Künstlicher Regen 09.01.2014, 15:39 Uhr

China will verschmutzte Luft in Städten sauberwaschen

Da es offenbar viel zu lange dauert, die riesige chinesische Industrie und auch die Heizanlagen des Landes auf wesentlich sauberere Arbeitsweisen umzustellen, raten mehrere chinesische Universitäten nun dazu, die sehr verschmutzte Luft kurzerhand sauberzuwaschen. Dies soll mit künstlichem Regen geschehen.

Smog in Peking.

Smog in Peking.

Foto: Wikimedia

In zahlreichen Industrien – ganz besonders in der Chemie und Petrochemie – ist das Prinzip der Luftwäsche seit langem nicht nur bekannt sondern wird auch regelmäßig angewandt. Dabei wird meistens von einer „Gaswäsche“ gesprochen, da im Rahmen industrieller Prozesse meist Gase und nur selten Luft reingewaschen werden.

Unis schlagen künstlichen Regen über Sprinkler-Anlagen vor

Beispielsweise von der Shanghai Fudan Universität  und der Zhejiang Universität wird zur Entfernung von Feinstaub und anderen Schadstoffen aus der Luft ein künstlicher Regen empfohlen. So wie der normale Regen den Schadstoffgehalt aus der Luft reduziert, so wäre der künstliche Regen in der Lage, das Gleiche zu bewerkstelligen. Dazu wird vorgeschlagen, von hohen Gebäuden oder Türmen aus über so genannte Sprinkler-Anlagen Wasser zu versprühen, das dann zu Boden fällt und damit wenigstens einen Teil der Schadstoffbelastung beseitigt. Wo keine geeigneten Gebäude oder Türme zur Verfügung stehen, könnten stählerne Türme relativ schnell aufgestellt werden. Wenn das nicht kurzfristig möglich ist, könnte zur schnellen Abhilfe  auf Flugzeuge zum Versprühen von Wasser zurückgegriffen werden.  Auch diese Technik ist keineswegs neu. Flugzeuge für Feuerlöschzwecke werden seit langen Jahren in den Mittelmeerländern in Europa, in Nordamerika und beispielsweise auch in Australien eingesetzt. Wenn diese Flugzeuge ihre Wasserladung versprüht haben, dann können sie im Fluge aus dem Meer oder aus Seen Wasser auftanken ohne etwa zeitraubend landen zu müssen.

Die beiden Fotos zeigen Peking ohne (li.) und mit Smog. Die Aufnahme ohne Smog entstand, nachdem es zuvor zwei Tage lang geregnet hatte.

Die beiden Fotos zeigen Peking ohne (li.) und mit Smog. Die Aufnahme ohne Smog entstand, nachdem es zuvor zwei Tage lang geregnet hatte.

Foto: Wikimedia

Voraussichtlich müsste jeden Tag Wasser versprüht werden

Nach den Berechnungen von Shaocai Yu von der Zhejiang Universität könnte mit dem geschilderten Sprühverfahren die Feinstaubbelastung in der Luft relativ kurzfristig auf ein als sicher eingeschätztes Niveau von 35 Mikrogramm je Kubikmeter Luft reduziert werden. Um dieses Niveau zu sichern und vor allem dafür Sorge zu tragen, dass sich keine sichtbaren Dunstschleier in und über den Städten bilden, müsste der Sprühvorgang allerdings täglich wiederholt werden – meist wohl für mehrere Stunden.

Keine Dauerlösung für das Smog-Problem

So sehr sich das Versprühen von Wasser als Sofortmaßnahme zur Smog-Verringerung anbietet, so kann das auf keinen Fall eine Dauerlösung sein. Um die Smog-Belastung dauerhaft auf ein erträgliches und vor allem weniger gesundheitsschädliches Maß zu reduzieren, muss der Schadstoffausstoß der Industrie und hier vor allem der schier unzähligen Kohlekraftwerke in China drastisch reduziert werden. Außerdem müssen die Autoabgase ebenfalls deutlich minimiert werden. Dazu ist es unumgänglich, dass überall Abgastests nicht nur vorgeschrieben sondern auch tatsächlich unternommen werden. Uraltautos müssen aus dem Verkehr entfernt und stillgelegt werden. In extremen Fällen liegt sogar die Beschränkung der Zulassung von Neufahrzeugen nahe.

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