Ein Augenblick im All 13.11.2025, 10:08 Uhr

Was niemand je sah: VLT fängt die Geburt einer Supernova ein

VLT beobachtet erstmals die allererste Phase einer Supernova und enthüllt die ursprüngliche Form der Explosion. Neue Einblicke in den Tod massereicher Sterne.

Künstlerische Darstellung der anfänglichen Form einer Supernova-Explosion

Künstlerische Darstellung der anfänglichen Form einer Supernova-Explosion.

Foto: ESO/L. Calçada

Eine Supernova ist für die meisten von uns ein helles Aufleuchten am Himmel, ein kosmisches Ereignis in weiter Ferne. Für die Astronomie ist sie ein Fenster in die letzte Lebensphase massereicher Sterne. Nun ist Forschenden etwas gelungen, das zuvor niemand beobachten konnte: Das Very Large Telescope (VLT) der Europäischen Südsternwarte hat die Explosion eines Sterns praktisch in Echtzeit erfasst – genauer gesagt die allererste Phase, wenige Stunden nach dem „Durchbruch“ des Schocks durch die Sternoberfläche.

Diese Beobachtung war nur möglich, weil alles extrem schnell ging. Als die Supernova SN 2024ggi am 10. April 2024 entdeckt wurde, befand sich der Astronom Yi Yang gerade am Flughafen in San Francisco. Er war frisch gelandet, sah die Meldung – und stellte bereits zwölf Stunden später einen Beobachtungsantrag. Die ESO reagierte ebenso zügig. Am 11. April, nur 26 Stunden nach der Entdeckung, richtete das VLT in Chile seinen Blick auf das Ereignis.

Ein Nachbar im Universum

SN 2024ggi explodierte in der Galaxie NGC 3621, rund 22 Millionen Lichtjahre entfernt. Für kosmische Maßstäbe ist das erstaunlich nah. Die Explosion ging auf den Kollaps eines Roten Überriesen zurück. Dieser Stern brachte etwa 12 bis 15 Sonnenmassen mit und besaß einen Radius, der die Sonne um das 500-Fache übertraf. Sternphysikalisch passt er damit zu dem, was Fachleute als typische Ausgangsform einer Supernova vom Typ II-P bezeichnen.

Top Stellenangebote

Zur Jobbörse
Wirtschaftsbetrieb Hagen AöR-Firmenlogo
Fachbereichsleitung Grün (m/w/d) Wirtschaftsbetrieb Hagen AöR
Heilbronner Versorgungs GmbH-Firmenlogo
Planungsingenieur in den Bereichen Gas und Wasser (m/w/d) Heilbronner Versorgungs GmbH
Heilbronn Zum Job 
Flughafen München GmbH-Firmenlogo
Leiter Elektrotechnik / Stromnetzprojekte (w/m/d) Flughafen München GmbH
Oberding Zum Job 
Intego GmbH-Firmenlogo
Servicetechniker / Field Service Engineer (m/w/d) - Einsatz in Kalifornien (USA) Intego GmbH
Erlangen Zum Job 
PohlCon GmbH-Firmenlogo
Anwendungsingenieur (m/w/d) PohlCon GmbH
Sumitomo Rubber Europe GmbH-Firmenlogo
Ingenieur FEA (m/w/d) Reifensimulation in Hanau Sumitomo Rubber Europe GmbH
Bundesanstalt für Straßen- und Verkehrswesen (BASt)-Firmenlogo
Bauingenieurin / Bauingenieur (m/w/d) (Master/Uni-Diplom) Bundesanstalt für Straßen- und Verkehrswesen (BASt)
Bergisch Gladbach Zum Job 
wpd infrastruktur GmbH-Firmenlogo
Erfahrener Projektleiter Bau (m/w/d) wpd infrastruktur GmbH
Universität zu Köln-Firmenlogo
Bauingenieur*in oder Architekt*in (w/m/d) mit Vertiefung im Baubetrieb bzw. Projektmanagement Universität zu Köln
wpd infrastruktur GmbH-Firmenlogo
Erfahrener Elektroingenieur (m/w/d) für nationale Wind- und Solarenergieprojekte wpd infrastruktur GmbH
wpd construction GmbH-Firmenlogo
Erfahrener Projektleiter Elektrotechnik (m/w/d) wpd construction GmbH
Bietigheim-Bissingen Zum Job 
Universität zu Köln-Firmenlogo
Ingenieur*in (w/m/d) für Energiemanagement, Nachhaltigkeit und technische Gebäudeentwicklung Universität zu Köln
Boyd Weiler GmbH & Co. KG-Firmenlogo
CAD-Konstrukteur (m/w/d) Boyd Weiler GmbH & Co. KG
Weiler-Simmerberg Zum Job 
TransnetBW GmbH-Firmenlogo
Senior Ingenieur Systemintegration und KI-basierte Performancebewertung (w/m/d) TransnetBW GmbH
Stuttgart Zum Job 
TransnetBW GmbH-Firmenlogo
Ingenieur Systemführung Operative Betriebsplanung (w/m/d) TransnetBW GmbH
Stuttgart Zum Job 
Allbau Managementgesellschaft mbH-Firmenlogo
Bauprojektleiter (m/w/d) Allbau Managementgesellschaft mbH
DFS Deutsche Flugsicherung GmbH-Firmenlogo
Ingenieur* im Anforderungsmanagement DFS Deutsche Flugsicherung GmbH
WipflerPLAN Planungsgesellschaft-Firmenlogo
Bauingenieur / Bautechniker Kommunaler Tiefbau (m/w/d) WipflerPLAN Planungsgesellschaft
Donauwörth, Nördlingen, Pfaffenhofen an der Ilm, Lauf an der Pegnitz Zum Job 
VINCORION Advanced Systems GmbH-Firmenlogo
Information Security Manager (all genders) VINCORION Advanced Systems GmbH
Hochschule Düsseldorf University of Applied Sciences-Firmenlogo
Professur "Wirtschaftsinformatik und Datenbanken mit dem Schwerpunkt IT-Venture-Design, Digital Enterprise und innovativer Lehre in Makerspace-Settings (W2)" Hochschule Düsseldorf University of Applied Sciences
Düsseldorf Zum Job 

In solchen Sternen herrscht ein empfindliches Gleichgewicht: Nach innen zieht die Gravitation, nach außen drückt der Energiefluss aus den Kernreaktionen. Irgendwann ist der Brennstoff verbraucht. Der innere Motor stottert, der Kern kollabiert. Die darüberliegenden Schichten stürzen nach innen, werden wieder abgestoßen und erzeugen eine Schockwelle, die sich ihren Weg durch den Stern bahnt.

Wenn die Explosion durch den Stern bricht

Diese Druckfront erreicht irgendwann die Oberfläche. Wenn sie dort „durchbricht“, verändert sich die Helligkeit des Sterns schlagartig. Genau dieser Moment – das sogenannte Shock Breakout – ist ein Schlüssel zum Verständnis der Explosion. Normalerweise wird er verpasst, da er nur wenige Stunden anhält. Diesmal jedoch war das VLT rechtzeitig.

„Die ersten VLT-Beobachtungen erfassten die Phase, in der Materie, die durch die Explosion nahe dem Zentrum des Sterns beschleunigt wurde, durch die Sternoberfläche brach“, erklärt der ESO-Astronom Dietrich Baade. In diesem kurzen Zeitfenster lassen sich Erkenntnisse gewinnen, die später nicht mehr zugänglich sind.

Wenn Licht mehr erzählt als seine Farbe

Um den jungen Feuerball zu untersuchen, nutzte das Team eine Technik, die tiefe Einblicke in die Struktur der Explosion liefert: Spektropolarimetrie. Dabei wird nicht nur untersucht, wie hell die Supernova ist und welche Farben ihr Licht besitzt. Entscheidend ist die Polarisation – die Richtung, in der die Lichtwellen schwingen.

Das klingt abstrakt, ist aber enorm hilfreich. Ein völlig symmetrisches Objekt sendet Licht aus, dessen Polarisation gleichmäßig verteilt ist. Wenn die Explosion hingegen eine Form besitzt, zeigen sich Abweichungen. Das Licht verrät also gewissermaßen die innere Architektur.

Das geeignete Instrument dafür heißt FORS2 und ist am VLT montiert. Es ist weltweit eines der wenigen Geräte, die diese Messungen an Supernovae in so früher Phase ermöglichen. Lifan Wang, Mitautor der Studie, beschreibt das so: „Die Spektropolarimetrie liefert Informationen über die Geometrie der Explosion, die mit anderen Beobachtungsmethoden nicht zugänglich sind.“

Eine Explosion in Olivenform

Die Daten überraschten das Team. Der erste Materieauswurf war nicht kugelförmig. Stattdessen erinnerte die Form eher an eine Olive – länglich, asymmetrisch, mit klarer Achsenausrichtung. Dieses frühe Muster hält wichtige Hinweise auf die physikalischen Prozesse im Inneren bereit.

Während die Explosion weiter anwuchs und mit dem Material rund um den Stern wechselwirkte, wurde die Form flacher. Die Achse blieb jedoch erhalten. Genau diese Stabilität lässt Forschende aufhorchen. Sie spricht für einen gemeinsamen Mechanismus, der in vielen massereichen Sternen wirkt. Yi Yang formuliert es so: „Diese Ergebnisse deuten auf einen gemeinsamen physikalischen Mechanismus hin, der die Explosion vieler massereicher Sterne antreibt.“

Ein Moment, der nur selten gelingt

Weshalb ist diese Beobachtung so besonders? Weil der Ablauf einer Supernova extrem schnell eskaliert. Innerhalb von Stunden verwischen die ursprünglichen Formen. Die Explosion bildet Schichten aus, trifft auf Sternwind-Material, interagiert mit Gaswolken – alles verändert das ursprüngliche Bild. Wer die ersten Stunden verpasst, sieht nur das Endergebnis und muss rückwärts rechnen.

Dieses Mal jedoch konnten Forschende direkt in die erste Sekunde der kosmischen Katastrophe schauen. Genau das macht die Daten so wertvoll. Sie erlauben Rückschlüsse darauf,

  • wie der Stern aufgebaut war,
  • wie der Kollaps ablief,
  • und warum die Explosion nicht kugelförmig war.

Für die Astronomie ist das eine Gelegenheit, die sich vielleicht erst in Jahrzehnten wiederholt.

Ferdinando Patat von der ESO beschreibt die Dimension so: „Diese Entdeckung verändert nicht nur unser Verständnis stellarer Explosionen, sondern zeigt auch, was möglich ist, wenn Wissenschaft Grenzen überwindet.“

Hier geht es zur Originalpublikation (PDF)

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

Themen im Artikel

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.