Antibiotikaresistenzen 14.09.2023, 07:00 Uhr

Kampf gegen Bakterien: Schwarzer Phosphor ersetzt Antibiotika

Ein australisches Forschungsteam hat ein Material vorgestellt, das den Kampf gegen antibiotikaresistente Bakterien revolutionieren könnte. In Versuchen hat es 99 Prozent der Keime abgetötet.

Schwarzer Phosphor könnte bald so wertvoll für die Gesundheit sein wie Antibiotika.
Foto: Seamus Daniel, RMIT University

Schwarzer Phosphor könnte bald so wertvoll für die Gesundheit sein wie Antibiotika.

Foto: Seamus Daniel, RMIT University

Antibiotikaresistenzen sind eine große Bedrohung für die Gesundheit. Allein in der Europäischen Union sterben daran geschätzt jedes Jahr etwa 35.000 Menschen, und die Gefahr wächst. Denn nach wie vor werden in vielen Ländern Antibiotika unnötig verschrieben oder von den Patienten und Patientinnen nicht gemäß der Dosierungsanordnung eingenommen. Das erhöht das Risiko dafür, dass weitere Bakterienstämme Resistenzen gegen bestimmte Antibiotika entwickeln. Anders gesagt: Die Zahl der funktionstüchtigen Waffen gegen diese Krankheitserreger sinkt.

Tinte aus dem 3D-Drucker heilt Wunden

Fachleute fordern daher nicht nur einen sorgsameren Umgang mit Antibiotika, sondern auch die Entwicklung von Alternativen. Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen vom australischen Royal Melbourne Institute of Technology (RMIT) und der University of South Australia (UniSA) haben jetzt eine Lösung vorgestellt: Sie setzen schwarzen Phosphor ein, um Infektionen zu behandeln und die Wundheilung zu unterstützen. Die ersten Ergebnisse sind erstaunlich.

Schwarzer Phosphor zerstört Bakterien effektiv

Schwarzer Phosphor ist die stabilste Form von Phosphor. Es handelt sich also um ein Mineral, das von Natur aus in vielen Lebensmitteln vorkommt. In ultradünner Form lässt es sich leicht mit Sauerstoff abbauen, was es ideal für die Abtötung von Mikroben macht. „Wenn sich das Nanomaterial zersetzt, reagiert seine Oberfläche mit der Atmosphäre und erzeugt sogenannte reaktive Sauerstoffspezies. Diese Spezies helfen letztendlich dabei, die Bakterienzellen zu zerstören“, sagt Sumeet Walia, Professor an der School of Engineering des RMIT.

Top Stellenangebote

Zur Jobbörse
Immobilien Management Essen GmbH (IME)-Firmenlogo
(Senior) Projektkoordinator (m/w/d) Hochbau & Stadtentwicklung Immobilien Management Essen GmbH (IME)
intecplan integrierte technische Planung GmbH-Firmenlogo
Technischer Systemplaner / Technischer Zeichner (m/w/d) TGA intecplan integrierte technische Planung GmbH
Düsseldorf Zum Job 
AM Planungsgesellschaft für technische Gebäudeausrüstung mbH-Firmenlogo
Projektingenieur / Techniker Versorgungstechnik HLSK (m/w/d) AM Planungsgesellschaft für technische Gebäudeausrüstung mbH
Mannheim Zum Job 
Hamburger Hochbahn AG-Firmenlogo
Fachbereichsleitung Energieanlagen (w/m/d) Hamburger Hochbahn AG
Hamburg Zum Job 
PERI Group-Firmenlogo
Entwicklungsingenieur Klettertechnik & Automation (m/w/d) PERI Group
Weißenhorn Zum Job 
Dürkopp Fördertechnik GmbH-Firmenlogo
Sales Manager (m/w/d) Sorting Solutions Steuerungstechnik Dürkopp Fördertechnik GmbH
Bielefeld Zum Job 
RheinNetz GmbH-Firmenlogo
Ingenieur KRITIS-Sicherheitstechnik (m/w/d) RheinNetz GmbH
RheinNetz GmbH-Firmenlogo
Ingenieur KRITIS-Gebäudetechnik (m/w/d) RheinNetz GmbH
EMKA Beschlagteile GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Produktentwickler / Konstrukteur (m/w/d) EMKA Beschlagteile GmbH & Co. KG
Wuppertal Zum Job 
ista SE-Firmenlogo
Projektingenieur - Technische Gebäudeausrüstung und Energiedienstleistungen (m/w/d) ista SE
Hamburg, Berlin, Düsseldorf, Köln, München Zum Job 
über Tröger & Cie. Aktiengesellschaft-Firmenlogo
Zweigniederlassungsleiter Großprojekte West (m/w/d) über Tröger & Cie. Aktiengesellschaft
Nordrhein-Westfalen Zum Job 
über Kienbaum Consultants International GmbH-Firmenlogo
Leitung (m|w|d) Hoch- und Ingenieurbau über Kienbaum Consultants International GmbH
Baden-Württemberg Zum Job 
intecplan integrierte technische Planung GmbH-Firmenlogo
Projektleiter:in (m/w/d) TGA intecplan integrierte technische Planung GmbH
Düsseldorf Zum Job 
BG ETEM-Firmenlogo
Dozent/in (m/w/d) in der Bildungsstätte Dresden BG ETEM
Dresden Zum Job 
BRAMM Bau GmbH-Firmenlogo
Bauingenieur - Tiefbau & Rohrvortrieb (m/w/d) BRAMM Bau GmbH
Vaihingen an der Enz Zum Job 
DFS Deutsche Flugsicherung GmbH-Firmenlogo
Architekt / Bauingenieur im Facility Management (w/m/d) DFS Deutsche Flugsicherung GmbH
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur (w/m/d) Straßenbau Die Autobahn GmbH des Bundes
EMS-CHEMIE (Deutschland) GmbH-Firmenlogo
Produktionsleiter Kunststoffherstellung LFT (m/w/d) EMS-CHEMIE (Deutschland) GmbH
Groß-Umstadt Zum Job 
GVE Grundstücksverwaltung Stadt Essen GmbH-Firmenlogo
Projektleiter (m/w/d) Städtische Hochbauprojekte GVE Grundstücksverwaltung Stadt Essen GmbH
TenneT-Firmenlogo
Network Engineer Kommunikationsnetze (m/w/d) TenneT

In der vorliegenden Studie wurde die Wirksamkeit von nanodünnen Flocken aus schwarzem Phosphor gegen fünf gängige Bakterienstämme getestet, darunter E. coli und arzneimittelresistente Staphylokokken. „Unsere antimikrobielle Nanotechnologie zerstörte rasch mehr als 99 Prozent der Bakterienzellen – deutlich mehr als die heute üblichen Methoden zur Behandlung von Infektionen“, sagt Walia.

Wirkung des schwarzen Phosphors ist vergleichbar mit Antibiotika

Sein Kollege Zlatko Kopecki, leitender Forscher der UniSA, führte mit seinem Team die präklinischen Versuche durch. Dafür trugen die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen Nanoflocken des schwarzen Phophors täglich auf. Er vergleicht die Ergebnisse bei der Beseitigung von Wundinfektionen mit dem Antibiotikum Ciprofloxacin: Es kam zu einer beschleunigten Heilung, wobei sich die Wunden nach sieben Tagen zu 80 Prozent geschlossen hatten. Das Wirkprinzip haben die Forschenden auch an einigen Bakterien-Stämmen getestet, die bereits gegen zahlreiche Antibiotika resistent sind – mit Erfolg.

Ein wichtiger Aspekt sei zudem die Sicherheit: Der schwarze Phosphor tötet zwar die Bakterien, schädigt aber keine gesunden Zellen.

Patenschutz für schwarzen Phosphor in der Wundheilung beantragt

Das Forschungsteam entdeckte weitere positive Eigenschaften des schwarzen Phosphors. Das Material entfaltet seine antimikrobielle Wirkung nämlich auffällig schnell. Außerdem zersetzt es sich selbst, sobald die Infektionsgefahr beseitigt ist.

Der schwarze Phosphor kann beispielsweise in ein Gel zur Wundheilung integriert werden.

Foto: Seamus Daniel, RMIT University

Hier ist zu erkennen, wie der schwarze Phosphor die Bakterien angreift.

Foto: Aaron Elbourne and colleagues, RMIT University

„Das Schöne an unserer Innovation ist, dass es sich nicht einfach um eine Beschichtung handelt, sondern dass sie in gängige Materialien wie Plastik und Gele integriert werden kann, um sie antimikrobiell zu gestalten“, sagt Walia. In früheren Studien hatten die Forschenden schon gezeigt, dass schwarzer Phosphor zur Herstellung von Wundverbänden genutzt werden kann. Auch Implantate aus Titan oder medizinische Instrumente aus Kunststoff könnten durch das Mineral mit antibakteriellen Eigenschaften ausgestattet werden.

Das Team möchte jetzt mit Industriepartnern die nächsten Schritte gehen, um die Technologie bis zur Marktreife weiterzuentwickeln. Das RMIT hat Patentschutz für die schwarzen Phosphorflocken beantragt, einschließlich ihrer Verwendung in Wundheilungsformulierungen, einschließlich Gelen.

Ein Beitrag von:

  • Nicole Lücke

    Nicole Lücke macht Wissenschaftsjournalismus für Forschungszentren und Hochschulen, berichtet von medizinischen Fachkongressen und betreut Kundenmagazine für Energieversorger. Sie ist Gesellschafterin von Content Qualitäten. Ihre Themen: Energie, Technik, Nachhaltigkeit, Medizin/Medizintechnik.

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.