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60 Jahre für tot gehalten: Lebende Korallen vor Benin entdeckt

20. Juli 2026

Korallengarten in Benin
Sonarmessungen führen Forschende zu einem vergessenen Korallengarten vor Benin. Dort wachsen Weichkorallen in rund 54 m Tiefe. Foto: Gérard Zinzindohoué
Ein Korallenriff vor Benin galt seit den 1960er Jahren als tot. Sonar und Unterwasserkameras zeigen nun ein lebendes Ökosystem.
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Vor der Küste Benins haben Forschende lebende Korallen in rund 54 m Tiefe dokumentiert. Hinweise auf das Gebiet gab es bereits seit den 1960er Jahren. Damals hielten Fachleute die dort vermuteten Korallenstrukturen jedoch für abgestorben.

Nun zeigen Sonarmessungen und Unterwasseraufnahmen, dass auf einzelnen Felsstrukturen weiterhin Korallen wachsen. Eine geschlossene Riffbarriere fanden die Forschenden allerdings nicht. Stattdessen handelt es sich um einen Korallengarten, der sich aus mehreren voneinander getrennten Feldern zusammensetzt.

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Inhaltsverzeichnis

Ein alter Bericht führt zur Fundstelle

Die ersten Hinweise stammen aus Untersuchungen der Jahre 1963 und 1964. Damals suchten Fachleute im Auftrag der Regierungen von Dahomey, dem heutigen Benin, und Togo nach geeigneten Fischereigebieten.

In 52 bis 56 m Tiefe stießen sie auf Strukturen, die sie als Korallenbarriere deuteten. Direkte Bilder des Meeresbodens gab es damals nicht. Die Einschätzung beruhte vor allem auf Echolotmessungen und Proben, die vom Meeresboden heraufgeholt wurden. Die Fachleute gingen davon aus, dass die Korallen abgestorben waren. Danach geriet der Fund weitgehend in Vergessenheit.

Ein Team um Gérard Zinzindohoué vom Institut de Recherches Halieutiques et Océanologiques du Bénin nahm die alten Berichte zum Ausgangspunkt für eine neue Suche. „Es war keine einfache Feldkampagne“, sagte Zinzindohoué laut einer Mitteilung des Fachjournals Frontiers. „Es war eine Mischung aus langen Tagen auf See, technischen Problemen und viel Unsicherheit.“

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Zwei auffällige Strukturen im Sand

Zwischen April und Mai 2025 untersuchte das Team insgesamt 11,5 km Meeresboden mit einem Seitensichtsonar. Das Gerät sendet Schallwellen zum Grund und erstellt daraus ein Bild der Oberflächenstruktur. In dem ansonsten überwiegend sandigen Gebiet zeichneten sich zwei deutlich härtere Strukturen ab. Eine war rund 208 m lang, die zweite etwa 275 m. Beide ragten mehrere Meter aus dem Meeresboden heraus.

Anschließend setzte das Team eine kabelgebundene Unterwasserdrohne und ein stationäres Tiefseekamerasystem ein. Erst diese Aufnahmen zeigten, was auf den Sonarbildern nicht zu erkennen war: Auf den Felsen wuchsen lebende Korallen. „Ich erinnere mich noch gut an diese ersten Bilder“, sagte Zinzindohoué. „Es war eine Mischung aus Aufregung und Ungläubigkeit, denn nachdem wir so lange über dieses Riff nachgedacht hatten, lag plötzlich etwas Reales vor uns.“

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Kein klassisches Korallenriff

Die Kameras zeigten vor allem Weichkorallen und fächerförmige Gorgonien. Das Team unterschied mindestens sechs Formen von Oktokorallen und zwei Formen Schwarzer Korallen.

Riffbildende Steinkorallen, deren Kalkskelette feste Riffkörper aufbauen, kamen dagegen nur vereinzelt vor. Die Forschenden sprechen deshalb nicht von einem klassischen Korallenriff, sondern von einem mesophotischen Korallengarten.

Mesophotisch bedeutet, dass das Ökosystem in einer Tiefe liegt, in die nur noch wenig Sonnenlicht vordringt. Solche Korallengemeinschaften können verstreut auf einzelnen Felsen wachsen, statt eine durchgehende Barriere zu bilden.

Neben den Korallen erfasste das Team acht Fischarten. Dazu gehörten der Goldene Afrikaschnapper, der Schwarzstreifen-Soldatenfisch und der Guineische Kaiserfisch. Die Fische nutzten die verzweigten Strukturen offenbar als Schutzraum und zur Nahrungssuche.

Viele Fragen bleiben offen

Die Artenbestimmung ist noch vorläufig. Das Team konnte bislang keine Korallenproben entnehmen. Die Zuordnung beruht daher allein auf Bildern und sichtbaren Wuchsformen. Auch die Geschichte des Fundorts bleibt ungeklärt. Es lässt sich nicht feststellen, ob die heute beobachteten Korallen bereits in den 1960er Jahren lebten oder ob sich die Gemeinschaft später neu entwickelte.

Unklar ist zudem, wie groß das gesamte Vorkommen ist. Die historischen Berichte beschrieben eine möglicherweise rund 40 km lange Struktur parallel zur Küste. Die neue Untersuchung erfasste davon nur einen kleinen Abschnitt. „Dies ist noch eine erste Erkundung“, sagte Zinzindohoué. Weitere Sonarmessungen, Tauchgänge und Proben müssten nun zeigen, wie weit sich die Korallengärten erstrecken und welche Arten dort tatsächlich leben.



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