Fallen für Bakterien 14.05.2013, 08:00 Uhr

Altlasten lassen sich kostengünstig sanieren

Die Selbstheilungskräfte der Natur reichen manchmal aus, Gifte in Boden und Grundwasser abzubauen. Wie gut sie arbeiten, lässt sich über die neue sogenannte Direct-Push-Technologie besser feststellen.

Anko Fischer (links) und Dr. Hans-H. Richnow (rechts) untersuchen die Bakterienfallen (BACTRAP®) im Labor.

Anko Fischer (links) und Dr. Hans-H. Richnow (rechts) untersuchen die Bakterienfallen (BACTRAP®) im Labor.

Foto: André Künzelmann/UFZ

Bis in die Siebzigerjahre ging die Industrie mit der Umwelt sträflich leichtsinnig um. Alles, was nicht gebraucht wurde, und sei es auch noch so giftig, wurde einfach irgendwo hingekippt oder versickerte im Erdreich. Die Folge: In Deutschland gibt es nach vorsichtigen Schätzungen 270 000 Altlasten, für die heute meist nicht mehr existierende Unternehmen verantwortlich sind. Zehn bis 15 Prozent der Flächen sind eine ernsthafte Bedrohung der Umwelt.

Die Natur weiß sich allerdings zu helfen. Im Laufe der Zeit bilden sich Bakterien, die genau die Giftmoleküle für ihren Stoffwechsel benötigen, den sie in ihrem Umfeld finden. Ob ihre Reinigungswirkung ausreicht, lässt sich mit Bakterienfallen (Bactraps) nachweisen. Das sind Kügelchen, in deren Poren die Forscher Schadstoffe versteckt haben. Diese werden für einige Wochen dort verbuddelt, wo Schadstoffe und Bakterien vermutet werden, die sie abbauen.

Das ist vor allem bei großen Verdachtsflächen eine zeitraubende und teure Angelegenheit. Forscher am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung haben jetzt eine neue Methode gefunden, die Bactraps in Verdachtsflächen zu platzieren, oft in einigen Metern Tiefe.

Die Bakterienfallen (BACTRAP®) bestehen aus porösem Aufwuchsmaterial, auf dem die Bakterien wachsen.

Die Bakterienfallen (BACTRAP®) bestehen aus porösem Aufwuchsmaterial, auf dem die Bakterien wachsen.

Foto: André Künzelmann/UFZ

Sie setzen auf die Direct-Push-Technologie. Dahinter verbirgt sich ein eher schlichtes Verfahren. Stählerne Rohre werden mit Rammen in den Boden getrieben. Dann senken sie Bactraps ab. Wenn es dort tatsächlich Bakterien gibt, die Schadstoffe abbauen, machen diese sich auch über die her, die in den Fallen versteckt sind.

Entscheidend ist das Isotopenverhältnis

Nach ein  paar Wochen holen die Forscher die Fallen wieder ans Tageslicht und  analysieren sie, um das Verhältnis der relativ seltenen Kohlenstoffisotope 12 und 13 zu bestimmen. Das sind Kohlenstoffatome, in deren Kern ein oder zwei Neutronen fehlen. Wenn der Anteil des Isotops 12 ungewöhnlich niedrig ist, wissen die Forscher, dass die Bakterien ganze Arbeit leisten. Denn sie verspeisen bevorzugt dieses Isotop.

Mit dieser Methode lassen sich die Aktivitäten von Bakterien oder deren Ausbleiben zuverlässig beurteilen. Darauf aufbauend lässt sich entscheiden, ob die Selbstheilungskräfte der Natur ausreichen, ob zusätzliche Mikroorganismen in den Boden eingebracht werden müssen oder ob man zu härteren Maßnahmen wie Verbrennen greifen muss, die allerdings sehr viel teurer sind.

Mit Isodetect haben die Wissenschaftler ein Unternehmen gegründet, das Gutachten zur Altlastensanierung anbietet.

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