Materialien 06.05.2025, 17:00 Uhr

Gentechnik solls möglich machen: Handtasche aus T-Rex-Leder

Luxuslederwaren aus der Urzeit? Das klingt erst mal verrückt. Handtaschen, Uhrarmbänder, vielleicht Schuhe? Vom Mammut oder gar vom gefürchteten Predator T-Rex? Drei Unternehmen wollen genau das zusammen möglich machen.

Eine Handtasche aus T.Rex-Leder? Warum nicht? Ein Firmenkonsortium aus den Niederlanden will es möglich machen. Foto: VML Nederland

Eine Handtasche aus T.Rex-Leder? Warum nicht? Ein Firmenkonsortium aus den Niederlanden will es möglich machen.

Foto: VML Nederland

Man nehme etwas fossiliertes T-Rex-Kollagen – woher auch immer man das bekommen mag – , stellt Zellen mit synthetischer DNA her und lässt ihnen Zeit, ihre eigene Struktur zu bilden. Klingt einfach, oder?
Heraus kommt eine Art Leder, das nicht nur strukturell mit herkömmlichem Leder identisch ist, sondern auch dem Erscheinungsbild seines ursprünglichen Trägers ähnelt. Nur ist es eben kein Leder von einer Kuh oder einem Schwein, sondern von Lebewesen, die unter Umständen schon seit Millionen Jahren ausgestorben sind. Wie etwa dem Tyrannosaurus Rex (T-Rex). Und damit lassen sich Luxusgüter herstellen wie Handtaschen, Uhrarmbänder, Schuhe oder vielleicht auch Jacken. Genau diesen Weg bestreiten die Kreativagentur VML, das Unternehmen The Organoid Company im Bereich der Genomtechnik und der Pionier für nachhaltige Biotechnologie Lab-Grown Leather Ltd. Diese Partnerschaft sieht sich dem Ziel verpflichtet, lederidentische Produkte tierversuchsfrei und umweltfreundlich herzustellen. Und warum nicht das Ganze erst mal werbewirksam als „T-Rex-Leder“ an die Öffentlichkeit bringen? Genau das haben sie getan.

Handtasche aus T-Rex-Leder: Synthetisches Leder als Alternative zu herkömmlichem Leder

Eben mit dem Slogan „Handtaschen aus T-Rex-Leder“. Die neue Zusammenarbeit beginnt eigenen Aussagen zufolge mit der Entwicklung und Produktion einer hochwertigen Alternative zu herkömmlichem Leder, die tierversuchsfrei und umweltfreundlich ist. Ein weiteres Detail mache dieses neue Material zu etwas ganz Besonderem: Es wurde mit T-Rex-DNA hergestellt, „um ein Material der nächsten Generation zu schaffen, das die Zukunft von Luxusgütern prägen und gleichzeitig nachhaltige Herstellungsverfahren vorantreiben könnte“.

Der Produktionsprozess basiere auf fossiliertem T-Rex-Kollagen und umfasse die Herstellung von Zellen mit synthetischer DNA, entwickelt von The Organoid Company. Diese werden dann in den Elemental-X™-Produktstrom von Lab-Grown Leather integriert. Im Gegensatz zu anderen biobasierten Alternativen ermögliche der gerüstfreie Ansatz von Lab-Grown Leather den Zellen, ihre eigene natürliche Struktur zu bilden. Das Ergebnis sei ein Material, das strukturell mit herkömmlichem Leder identisch sei.

Synthetisches Leder stehe für Nachhaltigkeit

Zur Geschichte: Dinosaurier entwickelten sich, um in extremen Umgebungen zu überleben – Bedingungen, mit denen unser Planet aufgrund des beschleunigten Klimawandels erneut konfrontiert ist. Dies eröffnet laut den Partnerfirmen neue Perspektiven, um die Biologie der Urzeit als Vorlage für im Labor gezüchtete Materialien der nächsten Generation zu nutzen. T-Rex-Leder wurde mithilfe der Tissue-Engineering-Plattform von Lab-Grown Leather Ltd. hergestellt und ist ein zellgezüchtetes Hochleistungsmaterial, das über Imitationen hinausgeht und natürliche Haltbarkeit, Reparaturfähigkeit und die von hochwertigen Lederwaren erwartete Haptik bietet.

Als erstes Beispiel für Leder, das aus einer prähistorischen Spezies gewonnen wurde, stelle T-Rex-Leder nicht nur eine nachhaltige Alternative dar, sondern laut Partnerfirmen auch einen bahnbrechenden Schritt in der Erforschung, wie die Biologie der Urzeit in Zukunft nachhaltige, leistungsstarke Materialien inspirieren kann.

Die ökologischen und ethischen Auswirkungen von biotechnologisch hergestelltem Leder sind den Herstellern zufolge erheblich. Die traditionelle Lederproduktion sei mit massiver Abholzung verbunden und etablierte Gerbverfahren beinhalten oft den Einsatz schädlicher Chemikalien wie Chrom, was zu Umweltverschmutzung führen kann. Die neue T-Rex-Ledertechnologie biete eine Möglichkeit, diese Umweltauswirkungen drastisch zu reduzieren und gleichzeitig die mit der traditionellen Lederproduktion verbundenen Bedenken hinsichtlich Tierquälerei zu beseitigen.

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Biologie der Vergangenheit für Lederartikel der Zukunft

Die ersten Anwendungen der Partner konzentrieren sich auf Accessoires. Ziel sei es, bis Ende 2025 einen Luxusmodeartikel als Flaggschiffprodukt zu produzieren. Nach diesem Proof of Concept eröffne eine gesteigerte Produktion Möglichkeiten zur Expansion in Branchen jenseits der Mode, beispielsweise auch in die Automobilindustrie. Das Material sei vollständig biologisch abbaubar und behalte gleichzeitig die Haltbarkeit und Reparaturfähigkeit von herkömmlichem Leder. Damit biete es eine nachhaltige, tierversuchsfreie und rückverfolgbare Alternative für zukünftige Verbrauchergenerationen, die Innovation und Umweltverantwortung gleichermaßen schätzen.

Thomas Mitchell, CEO von The Organoid Company, sagt dazu: „Dieses Projekt ist ein bemerkenswertes Beispiel dafür, wie wir modernste Genom- und Proteintechnik nutzen können, um völlig neue Materialien zu schaffen. Durch die Rekonstruktion und Optimierung uralter Proteinsequenzen können wir T-Rex-Leder entwickeln, ein von der prähistorischen Biologie inspiriertes Biomaterial, und es in eine individuell entwickelte Zelllinie klonen. Mit T-Rex-Leder nutzen wir die Biologie der Vergangenheit, um die Luxusmaterialien der Zukunft zu schaffen.“

Ein Beitrag von:

  • Peter Kellerhoff

    Redakteur VDI nachrichten
    Fachthemen: Automobil, Nutzfahrzeuge, Schiff, Bahn, Verkehr, Mobilität, E-Mobilität, Software, Cloud, Internet, KI

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