Porsche verkauft weniger Autos und will trotzdem mehr verdienen
Schon ab weniger als 200.000 Autos im Jahr soll sich das Geschäft künftig rechnen, 2025 waren es noch rund 280.000. Dafür setzt Porsche auf teurere Modelle, weniger Varianten und Stellenabbau. Die Halbjahresbilanz fällt bereits besser aus.
Porsche-Chef Michael Leiters vor dem Stammsitz in Zuffenhausen. Mit der Strategie „Sportwagenschmiede ’35“ soll die Gewinnschwelle unter 200.000 Autos sinken.
Foto: Porsche AG
Porsche will künftig schon mit weniger als 200.000 verkauften Fahrzeugen die Gewinnschwelle erreichen. 2025 lieferte der Sportwagenhersteller noch 279.449 Autos aus. Der Abstand zeigt, wie stark Vorstandschef Michael Leiters die Kostenstruktur verändern will. Auf dem Kapitalmarkttag am 7. Oktober in Weissach stellte Porsche dafür seine Strategie „Sportwagenschmiede ’35“ vor: mehr Ertrag je Auto, weniger Abhängigkeit von hohen Stückzahlen.
Porsche will die Entwicklungskosten künftiger Baureihen um bis zu 20 % und die Personalkosten in der Fertigung um bis zu 30 % senken, die Zahl der Modellvarianten sinkt um rund 20 %.
Die Ausgangslage ist schwierig. 2025 sank der Umsatz von 40 Mrd. € auf 36,27 Mrd. €. Das operative Ergebnis brach von 5,64 Mrd. € auf 413 Mio. € ein; die operative Umsatzrendite fiel von 14,1 % auf 1,1 %. Nach Porsche-Angaben belasteten außerordentliche Aufwendungen von rund 3,9 Mrd. € das Geschäft, unter anderem für die Neuordnung der Produktstrategie, Batterieaktivitäten und US-Zölle.
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Bessere Marge, deutlich weniger Autos
Im ersten Halbjahr 2026 verbesserte sich das operative Ergebnis von 1 Mrd. € auf 1,35 Mrd. €, obwohl der Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum von 18,16 Mrd. € auf 17,23 Mrd. € zurückging. Die Umsatzrendite stieg von 5,5 auf 7,8 %.
Allerdings halfen auch die geringeren Umbauaufwendungen: Die Nettobelastung aus der Neuausrichtung lag bei rund 100 Mio. €, nach rund 800 Mio. € im ersten Halbjahr 2025. Darin steckte auch die Auflösung von Rückstellungen über rund 300 Mio. €. Die Auslieferungen sanken im selben Zeitraum von 146.391 auf 122.306 Fahrzeuge. In China fiel die Zahl von 21.302 auf sogar nur 14.501. Der 911 hielt dagegen: Seine Auslieferungen stiegen im ersten Halbjahr auf 30.534 Fahrzeuge, rund 19 % mehr als im Vorjahreszeitraum.
Experten warnen vor den Grenzen des Schrumpfens
Der Autoanalyst Ferdinand Dudenhöffer gab bereits vor dem Kapitalmarkttag zu bedenken, dass eine bessere Marge bei sinkendem Absatz nicht automatisch einen hohen absoluten Gewinn bedeutet. Porsche werde mit seiner Strategie „Value over Volume“ immer kleiner, sagte er Reuters im September.
Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management (CAM) beschrieb gegenüber Reuters den Druck auf den Volkswagen-Konzern als maximal. Kostensenkungen allein würden VW nicht aus der Krise führen. Beide Einschätzungen veröffentlichte die Agentur am 21. September.
Für Porsche ist die neue Strategie also eine Bewährungsprobe: Die neuen Fahrzeuge müssen genug zusätzliche Nachfrage und Ertrag bringen, um die schrumpfenden bisherigen Absätze auszugleichen.
Elektro-Sportwagen und ein neues Verbrenner-SUV
Der Produktplan setzt auf mehrere Antriebe. Die elektrischen Nachfolger von 718 Boxster und Cayman sollen 2028 ihr erstes volles Produktionsjahr erreichen. Ebenfalls 2028 ist ein neues SUV mit Verbrenner- und Plug-in-Hybrid-Antrieb vorgesehen, parallel zum elektrischen Macan. Am 15. Oktober will Porsche eine mögliche neue Mittelmotor-Supersportwagenplattform vorstellen. Zugleich soll die Modellvielfalt sinken und die Zusammenarbeit mit Audi bei gemeinsamen Fahrzeugarchitekturen wachsen. Aus technischer Sicht liegt darin durchaus ein Spannungsfeld: Gemeinsame Komponenten verteilen Entwicklungskosten auf mehr Fahrzeuge. Fahrverhalten, Antrieb und Bedienung müssen trotzdem einen überzeugenden Grund liefern, den Porsche-Aufpreis zu bezahlen.
Die Sanierung bleibt eine mehrjährige Aufgabe
Zum Umbau gehört auch ein Stellenabbau. Der Hersteller berichtet von rund 9000 Positionen bis 2035. Rund 5000 dieser Stellen kamen im Juli mit dem Zukunftspaket hinzu. Betriebsbedingte Kündigungen sind bis Ende 2035 ausgeschlossen, der Abbau läuft über Fluktuation, Altersteilzeit und Aufhebungsverträge.
Mittelfristig will Porsche die Entwicklungskosten künftiger Baureihen um bis zu 20 % und die Personalkosten in der Fertigung um bis zu 30 % senken. Die Zahl der Modellvarianten soll um rund 20 % sinken.
Die bessere Halbjahresbilanz ist ein Fortschritt. Dauerhaft trägt der Kurs aber nur, wenn genug Kunden bereit sind, für weniger, aber teurere Porsche zu zahlen.
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