Studie zu Mietwohnungen 20.05.2020, 07:00 Uhr

Feinstaubbelastung: Stadtbewohner haben es selbst in der Hand

Wie stark werden die Menschen in Großstädten in ihren eigenen Wohnräumen durch Feinstaub belastet? Laut einer aktuellen Studie ist das sehr unterschiedlich. Denn es hängt vor allem von den Aktivitäten der Bewohner ab. Die Belastung der Außenluft spielt nur eine untergeordnete Rolle.

Frau mit Atemschutzmaske

Vor einer großen Feinstaubbelastung sollte man sich schützen. Aber wie gut ist die Luftqualität in der eigenen Wohnung?

Foto: panthermedia.net/Jaykayl

Eine mögliche Belastung durch Feinstaub hat großen Einfluss auf die Gesundheit. Denn Feinstaub besteht aus winzigen Aerosolpartikeln, die kleiner als 100 Nanometer sind. Befinden sie sich in der Luft, können sie wegen ihrer geringen Größe eingeatmet werden. Je kleiner sie sind, desto leichter gelangen sie in die Lunge und erhöhen so das Risiko für Erkrankungen der Atemwege und des Herz-Kreislauf-Systems. In der öffentlichen Diskussion stehen potenzielle Feinstaub-Quellen daher stark in der Kritik. Dazu zählen unter anderem Verbrennungsmotoren im Straßen- und Luftverkehr, Kleinfeuerungsanlagen und Kraftwerke.

Allerdings geht es bei allen Messungen und Maßnahmen, um die Feinstaubbelastung zu reduzieren, immer um die Außenluft. Dabei wird kaum bedacht, dass die Menschen in den Industrieländern im Durchschnitt über zwei Drittel ihrer Zeit in Innenräumen verbringen, auf der Arbeit und natürlich in ihrer Wohnung. Wissenschaftler am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung e. V. (TROPOS) in Leipzig haben daher untersucht, wovon die Feinstaubbelastung in Wohnungen abhängt. Das Ergebnis: Die Bewohner können den Anteil an winzigen Partikeln in der Atemluft durch ihr Verhalten deutlich beeinflussen. Dabei geht es um weit mehr als die Frage, wie oft gelüftet wird.

10.000 Messstunden in 40 Wohnungen

Die Studie hat Tropos im Auftrag des Umweltbundesamtes durchgeführt. Messungen nahmen die Forscher dafür in insgesamt 40 Wohnungen in Leipzig und Berlin vor. Überall lebten Nichtraucher. Außerdem ermittelten die Wissenschaftler die Werte nicht nur in den Wohnräumen, sondern auch auf dem Balkon, der Terrasse und im Garten. Etwa die Hälfte der Wohnungen lag maximal 150 Meter von einer stark befahrenen Straße entfernt. Die übrigen Wohnungen befanden sich im städtischen Hintergrund oder in Randbezirken. Durch diese Auswahl konnten die Forscher die Qualität der Außenluft in die Auswertungen einbeziehen. Die Messungen fanden in jeder Wohnung zweimal statt, mit einer Messdauer von einer Woche, jeweils zu unterschiedlichen Jahreszeiten.

Messgerät im Innenraum
Die Luftqualität in den Wohnungen war auch abhängig von der Jahreszeit, weil im Sommer mehr gelüftet wird.

Foto: Jiangyue Zhao, TROPOS

Aufbau Messgerät im Hinterhof
Hier bauen die Wissenschaftler ein Messgerät in einem Hinterhof auf.

Foto: Jiangyue Zhao, TROPOS

Messgerät auf Terrasse
Wie gut ist die Qualität der Außenluft im Winter? Das ließ sich über Messungen auf der Terrasse feststellen.

Foto: Anja Schmidt, TROPOS

Messgerät im Innenraum
Wenn nebenan gekocht wurde, stieg die Belastung auch in den übrigen Räumen.

Foto: Anja Schmidt, TROPOS

Top Stellenangebote

Zur Jobbörse
RHEINMETALL AG-Firmenlogo
Verstärkung für unsere technischen Projekte im Bereich Engineering und IT (m/w/d) RHEINMETALL AG
deutschlandweit Zum Job 
Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein-Firmenlogo
Bauingenieurin / Bauingenieur (w/m/d) für den Bereich Straßenbau Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein
Kiel, Flensburg, Rendsburg, Itzehoe, Lübeck Zum Job 
Siegfried PharmaChemikalien Minden GmbH-Firmenlogo
Betriebsingenieur Mehrprodukte-Betrieb (w/m/d) Siegfried PharmaChemikalien Minden GmbH
ifp | Executive Search. Management Diagnostik.-Firmenlogo
Geschäftsführung (m/w/d) ifp | Executive Search. Management Diagnostik.
Ruhrgebiet Zum Job 
HYDRO Systems GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Teamlead Shopfloor Service Station Norderstedt (m/w/d) HYDRO Systems GmbH & Co. KG
Norderstedt Zum Job 
GVG Immobilien Service GmbH-Firmenlogo
Projektassistenz (m/w/d) Baumanagement GVG Immobilien Service GmbH
München Zum Job 
Birkenstock Productions Hessen GmbH-Firmenlogo
Ingenieur / Meister / Techniker Elektrotechnik / Automatisierungstechnik (m/w/d) Birkenstock Productions Hessen GmbH
Steinau an der Straße Zum Job 
Staatliches Baumanagement Region Nord-West-Firmenlogo
Architekten, Bau- und Elektroingenieure (m/w/d) Staatliches Baumanagement Region Nord-West
Wilhelmshaven Zum Job 
Staatliches Baumanagement Region Nord-West-Firmenlogo
Architekten / Bauingenieure (m/w/d) Hochbau Staatliches Baumanagement Region Nord-West
verschiedene Standorte Zum Job 
Staatliches Baumanagement Region Nord-West-Firmenlogo
Ingenieure (m/w/d) Versorgungstechnik bzw. Technische Gebäudeausrüstung Staatliches Baumanagement Region Nord-West
Wilhelmshaven, Bad Iburg, Oldenburg, Aurich, Meppen, Emden Zum Job 
Staatliches Baumanagement Region Nord-West-Firmenlogo
Ingenieure (m/w/d) der Fachrichtungen konstruktiver Ingenieurbau/Tiefbau/Geo-/Naturwissenschaften/Landschaftsbau Staatliches Baumanagement Region Nord-West
verschiedene Standorte Zum Job 
Staatliches Baumanagement Region Nord-West-Firmenlogo
Ingenieure (m/w/d) Elektrotechnik Staatliches Baumanagement Region Nord-West
verschiedene Standorte Zum Job 
WITTENSTEIN SE-Firmenlogo
Werkleitung (w/m/d) mit Leitwerksfunktion WITTENSTEIN SE
Igersheim-Harthausen Zum Job 
Sparda-Bank Südwest eG-Firmenlogo
Leitung Facility Management (m/w/d) Sparda-Bank Südwest eG
Hamburger Hochbahn AG-Firmenlogo
Prüfingenieur Konstruktiver Ingenieurbau / Bauwesen (w/m/d) Hamburger Hochbahn AG
Hamburg Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Abteilungsleitung (w/m/d) Bauwerks- und Erhaltungsmanagement Die Autobahn GmbH des Bundes
Stadtwerke Leipzig GmbH-Firmenlogo
Ingenieur (m/w/d) Elektrotechnik Stadtwerke Leipzig GmbH
Leipzig Zum Job 
TenneT TSO GmbH-Firmenlogo
Lead Asset Management & Engineering (m/w/d) TenneT TSO GmbH
Lehrte, Bayreuth Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur für Straßenplanung / Verkehrsplanung (w/m/d) Die Autobahn GmbH des Bundes
Hochschule Merseburg-Firmenlogo
Professur (W2): Automatisierungstechnik Hochschule Merseburg
Merseburg Zum Job 

Die Studienteilnehmer erklärten sich bereit, ein digitales Logbuch zu führen, in das sie während des Messzeitraums alles eintrugen, was Einfluss auf die Luftqualität haben könnte. Neben dem Lüften gehörten dazu Tätigkeiten wie Kochen, Staubsaugen, Heizen, Kerzen brennen lassen. Insgesamt sammelten die Forscher mehr als 10.000 Messstunden mit zugehörigen Aktivitäten der Bewohner im Sommer und Winter ein. Dabei kam ein klares Belastungsprofil heraus. Und: Von dem Feinstaubanteil in der Außenluft lässt sich nicht automatisch auf die Belastung in Wohnräumen schließen.

Höchste Belastung entsteht durch das Zubereiten von Mahlzeiten

Durch das Logbuch konnten die Wissenschaftler deutliche Zusammenhänge zwischen der Feinstaubbelastung und den Aktivitäten der Bewohner identifizieren. Vor allem Kerzenlicht, Kochen, Backen und Toasten setzten deutliche Mengen an ultrafeinen Partikeln frei. Diese waren keineswegs nur in der Küche messbar, sondern auch in weiteren Räumen. Dementsprechend ist die Verteilung der Belastung im Tagesverlauf keine Überraschung. Sie ist in der Nacht am geringsten und erreicht ihre Spitzenwerte morgens und abends, analog zur Zubereitung der Mahlzeiten. Dieses Profil trat im Winter noch deutlicher hervor, weil in der kalten Jahreszeit weniger gelüftet wird, der Austausch mit der Außenluft also entsprechend herabgesetzt ist:

„Die Partikelanzahlkonzentration in den Innenräumen weist starke Spitzenwerte um 8, 12 und 19 Uhr auf, was typische Zeiten für Frühstück, Mittagessen und Abendessen sind“, erklärt Jiangyue Zhao, die für ihre Doktorarbeit die Auswertungen vorgenommen hat.

Aus Sicht der Wissenschaftler ist damit klar, dass die Feinstaubbelastung in Wohnungen nicht durch Messungen im Freien beschrieben werden kann. Schließlich seien die meisten Wohnungen auch durch moderne Fenster gut isoliert. Genau an dieser Stelle sehen sie weiteren Forschungsbedarf. Außerdem fehle nach wie vor eine belastbare Dosis-Wirkungs-Beziehung für ultrafeine Partikel. Mit anderen Worten: Die Frage, welche Mengen an Feinstaub den Menschen krank machen, ist noch nicht abschließend beantwortet.

Mehr lesen zum Thema Luftqualität:

Ein Beitrag von:

  • Nicole Lücke

    Nicole Lücke macht Wissenschaftsjournalismus für Forschungszentren und Hochschulen, berichtet von medizinischen Fachkongressen und betreut Kundenmagazine für Energieversorger. Sie ist Gesellschafterin von Content Qualitäten. Ihre Themen: Energie, Technik, Nachhaltigkeit, Medizin/Medizintechnik.

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.