Gift-Cocktail im Trinkwasser 04.09.2025, 15:11 Uhr

Chemie im Leitungswasser: Wie PFAS-Filter doppelt helfen

PFAS-Filter senken nicht nur „ewige Chemikalien“, sondern auch andere Schadstoffe. Studie zeigt: ein Filter, viele Effekte fürs Trinkwasser.

Wasser läuft aus dem Hahn in eine Hand

Ein Schluck aus dem Hahn – und doch oft mehr drin, als wir ahnen: Filter helfen gegen PFAS und andere Gifte, wie eine Studie herausgefunden hat.

Foto: Smarterpix / aa-w

Ein Glas Leitungswasser gilt als Inbegriff von Reinheit. Doch wer genauer hinschaut, entdeckt oft eine unsichtbare Mischung aus Chemikalien. PFAS gehören dazu – die „ewigen Chemikalien“. Sie zerfallen in der Umwelt kaum und können sich im Körper anreichern. Neu ist die Erkenntnis aber nicht. Neu ist vielmehr, dass Filter gegen PFAS offenbar gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen.

Eine aktuelle Studie der Environmental Working Group (EWG) zeigt: Systeme zur PFAS-Entfernung verringern nicht nur die berüchtigten Fluorverbindungen. Sie reduzieren auch andere Schadstoffe – etwa Desinfektionsnebenprodukte, Nitrate aus der Landwirtschaft oder Schwermetalle wie Arsen und Uran.

„Bei der PFAS-Behandlung geht es nicht nur um ‚ewige Chemikalien‘“, sagte Sydney Evans, leitende Wissenschaftsanalystin bei der EWG und Hauptautorin der Studie. „Sie öffnet auch die Tür zu einer allgemeinen Verbesserung der Wasseraufbereitung.“

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Was hinter PFAS steckt

PFAS steht für per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen. Diese Stoffgruppe umfasst Tausende Varianten, die in Feuerlöschschäumen, Pfannenbeschichtungen oder Imprägnierungen vorkommen. Das Problem: PFAS sind extrem stabil. Im Blut von 99 % der Amerikaner*innen lassen sich Spuren nachweisen – selbst bei Neugeborenen.

Schon geringe Mengen können Risiken bergen. Studien bringen PFAS in Verbindung mit geschwächtem Immunsystem, erhöhtem Krebsrisiko, Entwicklungsstörungen bei Föten und einer verringerten Wirksamkeit von Impfstoffen.

Ein Filter – viele Effekte

Die EWG wertete Daten von 19 US-Wasserversorgern und dem Überwachungsprogramm der Umweltbehörde EPA aus. Die Ergebnisse:

  • Trihalogenmethane (THM), krebserregende Nebenprodukte der Desinfektion, sanken im Schnitt um 42 %.
  • Halogenessigsäuren (HAA) gingen um 50 % zurück.

Damit zeigt sich: Wer PFAS entfernt, senkt oft gleichzeitig andere gefährliche Stoffe.

„Diese durch PFAS-Filter erzielten Reduzierungen sind ein Meilenstein für die öffentliche Gesundheit, zumal dort, wo PFAS vorkommen, immer auch andere Chemikalien vorhanden sind“, sagte Varun Subramaniam, Mitautor der Studie.

Drei technische Ansätze

Die Forschung untersuchte drei verbreitete Methoden:

  • Granulat-Aktivkohle (GAK): Poröse Kohle bindet organische Moleküle, darunter PFAS.
  • Ionenaustausch (IX): Spezielle Harze fangen geladene Schadstoffe ab.
  • Umkehrosmose (RO): Eine Membran sperrt nahezu alle gelösten Substanzen aus.

Jede dieser Methode hat seine Vorteile. Aktivkohle punktet bei Spurenstoffen, Ionenaustausch arbeitet gezielt über Ladungen, Umkehrosmose wirkt breit, erfordert aber hohen Druck und verursacht Konzentrat, das entsorgt werden muss.

Ungleichheit am Wasserhahn

Ein anderes Ergebnis der Studie: Große Versorgungsunternehmen setzen häufiger moderne Filter ein als kleine. Nur 7 % der sehr kleinen Systeme (unter 500 Menschen) nutzen PFAS-Filter, während es bei den größten Anbietern 28 % sind.

„Dies ist ein klassischer Fall von Umweltungerechtigkeit“, sagte Subramaniam. „Die Gemeinden, die sich eine fortschrittliche Filterung am wenigsten leisten können, sind oft den höchsten Gesundheitsrisiken ausgesetzt.“

Das bedeutet: Millionen Menschen in ländlichen Regionen oder in Städten mit knappen Kassen trinken Wasser, das stärker belastet sein kann.

Politik zwischen Anspruch und Realität

Die Studie erscheint zu einem Zeitpunkt, an dem die US-Umweltbehörde EPA ihre Regeln lockert. Grenzwerte für bestimmte PFAS wurden im Frühjahr 2025 aufgeweicht, Fristen für die Einhaltung verschoben.

„Die Gemeinden würden nicht nur PFAS herausfiltern, sondern gleichzeitig mehrere giftige Chemikalien beseitigen“, sagte Melanie Benesh, Vizepräsidentin für Regierungsangelegenheiten bei der EWG. „Indem die EPA diese zusätzlichen Vorteile ignoriert, setzt sie die Amerikaner Gefahren aus und verpasst eine große Chance für die Wirtschaft und die öffentliche Gesundheit.“

Dazu kommen Lücken bei der Überwachung. Nicht alle Versorger melden Daten konsequent. Das erschwert es, Muster der Verschmutzung zu erkennen und den Nutzen von Filtersystemen systematisch zu bewerten.

Blick nach Deutschland: Kein Alarm, aber Probleme

Und wie steht es um deutsches Trinkwasser? Laut Umweltbundesamt gibt es kein flächendeckendes PFAS-Problem. Doch lokale Belastungen sind Realität.

  • In Rastatt (Mittelbaden) sind über 1.100 Hektar Ackerland und rund 170 Millionen m³ Grundwasser kontaminiert – vermutlich durch belasteten Kompost.
  • Im Rhein-Ruhr-Gebiet tauchten Werte von bis zu 500 ng/l PFOA auf, ausgelöst durch belastete Düngemittel.
  • Im bayerischen Gendorf wurden jahrelang PFAS freigesetzt; erst seit 2019 filtern Gemeinden ihr Trinkwasser mit speziellen Anlagen.

Eine Auswertung des UBA zeigt: Bei 4,1 % der Proben wurde der Grenzwert für die Summe von 20 PFAS überschritten, bei 6,4 % der Proben jener für die Summe von vier besonders problematischen PFAS.

Auch der BUND testete Leitungs- und Mineralwasser in deutschen Städten. Ergebnis: PFAS sind fast überall nachweisbar, liegen aber meist unterhalb der geltenden Grenzwerte.

Neue Regeln ab 2026

Die EU reagiert. Ab 2026 gilt ein Summengrenzwert von 0,1 µg/l für PFAS-20, ab 2028 ein noch strengerer Wert von 0,02 µg/l für PFAS-4. Für viele Versorger heißt das: Sie müssen aufrüsten.

In Schleswig-Holstein sorgt das Thema aktuell für Diskussionen. Medienberichte über Grundwasserbelastungen, etwa in Husum, zeigen, dass auch hierzulande wachsam geprüft wird.

Was das für Versorger heißt

Für die Praxis bedeutet das: Wer PFAS bekämpft, verbessert in der Regel die Wasserqualität gleich in mehreren Punkten. Ingenieur*innen müssen dafür die jeweilige Rohwasserqualität prüfen, die richtige Technik auswählen und den Betrieb eng überwachen. Entscheidend sind Kontaktzeiten, Austauschzyklen und ein solides Monitoring.

Die Kosten sind nicht gering, doch der Nutzen für die öffentliche Gesundheit ist erheblich. Aktuell sind nur etwa 8 % der US-Wasserversorgungssysteme mit PFAS-Filtern ausgerüstet. Der Handlungsbedarf ist also groß.

Ein Problem lösen, mehrere mitnehmen

PFAS gelten zu Recht als Dauerrisiko. Doch die Studie zeigt auch eine Chance: Filterlösungen, die gegen PFAS wirken, können gleich ein ganzes Schadstoffpaket entschärfen. Das macht die Technologie zu mehr als einer reinen Notlösung – sie wird zum Türöffner für sauberes Trinkwasser.

„Es geht hier nicht nur um PFAS“, sagte Evans. „Wenn wir ein Problem lösen, können wir mehrere andere lösen. Die Chance, die öffentliche Gesundheit in großem Maßstab zu schützen, ist zu groß, um sie zu ignorieren – wenn wir klug vorgehen.“

Hier geht es zur Originalpublikation

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

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