Covid-19 17.12.2020, 07:00 Uhr

Die Impfung naht – alle Fakten auf einen Blick

Nur ein Impfstoff führt Deutschland aus der SARS-CoV-2-Pandemie. Vakzine scheinen zum Greifen nah. Wie wirken sie, und was sollten Patienten beachten?

Wann kommt der Impfstoff gegen Covid-19 – und was sollten Patienten wissen?
Foto: panthermedia.net/panoramaimages

Wann kommt der Impfstoff gegen Covid-19 – und was sollten Patienten wissen?

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1.379.238 Neuinfektionen mit SARS-CoV-2 (plus 27.728 zum Vortag) und 23.427 Todesfälle durch Covid-19 (plus 952; Stand 16. Dezember 2020): Epidemiologen betrachten die Entwicklung mit großer Sorge. „Die Lage ist so ernst wie nie zuvor“, kommentiert Lothar H. Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts in Berlin. Als Sofortmaßnahme bleibt ein harter Lockdown. Doch die Hoffnung auf Impfstoffe gegen SARS-CoV-2 steigt.

Wann ist mit einer Vakzine gegen SARS-CoV-2 zu rechnen?

Ärzte in den USA und in Großbritannien haben bereits mit Impfkampagnen begonnen. Sie setzen die Vakzine von Pfizer/Biontech ein. In der Europäischen Union laufen Zulassungen über die Europäische Arzneimittelagentur EMA. Die Behörde hat angekündigt, dass Anträge von Janssen (Impfstoff Ad26.COV2.S) und von Pfizer/Biontech (Impfstoff BNT162b2) eingegangen sind.

Schon zuvor hat die EMA im Zuge einer fortlaufenden Überprüfung, Rolling Review genannt, Daten ausgewertet. Und am 21. Dezember soll der EMA-Ausschuss für Humanarzneimittel tagen. Er spricht bei Arzneimitteln oder Impfstoffen Empfehlungen aus. Daran hält sich die Europäische Kommission in nahezu jedem Fall. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) rechnet „noch vor Weihnachten“ mit einer Zulassung – und Gesundheitsminister der Länder wollen am 27. Dezember mit Impfungen loslegen.

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Wie wirken die Impfstoffe?

Forschende Hersteller verfolgen ein neues Wirkprinzip. Viele Impfstoffe gegen bekannte Kinderkrankheiten enthalten nur Proteine, um eine Reaktion des Immunsystems auszulösen. Teilweise kommen auch abgeschwächte Lebendviren zum Einsatz. Diese Wirkprinzipien kosten Zeit.

Um schnell einen Impfstoff zu entwickeln, arbeiten Biontech/Pfizer und weitere Firmen mit der sogenannten mRNA-Technologie. Auch im menschlichen Körper kommt mRNA oder Boten-mRNA vor. Sie entsteht im Zellkern beim Ablesen von Erbinformationen von der DNA und wandert dann in das Zytoplasma. Dort bilden Zellen anhand des genetischen Codes der mRNA Proteine. Für Impfstoffe bedeutet das: Schon früh ist es gelungen, SARS-CoV-2 zu sequentieren. Anhand von Erbinformationen haben Forscher im Labor eine mRNA konstruiert. Sie trägt den genetischen Code für ein spezielles Eiweiß aus der Oberfläche von SARS-CoV-2. Dieses sogenannte Spike-Protein bindet im ersten Schritt von Infektionen an körpereigene Zellen. Spritzen Ärzte eine mRNA-Vakzine, nutzen sie die körpereigene Maschinerie. Zellen lesen die mRNA ab und produzieren ein Eiweiß des neuartigen Coronavirus. Darauf reagiert unser Immunsystem.

Auf solche Tricks greifen Forscher auch bei Vektorvirus-Impfstoffen zurück. Grundlage sind Viren, etwa Adenoviren, die im Körper keine Erkrankungen auslösen. Im Labor haben Forscher Teile des Erbguts durch Gene von SARS-CoV-2 ersetzt. Nach dem Impfen gelangen diese Adenoviren in Zellen. Dort wird das Erbgut abgelesen, und Proteine von SARS-CoV-2 entstehen. Darauf reagiert der Körper, und Schutz vor Infektionen entsteht.

Welche Nebenwirkungen können bei den Impfungen auftreten?

In den bisherigen Studien kam es zu keinen schwerwiegenden oder gar tödlichen unerwünschten Effekten. Typisch waren Rötungen beziehungsweise Schmerzen an der Injektionsstelle, Müdigkeit, Muskelschmerzen, Kopfschmerzen oder Gelenkschmerzen.

Nach der Zulassung in Großbritannien traten bei zwei Mitarbeitern im Gesundheitswesen schwere allergische Reaktionen auf. Behörden raten, abzufragen, ob diese Personen schon früher auf Medikamente oder Arzneimittel reagiert haben.

Brauchen wir nach dem Impfen keine Masken oder Abstandsregeln mehr?

Vakzine wurden in großen Studien untersucht. Sie schützen mehr als neun von zehn Geimpften gegen Infektionen mit SARS-CoV-2. Der maximale Schutz wird ein bis zwei Wochen nach der Impfung aufgebaut. Was allerdings noch nicht klar ist: Verhindern Vakzine, dass neuartige Coronaviren auf nicht geimpfte Personen übertragen werden? Deshalb sollte selbst nach der Schutzimpfung weiter die „AHA+L“-regel eingehalten werden.

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Wer übernimmt die Kosten für Impfungen?

Alle Personen, die ganz oder überwiegend in Deutschland leben, erhalten laut Bundesregierung Impfungen gegen SARS-CoV-2-Infektionen kostenlos. Ihr Versicherungsstatus spielt keine Rolle. Der Bund übernimmt alle Kosten für Impfstoffe, während die Länder Kosten für den Betrieb von Impfzentren tragen. Daran sollen sich gesetzliche und private Krankenkassen beteiligen.

Wo kann man sich impfen lassen?

Impfungen finden zu Beginn in Impfzentren statt. In der Regel wird pro Landkreis beziehungsweise kreisfreier Stadt ein Impfzentrum errichtet. Ausnahmen sind Großstädte: Dort kann es auch mehr als ein Zentrum geben.

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Wer nicht als Arzt arbeitet, muss entweder über Terminservicestellen oder über niedergelassene Ärzte einen Termin vereinbaren. Zunächst sollen einem Vorschlag der Ständigen Impfkommission zufolge im Patientenbereich nur Heimbewohner geimpft werden, später auch Senioren zwischen 75 und 80 Jahren sowie Personen mit Vorerkrankungen. Weil es keine Daten zu Kindern, Schwangeren und Stillenden gibt, erhalten sie den Impfstoff momentan nicht.

Wie groß ist die Impfbereitschaft?

Laut einer repräsentativen Umfrage der Barmer wären 64% bereit für den Schutz, bei den eigenen Kindern befürworten 42% die Spritze. Befragt wurden 2.000 Personen ab 16 Jahren. Die Zahlen klingen vielversprechend, sind aber zu niedrig. Das RKI nennt mit Verweis auf mathematische Simulationen mindestens 70% als Untergrenze, um die Übertragungen von SARS-CoV-2 soweit zu reduzieren, dass die Pandemie zum Erliegen kommt.

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  • Michael van den Heuvel

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