Ressourcenverbrauch 07.05.2015, 08:51 Uhr

27 Megastädte verglichen: New York mit Abstand an der Spitze

Kanadische Forscher haben den Verbrauch von Energie und Wasser sowie die Müllproduktion in 27 Städteregionen mit mehr als zehn Millionen Einwohnern miteinander verglichen. Die Unterschiede sind frappierend. So verbraucht die indonesische Hauptstadt Djakarta 95 Prozent weniger Wasser als die US-Metropole New York.

Führt das Negativ-Ranking an: New York verursacht den meisten Abfall unter den untersuchten 27 Megacities und verbraucht die meiste Energie. 

Führt das Negativ-Ranking an: New York verursacht den meisten Abfall unter den untersuchten 27 Megacities und verbraucht die meiste Energie. 

Foto: Aurelien Guichard/Flickr (CC BY-SA 2.0)

Unter den 27 Megastädten der Welt ist New York Spitzenreiter, obwohl die US-Metropole keineswegs die meisten Einwohner hat. In diesem Fall ist das kein Anlass zur Freude: New York verursacht den meisten Abfall unter allen Städten. Würde der gesamte Energieverbrauch durch Erdöl gedeckt müsste alle 36 Stunden ein Supertanker im Hafen der Stadt seine Ladung löschen, um den Bedarf zu decken.

Genügsame Bewohner von Tokio

Derart spannende Erkenntnisse haben Chris Kennedy von der University of Toronto und dessen Kollegen in einer Studie veröffentlicht. Sie haben Städte mit einer Einwohnerzahl von mehr als zehn Millionen unter die Lupe genommen. Europa ist nur mit London, Paris und Moskau vertreten. Die meisten der Megastädte befinden sich in Asien, darunter Tokio mit einer Einwohnerzahl von 34 Millionen.

Tokio: Obwohl fast doppelt so groß wie die Metropolregion New York verbrauchen die Bewohner der japanischen Hauptstadt 14 Prozent weniger Energie und knapp die Hälfte an Wasser. 

Tokio: Obwohl fast doppelt so groß wie die Metropolregion New York verbrauchen die Bewohner der japanischen Hauptstadt 14 Prozent weniger Energie und knapp die Hälfte an Wasser. 

Foto: Danny15/Wikimedia (CC BY-SA3.0)

Obwohl fast doppelt so groß wie die Metropolregion New York verbrauchen die Bewohner der japanischen Hauptstadt 14 Prozent weniger Energie (Strom, Erdgas, Heizöl und Treibstoff) und knapp die Hälfte an Wasser. Die Autoren der Studie machen das sehr gut ausgebaute Netz des öffentlichen Nahverkehrs für diese Erfolgsbilanz verantwortlich.

Grauwassernetz in Seoul

Eine positive Wasserbilanz kann auch die südkoreanische Hauptstadt Seoul vorweisen. Das liegt unter anderem daran, dass so genannte Grauwassersysteme dort weit verbreitet sind. Trinkwasser, das die Bewohner beim Duschen und Baden verbrauchen, wird anschließend als Spülwasser für die Toiletten genutzt.

Die südamerikanischen Metropolen Sao Paulo und Rio de Janeiro dagegen sind wahre Wasserverschwender. Nicht dass die Bewohner extrem viel verbrauchen. Das Leitungsnetz ist vielmehr in einem katastrophalen Zustand. Rund 50 Prozent des Trinkwasser gehen durch Lecks verloren. „Das sind Orte, die wirklich knapp an Wasser sind. Trotzdem lassen sie es versickern“, wundert sich Kennedy.

Nur London hat eine positive Bilanz

Die Verstädterung nimmt zu, auch das Wachstum der Megastädte. Zwischen 2000 und 2010 wuchs die Hälfte der 27 untersuchten Megastädte um mehr als zehn Prozent, Istanbul, Dhaka, Peking, Shenzhen und Shanghai sogar um mehr als 40 Prozent. Die Folge ist ein immer größerer Verbrauch an Ressourcen. Einzige Ausnahme ist London. Dort sinkt der Stromverbrauch. Die Autoren der Studie machen dafür schlicht die hohen Strompreise verantwortlich.

Auch London strahlt bei Nacht. Dennoch: Als einzige Megastadt hat sie es geschafft, den Stromverbrauch zu senken. Offenbar weil er so teuer ist. 

Auch London strahlt bei Nacht. Dennoch: Als einzige Megastadt hat sie es geschafft, den Stromverbrauch zu senken. Offenbar weil er so teuer ist. 

Foto: Pug Girl/Flickr (CC BY 2.0)

In den 27 größten Städten der Welt leben heute 6,7 Prozent aller Menschen. Sie verbrauchen neun Prozent des Stroms und zehn Prozent des Treibstoffs. Außerdem produzieren sie 13 Prozent des weltweit anfallenden Mülls. Dabei gibt es gewaltige Unterschiede. Die Bewohner von Djakarta etwa, der indonesischen Hauptstadt, begnügen sich mit vier Prozent des Wassers, das die New Yorker verbrauchen.

Drittgrößter Energieverbraucher ist Moskau, obwohl die Metropolregion mit knapp 17 Millionen Menschen nur im Mittelfeld liegt. Als Ursache für die stark unterschiedliche Ressourcennutzung machen die Autoren neben der Höhe des Einkommens auch die geografische Lage aus. In Moskaus strengen Wintern werde eben mehr Energie verbraucht als in Regionen mit gemäßigtem Klima.

Von Wolfgang Kempkens

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