Weltrekord in Bahia: Nexat erntet 637 t Soja in 8 Stunden
Nexat stellt in Bahia einen Weltrekord bei der Sojaernte auf – rund ein Drittel mehr als der bisherige Bestwert. Wie hat der Hersteller das geschafft?
So sieht der Rekordlauf aus: In Bahia erntete das Nexat-System in acht Stunden mehr als 637 t Sojabohnen.
Foto: Nexat
Ganz genau 637,76 t Sojabohnen in acht Stunden auf 158,16 ha: Mit diesem Rekordlauf in Bahia hat Nexat eine neue Bestmarke in der Erntetechnik gesetzt. Technisch spannend ist der Fall aber nicht nur wegen der Menge. Der Lauf zeigt, woran Hochleistungsmaschinen heute tatsächlich gemessen werden. Nicht entscheidend ist allein, wie viel Erntegut vorne ins System gelangt. Entscheidend ist, ob die Maschine diese Mengen im Inneren ohne Engpässe weiterverarbeiten kann.
Inhaltsverzeichnis
Der Flaschenhals sitzt oft nicht am Schneidwerk
Der zentrale Unterschied des NEXCO-Moduls zu klassischen Mähdreschern liegt im Aufbau des Dresch- und Abscheidesystems. Während konventionelle Maschinen das Erntegut meist längs durch die Maschine führen, arbeitet Nexat mit einer quer zur Fahrtrichtung angeordneten Rotoreinheit.
Das verändert den Gutfluss grundlegend. Das Material wird über die volle Arbeitsbreite aufgenommen und muss nicht erst in der Maschinenmitte auf einen engeren Bereich zusammengeführt werden. Genau dort entsteht bei herkömmlichen Hochleistungssystemen oft der Engpass. Wenn die Zuführung stark steigt, wachsen auch die Anforderungen an Einzug, Abscheidung und Reinigung. Ab einem gewissen Punkt nehmen Verluste zu oder die Prozessstabilität leidet.
Nexat versucht, dieses Problem über die Architektur der Maschine zu lösen. Der Gutstrom wird aufgeteilt, sodass zwei Abscheide- und Reinigungseinheiten parallel arbeiten. Das soll den Materialfluss gleichmäßiger halten und hohe Durchsätze auch dann absichern, wenn in kurzer Zeit sehr große Mengen Erntegut verarbeitet werden müssen.
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Breite und Tempo bringen nur etwas, wenn die Maschine intern mithält
Zum Rekord trug nicht nur das Dreschmodul bei, sondern auch das eingesetzte Schneidwerk. Nexat kombinierte das System mit einem 15,2 m breiten MacDon-FlexDraper-Schneidwerk und fuhr dabei 13,6 km/h.
Genau diese Kombination macht den Lauf technisch interessant. Denn bei großer Arbeitsbreite und hohem Tempo strömt in sehr kurzer Zeit enorm viel Material in die Maschine. Das ist kein Detail, sondern die eigentliche Belastungsprobe. Ein breites Schneidwerk allein beweist noch wenig. Entscheidend ist, ob die nachgelagerten Baugruppen diese Mengen dauerhaft aufnehmen, trennen, reinigen und austragen können.
Der Rekord deutet darauf hin, dass genau das gelungen ist. Die hohe Flächenleistung entstand offenbar nicht nur an der Aufnahmefront, sondern blieb auch im Maschineninneren beherrschbar. Nur dann lässt sich ein Durchsatz von fast 80 t pro Stunde überhaupt stabil halten.
Auch das Strohmanagement wird bei 15 m Arbeitsbreite zur Technikfrage
Bei solchen Leistungen rückt ein weiterer Punkt in den Fokus, der in Rekordmeldungen oft untergeht: die Verteilung der Erntereste. Bei einer Schnittbreite von mehr als 15 m wird eine saubere Querverteilung des Strohs für die anschließende Bodenbearbeitung wichtig. Bleibt zu viel Material in der Mitte liegen, erschwert das die weitere Feldarbeit und kann die Arbeitsqualität deutlich verschlechtern.
NEXCO setzt hier auf zwei parallel arbeitende Strohhäcksler, die das Material über die gesamte Arbeitsbreite verteilen sollen. Auch das gehört zum Gesamtsystem. Hoher Durchsatz allein reicht nicht, wenn das Rückstandsmanagement nicht dazu passt.
Hohe Leistung zählt nur, wenn die Maschine verfügbar bleibt
Zur technischen Bewertung gehört außerdem ein Punkt, der in Rekordzahlen kaum sichtbar wird: die Verfügbarkeit. Eine Maschine ist nicht nur dann effizient, wenn sie in der Stunde viel schafft. Sie muss auch so aufgebaut sein, dass Wartung, Rüstvorgänge und Service nicht unnötig Zeit kosten.
Nexat verweist hier auf die modulare Bauweise des Systemträgers. Sie soll den Zugang zu wichtigen Komponenten erleichtern und Stillstandszeiten verkürzen. Für die Praxis ist das relevant. Denn Erntefenster sind eng. Eine hohe theoretische Flächenleistung nützt wenig, wenn Servicearbeiten zu lange dauern oder kritische Bauteile schlecht erreichbar sind.
Die Leistungsdaten im Überblick
Die offiziell genannten Werte zeigen, warum der Lauf Aufmerksamkeit bekommt:
- Gesamtmenge: 637,76 t Sojabohnen in 8 Stunden
- Fläche: 158,16 ha
- Durchsatz: 79,72 t/h
- Fahrgeschwindigkeit: 13,6 km/h
- Arbeitsbreite: 15,2 m
- Dieselverbrauch: 7,5 l/ha
- Verluste: unter 0,5 %
- Feuchtegehalt: 14 %
Vor allem die Kombination aus hohem Durchsatz und geringen Verlusten macht den Rekord technisch interessant. Denn eine hohe Stundenleistung wäre technisch deutlich weniger aussagekräftig, wenn dabei sichtbar mehr Korn auf dem Feld bliebe.
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