Projekt „Lenzener Elbtalaue“ hat sich bewährt 26.06.2013, 10:36 Uhr

Bewohner blieben im Juni vom Hochwasser verschont

Forscher des Karlsruher Institutes für Technologie (KIT) freuen sich über das positive Ergebnis ihres Naturschutzgroßprojektes „Lenzener Elbtalaue“ im brandenburgischen Lenzen. Bei dem diesjährigen Elbe-Hochwasser bewährte sich die Rückverlegung des Deiches erstmals: Die Menschen vor Ort wurden erfolgreich vor Hochwasser geschützt.  

Deichrückverlegung: Die Luftaufnahme zeigt rechts die Elbe und den Altdeich, links die Neudeichbaustelle.

Deichrückverlegung: Die Luftaufnahme zeigt rechts die Elbe und den Altdeich, links die Neudeichbaustelle.

Foto: KIT/Jochen Purps

Es ist das bisher größte Rückdeichungsprojekt Deutschlands: Auf einem Abschnitt von über 7,4 Kilometer wurde der Deich in der Lenzener Elbtalaue in Brandenburg um etwa 1,3 Kilometer in das Hinterland verlegt. Den alten Deich ließen die KIT-Biologen stehen. Die neue Schutzanlage hat eine Länge von etwa 6,1 Kilometer und ist an sechs Stellen geöffnet. Dadurch konnte eine Fläche von 420 Hektar geschaffen werden, die im Notfall bis zu 16 Millionen Kubikmeter Wasser auffangen kann.

Der jetzt neu geschaffene Raum zwischen den beiden Deichen kann den Wasserspiegel bei extremem Hochwasser in diesem Abschnitt um bis zu 40 Zentimeter senken. Hierbei zeigte sich, wie wichtig es ist, einen Rückhalteraum für mögliche Überflutungen zu schaffen und gleichzeitig die natürlichen Funktionen der Auen wiederherzustellen.

Auenlandschaft renaturiert

Das Naturschutzprojekt „Lenzener Elbtalaue“ hatte von vorneherein das Ziel, die Auenlandschaft zu renaturieren, um einen wirksamen Schutz vor Hochwasser zu bietet. Das bereits 2009 abgeschlossene Projekt war zu Beginn mehr ein Naturschutzvorhaben, das die Auenlandschaft mit einer Tier- und Pflanzenwelt bereichern sollte, die bei Niedrigwasser und bei Hochwasser bestehen kann. Dazu musste eine Verbindung zum Fluss geschaffen werden. Tausende von Eichen, Ulmen und Weiden wurden auf der Fläche gepflanzt, die zuvor als Weideland genutzt wurde. Eine besondere Herausforderung bei der Bepflanzung war der extreme Lebensraum, der sich je nach Jahreszeit und Wetter unterschiedlich darstellt. Einerseits schwere Lehmböden aber auch leichter Sand sowie Überflutung aber auch Trockenheit im Sommer und Eis im Winter machten die Aufforstung in der Aue zu einer wahren Meisterleistung.

Gefahrenstelle seit 1898 bekannt

Die Lenzener Elbtalaue war jahrhundertelang als extrem gefährlich eingestuft worden. Dort in Brandenburg im Landkreis Prignitz macht die Elbe einen 90-Grad-Bogen und die Abflussbreite zwischen den Deichen war sehr stark verengt. Schon die Wasserbauer der königlichen Elbstromverwaltung 1898 wiesen auf die Gefahrenstelle hin. Und auch Modelluntersuchungen aus dem Jahr 1963 empfahlen eine Deichrückverlegung, die damals aber wegen des Grenzgebietsstatus und aus Kapazitätsgründen des Deichbaues nicht zustande kamen.

Im Jahr 2002 konnte der Deich nur mit großem Aufwand geschützt werden. „Die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen jedoch, dass es sich lohnt, die natürlichen Funktionen der Aue, unter anderem auch als Rückhalteraum bei Überflutungen, wiederherzustellen“, erklärt Dr. Christian Damm vom KIT, der die Rückverlegung des Elbdeiches leitete.  

„Das Projekt vereint vorbildlich Naturschutz, Hochwasserschutz, Tourismus und andere Auennutzungen“, erklärt Damm, der beim KIT-Institut für Geographie und Geoökologie ansässig ist.

Bäume als natürliche Bremse

Bevor mit dem Projekt gestartet wurde, waren nur noch Restbestände des Auenwaldes erkennbar. Maßnahmen wie Eindeichung, Strombaumaßnahmen oder Rodungen verursachten über die letzten Jahrhunderte den riesigen Verlust des Auenwaldes. Jetzt bieten die gepflanzten Bäume wieder eine natürliche Bremse für die Hochwasserwellen.  

Das Naturschutzprojekt wurde zu 75 Prozent vom Bund und 18 Prozent vom Land Brandenburg finanziert. Die letzten sieben Prozent wurden vom Trägerverbund Burg Lenzen e.V. mit einer Allianz verschiedener Naturschutzverbände um den BUND übernommen.

Von Petra Funk Tags:
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