Ein Tropfen Blut genügt 05.02.2015, 15:24 Uhr

Minilabor fürs Smartphone ermöglicht Aids-Schnelltest

Ein Minilabor als Zubehör für das Smartphone, mit dem die Krankheiten HIV und Syphilis in nur 15 Minuten festgestellt werden können, haben US-amerikanische Wissenschaftler entwickelt. Mobil, handlich, zuverlässig und günstig bietet es sich besonders für den Einsatz in Entwicklungsländern an, wo die entsprechende Infrastruktur fehlt. 

Das Minilabor fürs Smartphone spürt HIV- und Syphilis-Antikörper in wenigen Minuten auf.

Das Minilabor fürs Smartphone spürt HIV- und Syphilis-Antikörper in wenigen Minuten auf.

Foto: Samiksha Nayak/Columbia University

Dort, wo es keine Labore gibt, in den ärmsten Gegenden der Welt, kann das neuartige Minilabor die Gesundheitsversorgung der Menschen entscheidend verbessern und Leben retten. In nur 15 Minuten kann das mit einem Smartphone verbundene Gerät Blutproben auf HIV und Syphilis untersuchen. Und es kostet in der Herstellung nur 34 US-Dollar – im Gegensatz zu der herkömmlichen Ausrüstung von Laboren, die von den Autoren mit 18.000 US-Dollar beziffert wird.

Tests in Afrika

In Afrika haben US-amerikanische Forscher bereits erfolgreiche Tests an schwangeren Frauen vorgenommen. Mit einer entsprechenden Therapie kann bei einer frühzeitigen Diagnose das Neugeborene gerettet werden. „Anderenfalls droht eine Totgeburt“, sagt Samuel Sia, Autor der Studie und Professor für Medizintechnik an der New Yorker Columbia Universität.

„Normalerweise muss man für einen entsprechenden Test zum Arzt gehen, man lässt sich Blut abnehmen, der Arzt sendet die Probe ins Labor und nach ein paar Tagen ist der Befund da. Unser Gerät braucht nur einen Blutstropfen vom Finger und kann von jedermann bedient werden“, erklärte Sia im Gespräch mit dem ORF.

Ein Tropfen Blut aus dem Daumen genügt, um den Schnelltest am Minilabor durchzuführen. 

Ein Tropfen Blut aus dem Daumen genügt, um den Schnelltest am Minilabor durchzuführen. 

Foto: Tassaneewan Laksanasopin/Columbia University

Für den Antikörpertest wird über eine im Gerät integrierte Nadel am Daumen ein Tropfen Blut entnommen. Dieser wird per Knopfdruck über winzige Kanäle in eine Einweg-Kassette gepumpt. Darin befinden sich Chemikalien, die sich mit dem Blut vermischen und auf die HIV- und Syphilis-Marker reagieren. Eine App startet die Analyse. Bereits nach einer Viertelstunde liegt das Ergebnis vor und wird auf das Smartphone übertragen.

Smartphone liefert den Strom für das Minilabor

Die notwendige Energie erhält das Minilabor über das Smartphone. Dafür wird einfach ein Ladekabel in den Kopfhörereingang eines iPhones oder Android-Handys eingesteckt.

Leichte Handhabung und ein schnelles Ergebnis sowie die Wahrung der Privatsphäre waren für die Patienten der Testreihe ausschlaggebend, um das neue Gerät einem herkömmlichen Bluttest vorzuziehen. Außerdem ist keine Blutabnahme aus der Vene notwendig, da ja bereits eine winzige Menge Blut genügt.

Perfekt arbeitet das Minilabor noch nicht. Bei den Tests kam es häufiger zu falsch positiven Diagnosen. Dies ist jedoch auch bei herkömmlichen Schnelltests der Fall. Deshalb wird jede positive Diagnose im Anschluss eingehender untersucht, so Sia.

Für die Sicherheit des Minilabors spricht aber, dass es bei den untersuchten 96 Personen in Ruanda nur eine einzige falsche negative Diagnose für Syphilis gab. Bedenklich sind alleine falsche negative Diagnosen, denen keine weiteren Untersuchungen mehr folgen. Zudem basiert der Smartphone-Test auf dem etabliertem Nachweisverfahren für Proteine namens ELISA. Dieses konnten die US-Ingenieure so verkleinern, dass es für den mobilen Einsatz geeignet ist.

In der Sub-Sahara Afrikas infizieren sich jährlich 1,9 Millionen Menschen neu mit dem HIV-Virus.

In der Sub-Sahara Afrikas infizieren sich jährlich 1,9 Millionen Menschen neu mit dem HIV-Virus.

Foto: Maurizio Gambarini/dpa

Die Forscher hoffen, dass große Hilfsorganisationen jetzt das Gerät kaufen und in den betroffenen Regionen einsetzen. In der Sub-Sahara Afrikas leben nach Angaben der Aidshilfe etwa 22,9 Millionen Menschen mit dem HIV-Virus. Jährlich kommen 1,9 Millionen Neuinfizierte dazu – mehr als sonst irgendwo weltweit. 

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