Ganz ohne Chemie 05.11.2015, 13:03 Uhr

So töten Sie Läuse mit einem Plasma-Kamm

Keine Lust auf Chemie, um Läuse zu vertreiben? Dann haben Fraunhofer-Forscher die Lösung: einen elektrischen Kamm, der die Plagegeister mit Plasma tötet.

Laus ist nicht gleich Laus: Das rechte Bild zeigt eine Kopflaus vom Menschen (Pediculus humanus) und links ist eine Laus vom Schimpansen (Pediculus schaeffi) zu sehen. 

Laus ist nicht gleich Laus: Das rechte Bild zeigt eine Kopflaus vom Menschen (Pediculus humanus) und links ist eine Laus vom Schimpansen (Pediculus schaeffi) zu sehen. 

Foto: Waltraud Grubitzsch/dpa

Der Plasma-Läusekamm der Forscher funktioniert folgendermaßen: Im Gehäuse des batteriebetriebenen Geräts befindet sich ein Hochspannungserzeuger. Er gibt Hochspannungspulse an die Kammzinken ab, die als Elektroden dienen. Dabei wird die dazwischenliegende Luft ionisiert, sodass ein Plasma entsteht – das ist ein Aggregatzustand, der zustande kommt, wenn einem Gas oder Gasgemisch Energie zugeführt wird. Es lässt den Plagegeistern keine Chance. „Bereits nach einmaligem Durchkämmen ist die Hälfte der flügellosen Insekten tot“, sagt Wolfgang Viöl, Forscher am Fraunhofer-Institut für Schicht- und Oberflächentechnik (IST) in Braunschweig. „Innerhalb eines Tages ist man die Quälgeister los.“

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Kaltes Plasma verschont Haar und Kopfhaut

Aber schadet das Plasma nicht der Kopfhaut? Nein, denn der Kamm legt die Hochspannung nur sehr kurzfristig an, sodass nur die winzigen Elektronen beschleunigen, die schweren Gasteilchen jedoch nicht aufheizen. So lässt sich die Temperatur des Plasmas auf Raumniveau einstellen. Die Folge: Das kalte Plasma tötet die Läuse und ihre Nissen ab, verschont jedoch Haar und Kopfhaut. Eine praktische Technologie, die die Fraunhofer-Forscher bereits durch ein Patent geschützt haben. Mit kaltem Plasma lassen sich übrigens auch schon Schürfwunden behandeln.

Plasma-Kamm soll in Kleinserie auf den Markt kommen 

Der Läusekamm soll als kosmetisches Produkt in Kleinserie auf den Markt kommen. „Der Plasmakamm wurde bereits in regionalen Kinderarztpraxen vorgestellt und kann wie ein normaler Kamm angewandt werden“, erklärt Viöl. Er ist zudem für Allergiker und Asthmatiker geeignet. Ihnen bleiben Probleme durch aggressive chemische Wirkstoffe erspart. Darüber hinaus bedeutet der Verzicht auf chemische Substanzen eine geringere Belastung für die Umwelt. Und nicht zuletzt: „Passt man die Form und den Abstand der Zinken entsprechend an, lassen sich auch Haustiere behandeln.“

Läuse-Kamm der Fraunhofer-Forscher: Die Zinken dienen als Elektroden. Zwischen ihnen entsteht ein kaltes Plasma, das Läuse und Nissen tötet. 

Läuse-Kamm der Fraunhofer-Forscher: Die Zinken dienen als Elektroden. Zwischen ihnen entsteht ein kaltes Plasma, das Läuse und Nissen tötet. 

Quelle: Fraunhofer IST

Kopfläuse können jeden befallen, besonders häufig sind aber Kinder zwischen drei und zehn Jahren betroffen. Die blutsaugenden Parasiten breiten sich nämlich besonders in Kindergärten und Grundschulen aus, wo Kinder ihre Köpfe zusammenstecken. Eltern greifen dann meist zu Shampoos, Lotionen, Gels und chemischen Arzneimitteln, um die kleinen Vampire zu vertreiben. Das Problem: Die Eier der Läuse ­– die sogenannten Nissen – überleben diese Behandlung meistens, sodass man die Prozedur nach einer Woche wiederholen muss. Gegen chemische Wirkstoffe können sie zu allem Überfluss resistent werden. Der Plasmakamm hingegen verspricht eine Lösung des Problems am selben Tag.

Läuse machen auch vor Heidi Klumm nicht Halt

Vielleicht ist der Plasma-Kamm auch die perfekte Lösung für Heidi Klumm.

Läusefamilie: Ei, Babylarve, Larve, ausgewachsene Läuse (v.l.n.r.), daneben ein Eurocent zum Größenvergleich. 

Läusefamilie: Ei, Babylarve, Larve, ausgewachsene Läuse (v.l.n.r.), daneben ein Eurocent zum Größenvergleich. 

Quelle: Deutsche Pediculosis Gesellschaft

Denn das Topmodel hat in einer US-Talkshow verraten, dass sie bereits zum zweiten Mal mit Kopfläusen zu kämpfen hatte. „Es war schrecklich“, sagte die 42-Jährige. Die Plage habe bei ihrer Tochter angefangen, die sich immer am Kopf kratzte, bis Klumm Nissen entdeckte.

Ein Beitrag von:

  • Patrick Schroeder

    Patrick Schroeder arbeitet als freiberuflicher Journalist für Zeitschriften und Onlinemagazine wie die VDI Nachrichten und Ingenieur.de.

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