Jupitermond: Zweifel an Wasserfontänen auf Europa wachsen
Neue Hubble-Analysen stellen frühere Hinweise auf Wasserfontänen am Jupitermond Europa infrage. Forschende bewerten alte Daten neu.
Eine neue Studie des SwRI hat Zweifel an der Existenz von Wasserdampfwolken auf dem Jupitermond Europa aufkommen lassen, die ursprünglich auf der Grundlage von Beobachtungen des Hubble-Weltraumteleskops aus dem Jahr 2012 gemeldet worden waren.
Foto: Nasa, Public Domain
Der Jupitermond Europa gilt seit Jahren als einer der spannendsten Orte im Sonnensystem. Unter seiner kilometerdicken Eiskruste vermuten Forschende einen gewaltigen Salzwasser-Ozean. Genau deshalb sorgte eine Studie aus dem Jahr 2014 für großes Interesse. Damals glaubte ein Forschungsteam, Hinweise auf Wasserdampffontänen entdeckt zu haben, die aus dem Inneren Europas ins All schießen.
Nun gerät diese Interpretation ins Wanken. Forschende des Southwest Research Institute haben 14 Jahre Beobachtungsdaten des Hubble-Weltraumteleskop erneut ausgewertet. Das Ergebnis: Die früheren Hinweise auf Wasserdampf sind deutlich unsicherer als zunächst angenommen.
Alte Daten neu bewertet
Im Mittelpunkt der Analyse standen sogenannte Lyman-Alpha-Signale. Dabei handelt es sich um ultraviolettes Licht, das von Wasserstoffatomen ausgesendet oder gestreut wird. Solche Signale können Hinweise auf entweichenden Wasserdampf liefern.
Die Forschenden nutzten dafür Daten des Instruments STIS an Bord des Hubble-Teleskops. Zwischen 2012 und 2014 arbeiteten sie dabei offenbar bereits an den Grenzen der technischen Möglichkeiten. „Die Beweise für Wasserdampfwolken auf Europa sind nicht so stichhaltig, wie wir zunächst angenommen hatten“, sagte Dr. Kurt Retherford vom SwRI.
Ein zentrales Problem lag offenbar in der exakten Positionierung Europas auf den Aufnahmen. Schon minimale Abweichungen konnten die Ergebnisse beeinflussen. „Wenn die Position von Europa auch nur um ein oder zwei Pixel abweicht, könnte dies die Interpretation der Daten beeinflussen“, erklärte Retherford.
Vielleicht nur statistisches Rauschen
Genau das könnte nun passiert sein. Was damals wie ein schwaches Signal einer Wasserfontäne aussah, könnte schlicht statistisches Rauschen gewesen sein.
Dr. Lorenz Roth, Hauptautor der neuen Studie, formuliert das deutlich: „Unsere erneute Analyse hat unsere ursprüngliche 99,9-prozentige Sicherheit hinsichtlich der Existenz der Fontänen auf weniger als 90 Prozent reduziert.“
Für die Forschenden reicht das nicht mehr aus, um die damaligen Aussagen mit derselben Sicherheit aufrechtzuerhalten.
Das bedeutet allerdings nicht, dass Europa definitiv keine Wasserfontänen besitzt. Die aktuelle Untersuchung schwächt lediglich die bisherigen Hinweise. Retherford betont deshalb: „Die Beschreibung des Phänomens hält einer Überprüfung einfach nicht mehr stand.“
Europa bleibt trotzdem hochinteressant
Trotz der neuen Zweifel bleibt Europa eines der wichtigsten Ziele der Planetenforschung. Der Mond besitzt vermutlich einen globalen Ozean unter seiner Eisdecke. Viele Forschende halten es weiterhin für möglich, dass Wasser durch Risse im Eis an die Oberfläche gelangt.
Andere Monde liefern dafür Beispiele. Auf dem Saturnmond Enceladus wurden Wasserdampffontänen eindeutig nachgewiesen. Beim Jupitermond Io schleudern Vulkane Schwefeldioxid ins All.
Die Hoffnung richtet sich nun auf die NASA-Mission Europa Clipper. Die Raumsonde soll ab 2030 das Jupitersystem untersuchen und Europas Oberfläche sowie mögliche Ausgasungen deutlich genauer analysieren.
Warum Europa für Forschende so wichtig ist
Europa zählt seit Jahren zu den spannendsten Zielen der Planetenforschung. Unter der dicken Eisschicht des Jupitermonds vermuten Forschende einen riesigen Salzwasser-Ozean. Einige Modelle gehen sogar davon aus, dass Europa insgesamt mehr Wasser enthält als die Erde. Genau das macht den Mond für die Wissenschaft so interessant. Wo flüssiges Wasser existiert, könnten grundsätzlich auch Bedingungen entstehen, die einfaches Leben ermöglichen.
Besonders spannend wäre der Nachweis von Wasserfontänen. Sollten tatsächlich Wasser und Eispartikel aus dem Inneren Europas ins All geschleudert werden, könnten Raumsonden dieses Material direkt untersuchen. Eine Landung auf der vereisten Oberfläche wäre dafür zunächst gar nicht nötig. Künftige Missionen könnten durch solche Fontänen fliegen und die enthaltenen Teilchen analysieren. Forschende hoffen dabei unter anderem auf Hinweise auf chemische Verbindungen, die Rückschlüsse auf die Bedingungen im verborgenen Ozean zulassen.
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