Gesundheitlicher Jahresrückblick 29.12.2022, 07:00 Uhr

Corona, Affenpocken, Grippe und mehr – was ist in 2022 alles passiert?

Auch 2022 stand ganz im Zeichen verschiedener Viren. Während das neue Coronavirus im Laufe der letzten Monate langsam, aber sicher, an Bedeutung verloren hat, sind mit den Affenpocken, mit RSV und mit Grippe gleich drei neue Erreger in den Fokus gerückt.

Covid-19-Pandemie

Die Covid-19-Pandemie – in 2023 wohl kein großes Thema mehr.

Foto: Panthermedia.net/doomu

Seit Ende 2019 sorgt das zuvor unbekannte Coronavirus SARS-CoV-2 für Angst und Schrecken. Ab Mitte 2022 zeigte sich Licht am Ende des Tunnels: Lothar H. Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts, Berlin, und Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach sehen ein Ende der Pandemie in greifbarer Nähe. Warum? Das hat mehrere Gründe.

Covid-19: Ein Ende der Pandemie ist in Sicht

Zum Hintergrund: Bundesweit haben mittlerweile 64,8 Millionen Menschen (77,9 % der Bevölkerung) mindestens eine Impfdosis erhalten. Von ihnen sind 63,5 Mio. Menschen (76,3%) grundimmunisiert. 52,0 Millionen Menschen (62,5 %) haben zusätzlich eine Auffrischungsimpfung und 12,0 Millionen (14,4 %) sogar zwei Auffrischungsimpfungen erhalten. Hinzu kommt der Schutz durch Infektionen bei mindestens 37 Millionen Menschen. Die Immunisierung schreitet immer stärker voran. Deshalb setzt die Regierung nicht mehr auf Impfzentren, sondern lässt niedergelassene Ärztinnen und Ärzte, aber auch durch Apothekerinnen und Apotheker.

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Hinzu kommt, dass Ärztinnen und Ärzten mittlerweile verschiedene gut untersuchte Therapien zur Verfügung stehen. Monoklonale Antikörper sollen verhindern, dass das Virus Zellen des menschlichen Körpers infiziert. Neue Varianten wie Omikron könnten die Wirksamkeit abschwächen, beeinträchtigen aber die Wirkung anderer Arzneimittel wie Paxlovid® nicht. Das Medikament hat eine anderen Wirkmechanismus; es hemmt Enzyme in SARS-CoV-2.

Jetzt warten neue Herausforderungen jenseits akuter Infektionen. Einige Patientinnen und Patienten leiden an langfristigen Beschwerden, auch Long-Covid genannt. Erwiesenermaßen wirksame Therapien gibt es bislang nicht. Doch die Forschung arbeitet daran.

Covid-19-Impfstoff gegen Omikron: die wichtigsten Fakten

Affenpocken: Erst einmal Entwarnung

Doch die Verschnaufpause währte nur kurz. Ab Mai 2022 häuften sich in Europa, in Nord- und Südamerika, in Asien, in Afrika und in weiteren Ländern Infektionen mit dem Affenpockenvirus. 3.670 Fälle gab es bis Mitte Dezember in Deutschland – bei unbekannt hoher Dunkelziffer. Im Unterschied zu SARS-CoV-2 wird das Affenpockenvirus vorrangig durch Schmierinfektionen, aber nicht durch Tröpfcheninfektionen übertragen. Das ist nicht nur beim Geschlechtsverkehr der Fall. Auch sekrete oder Hautschuppen können dafür verantwortlich sein.

Neben Hygienemaßnahmen raten Expertinnen und Experten Risikogruppen zur Impfung. Vakzin ist seit Juli 2022 in der EU zugelassen. Gegend das Virus Selbs kann der Wirkstoff Tecovirimat verordnet werden. Kommen im Zuge einer Sekundärinfektion Bakterien mit hinzu, verordnen Ärztinnen und Ärzte ein Antibiotikum. Alles in allem ist die Sterblichkeit bei rascher Behandlung gering; die Infektionswelle selbst ist in Europa und Nordamerika deutlich abgeebbt.

Affenpocken: Wer sich jetzt impfen lassen sollte

Grippewelle: Früher Start – unklarer Ausgang

Während der COVID-19-Pandemie ist die Grippewelle zweimal nahezu ausgefallen – vor allem durch Abstandsregeln und durch die Pflicht, in vielen Bereichen einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen. Anhand von Daten hat das RKI den Beginn der Grippewelle rückwirkend auf die letzte Oktoberwoche 2022 datiert. Vor Corona ging es meistens im Januar los. Das RKI rät gefährdeten Personen, vor allem Menschen mit Vorerkrankungen, Senioren, aber auch Schwangeren, zur Impfung. Eine Bewertung der aktuellen Grippewelle wird laut Robert Koch-Institut frühestens im Februar oder März 2023 möglich sein.

RSV: Kinder in Gefahr – Impfstoffe in der Pipeline

Ab Ende November spitze sich die Lage in Kinderkliniken immer weiter zu. Ein Großteil aller Patienten und Patientinnen hatte Infektionen mit dem Respiratorischen Synzytial-Virus (RSV). Normalerweise verläuft diese Erkrankung nicht schwer, aber in vielen Krankenhäusern herrscht Personalmangel. Hinzu kommt ein zeitlicher Effekt: Viele Kinder stecken sich in den ersten Lebensmonaten oder Lebensjahren an. Aufgrund der Pandemie mit geschlossenen Kitas oder Krippen und mit stark eingeschränkten Sozialkontakten sind viele Infektionen wohl ausgeblieben. Jetzt, nach Ende der Restriktionen, schnellen die Erkrankungszahlen nach oben.

Bleibt als gute Nachricht: Forscherinnen und Forscher arbeiten mit Hochdruck an Impfstoffen gegen RSV. Sie verwenden unter anderem molekularbiologische Technologien, die schon bei Vakzinen gegen SARS-CoV-2 zum Einsatz gekommen sind. Wann die Impfstoffe von der EMA zugelassen werden, ist unbekannt. Dennoch zeigt sich, wie die Covid-19-Pandemie mit ihren Technologieplattformen dazu beiträgt, auch andere Erkrankungen zu behandeln.

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Ein Beitrag von:

  • Michael van den Heuvel

    Michael van den Heuvel hat Chemie studiert. Unter anderem arbeitet er für Medscape, DocCheck, für die Universität München und für pharmazeutische Fachmagazine. Seit 2017 ist er selbstständiger Journalist und Gesellschafter von Content Qualitäten. Seine Themen: Chemie/physikalische Chemie, Energie, Umwelt, KI, Medizin/Medizintechnik.

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