etwas pessimistisch. Einerseits heißt es ‚Wir müssten eigentlich mal etwas tun‘. Doch sobald Geld fließen muss, wird abgeblockt“, erzählt der ehemalige Luftwaffen-Offizier. Zukünftige Entwicklungen müssten trotzdem dringend unter der Prämisse des Guten von Politik, Wirtschaft und Forschung bewertet werden.

„Fast jede Prognose war falsch“

Lauster gibt fehlerhafte Analysen aus eigener Hand zu. Bei der Zukunftsforschung sei das aber nicht zwingend schlimm: „Eine Prognose ist nicht dann gut, wenn sie zutrifft. Sie ist dann gut, wenn sie bei einer Entscheidung hilft.“ Damit spielt er unter anderem auf den Klimawandel an: Der genaue Temperaturanstieg ist egal, solange entsprechende strategische Gegenmaßnahmen eingeleitet werden.

Auch die rasante technische Entwicklung mache es ihm und anderen Forschern schwer: „Die Zukunft, die wir uns vorstellen, basiert auf unserem aktuellen Wissen.“ Eines der besten Beispiele liefert die Fernsehserie Star Trek: Die älteren Folgen zeigen CRT-Röhrenbildschirme, obwohl die Serie in der Zukunft spielt.

Lauster zitiert im Fazit den schwedischen Politiker Olof Palme. Dem 1986 verstorbenen Atomwaffengegner war klar: „Wir sind die erste Generation, die sich keinen Fehler mehr leisten darf!“ Gemäß dieser Einstellung müsse die heutige Bevölkerung leben – und genau aus diesem Grunde seien Prognosen sehr wichtig. „Ich möchte meinen Kindern eine möglichst friedliche Welt überlassen, die weder verseucht noch verstrahlt ist und genügend Lebensmittel für alle bietet“, resümiert der Zukunftsforscher.

Ein Beitrag von:

  • Mika Baumeister

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.