Putins Starlink? Warum die Bundeswehr vor Russlands Satellitenplänen warnt
Russland baut mit Rasswet ein eigenes Satelliteninternet auf. Die Bundeswehr hält den Zeitplan laut WDR und NDR für kaum haltbar, warnt aber vor den militärischen Folgen, falls das System gelingt.
SpaceX bringt im Juli 2026 Starlink-Satelliten ins All. Russland will mit Rasswet ein Gegenstück aufbauen; bislang sind 32 Satelliten gestartet.
Foto: picture alliance/NurPhoto | Reginald Mathalone
Russland treibt mit dem Satellitensystem Rasswet eine eigene Alternative zu Starlink voran. Die Bundeswehr hält die Pläne kurzfristig zwar für technisch und logistisch schwer umsetzbar, sieht in einer erfolgreichen Realisierung aber erhebliches militärisches Potenzial. Das geht aus Recherchen von WDR und NDR hervor, denen nach eigenen Angaben eine vertrauliche Analyse der Bundeswehr vorliegt.
Demnach soll Rasswet-3 frühestens Ende 2027 mit 288 Satelliten in Betrieb gehen. Wegen der vergleichsweise geringen Zahl an Satelliten werde das System zu diesem Zeitpunkt jedoch „sehr wahrscheinlich nur eine bedingte Einsatzbereitschaft erreichen“, heißt es laut WDR und NDR in der Analyse. Bis 2030 soll die Konstellation nach russischen Planungen auf 730 und bis 2035 auf rund 900 Satelliten anwachsen.
Zum Vergleich: Die Starlink-Konstellation von SpaceX umfasst inzwischen mehr als 10.000 aktive Satelliten. Die Bundeswehr geht daher laut Bericht davon aus, dass Rasswet die Leistungsfähigkeit von Starlink auf absehbare Zeit nicht erreichen wird.
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Satelliten könnten Drohnen in Echtzeit steuern
Militärisch relevant könnte Rasswet aber trotzdem werden. Nach der von WDR und NDR zitierten Bundeswehranalyse sollen die Kapazitäten in der ersten Ausbauphase zunächst vor allem den russischen Streitkräften zur Verfügung stehen. Damit könnte Russland eine eigene satellitengestützte Kommunikationsinfrastruktur für unbemannte Systeme aufbauen.
Die Bundeswehr erwartet demnach, dass russische Streitkräfte damit Veränderungen am Boden „augenblicklich“ erkennen und flexibler darauf reagieren könnten. Zudem nennt die Analyse eine mögliche höhere Treffgenauigkeit sowie einen vermehrten Einsatz gegen mobile Ziele.

32 Rasswet-3-Satelliten 2026 gestartet
Entwickelt wird Rasswet vom russischen Raumfahrt- und Telekommunikationsunternehmen Bureau 1440. Das Unternehmen brachte nach eigenen Angaben im März 2026 die ersten 16 Satelliten der Zielkonstellation in den niedrigen Erdorbit. Eine zweite Charge mit weiteren 16 Satelliten folgte im Juli. Bereits 2023 und 2024 waren jeweils Testsatelliten gestartet worden.
Öffentliche Trackingdaten zeigen allerdings Probleme beim Aufbau der Konstellation. Mindestens ein Rasswet-3-Satellit ist bereits wieder in die Erdatmosphäre eingetreten. Weitere Satelliten befanden sich zumindest Anfang September noch unterhalb ihrer vorgesehenen Einsatzhöhe. Auch die Bundeswehr sieht laut WDR und NDR Risiken für den Zeitplan – unter anderem bei der Satellitenproduktion und der Verfügbarkeit von Trägerraketen.
Ob Russland den geplanten Ausbau tatsächlich im vorgesehenen Tempo umsetzen kann, ist noch offen. Das wird aber neben Produktionskapazitäten und verfügbaren Trägersystemen wohl auch von der weiteren Entwicklung des Krieges gegen die Ukraine abhängen.
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