Zwei Szenarien 16.09.2026, 15:30 Uhr

Putins Starlink? Warum die Bundeswehr vor Russlands Satellitenplänen warnt

Russland baut mit Rasswet ein eigenes Satelliteninternet auf. Die Bundeswehr hält den Zeitplan laut WDR und NDR für kaum haltbar, warnt aber vor den militärischen Folgen, falls das System gelingt.

Rakete beim Start

SpaceX bringt im Juli 2026 Starlink-Satelliten ins All. Russland will mit Rasswet ein Gegenstück aufbauen; bislang sind 32 Satelliten gestartet.

Foto: picture alliance/NurPhoto | Reginald Mathalone

Russland treibt mit dem Satellitensystem Rasswet eine eigene Alternative zu Starlink voran. Die Bundeswehr hält die Pläne kurzfristig zwar für technisch und logistisch schwer umsetzbar, sieht in einer erfolgreichen Realisierung aber erhebliches militärisches Potenzial. Das geht aus Recherchen von WDR und NDR hervor, denen nach eigenen Angaben eine vertrauliche Analyse der Bundeswehr vorliegt.

Demnach soll Rasswet-3 frühestens Ende 2027 mit 288 Satelliten in Betrieb gehen. Wegen der vergleichsweise geringen Zahl an Satelliten werde das System zu diesem Zeitpunkt jedoch „sehr wahrscheinlich nur eine bedingte Einsatzbereitschaft erreichen“, heißt es laut WDR und NDR in der Analyse. Bis 2030 soll die Konstellation nach russischen Planungen auf 730 und bis 2035 auf rund 900 Satelliten anwachsen.

Zum Vergleich: Die Starlink-Konstellation von SpaceX umfasst inzwischen mehr als 10.000 aktive Satelliten. Die Bundeswehr geht daher laut Bericht davon aus, dass Rasswet die Leistungsfähigkeit von Starlink auf absehbare Zeit nicht erreichen wird.

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Satelliten könnten Drohnen in Echtzeit steuern

Militärisch relevant könnte Rasswet aber trotzdem werden. Nach der von WDR und NDR zitierten Bundeswehranalyse sollen die Kapazitäten in der ersten Ausbauphase zunächst vor allem den russischen Streitkräften zur Verfügung stehen. Damit könnte Russland eine eigene satellitengestützte Kommunikationsinfrastruktur für unbemannte Systeme aufbauen.

Die Bundeswehr erwartet demnach, dass russische Streitkräfte damit Veränderungen am Boden „augenblicklich“ erkennen und flexibler darauf reagieren könnten. Zudem nennt die Analyse eine mögliche höhere Treffgenauigkeit sowie einen vermehrten Einsatz gegen mobile Ziele.

Aqua satellite in space upon earth and rising sun, elements of this image furnished by NASA – 3D render. Foto: ©picture alliance / Visually | Elena Elenaphotos21/NASA-3D render

32 Rasswet-3-Satelliten 2026 gestartet

Entwickelt wird Rasswet vom russischen Raumfahrt- und Telekommunikationsunternehmen Bureau 1440. Das Unternehmen brachte nach eigenen Angaben im März 2026 die ersten 16 Satelliten der Zielkonstellation in den niedrigen Erdorbit. Eine zweite Charge mit weiteren 16 Satelliten folgte im Juli. Bereits 2023 und 2024 waren jeweils Testsatelliten gestartet worden.

Öffentliche Trackingdaten zeigen allerdings Probleme beim Aufbau der Konstellation. Mindestens ein Rasswet-3-Satellit ist bereits wieder in die Erdatmosphäre eingetreten. Weitere Satelliten befanden sich zumindest Anfang September noch unterhalb ihrer vorgesehenen Einsatzhöhe. Auch die Bundeswehr sieht laut WDR und NDR Risiken für den Zeitplan – unter anderem bei der Satellitenproduktion und der Verfügbarkeit von Trägerraketen.

Ob Russland den geplanten Ausbau tatsächlich im vorgesehenen Tempo umsetzen kann, ist noch offen. Das wird aber neben Produktionskapazitäten und verfügbaren Trägersystemen wohl auch von der weiteren Entwicklung des Krieges gegen die Ukraine abhängen.

Ein Beitrag von:

  • Elke von Rekowski

    Chefredakteurin der VDI energie + umwelt und freie Redakteurin der VDI nachrichten sowie Ingenieur.de, unter anderem für die Themen Elektronik und Telekommunikation. Als langjährige Technikjournalistin arbeitete sie für verschiedene Branchenmagazine und Fachzeitschriften. Außerdem ist sie Mit-Gründerin einer E-Health Nachrichtenplattform.

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