Auf Tablette gestanzt 12.10.2015, 09:59 Uhr

3D-Code schützt vor gefährlichen Medikamentenfälschungen

Was tun, um Menschen vor gefälschten Medikamenten zu schützen? Die Antwort englischer Forscher: Einen winzig kleinen 3D-Code auf die Tablette stanzen. Er ist mit bloßem Auge kaum erkennbar.

Gute Medikamentenfälschungen sind für Apotheker kaum zu erkennen: Ändern soll das ein winziger fälschungssicherer 3D-Code auf den Tabletten selbst, der sich mit einem Scanner auslesen lässt. 

Gute Medikamentenfälschungen sind für Apotheker kaum zu erkennen: Ändern soll das ein winziger fälschungssicherer 3D-Code auf den Tabletten selbst, der sich mit einem Scanner auslesen lässt. 

Foto: Jan Woitas/dpa

Die Weltgesundheitsorganisation WHO schätzt, dass gegenwärtig weltweit wenigstens 10 % aller Medikamente widerrechtlich hergestellt und verkauft werden. Für Ärzte, Apotheken und Behörden ist es schwierig festzustellen, ob Medikamente echt oder nachgemacht sind. Da die gefälschten Pharmazeutika nicht selten stark gesundheitsschädlich sind, ist der Nachweis entsprechend wichtig. Er soll nun durch einen dreidimensionalen Barcode möglich werden.

Code mit bloßem Auge kaum erkennbar

Der dreidimensionale Code ist von Forschern der Universität Bradford in Mittelengland und der britischen Firma Sofmat entwickelt worden. Die Einzelheiten der Produktinformation werden in Gestalt kleiner Höhendifferenzen in das Erzeugnis eingedrückt oder eingestanzt. Ben Whiteside vom Forschungsteam der University of Bradford gibt diesen Höhenunterschied mit einem Hundertstel der Dicke eines menschlichen Haares an. Zum Lesen des Codes sind spezielle Laserscanner erforderlich.

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Whiteside betont, dass die Hauptanwendung der dreidimensionalen Codes jene Fälle sein werden, in denen Flüssigkeiten oder Pasten in Formen eingespritzt werden und dort erhärten. In einem Arbeitsgang wird bei diesem Spritzguss auch der Barcode mit eingegeben. Es ist nach Angaben von Whiteside allerdings auch möglich, den dreidimensionalen Barcode nachträglich in ein fertiges Produkt einzustanzen. Der besondere Vorteil des dreidimensionalen Codes liegt darin, dass keine Farbe oder zusätzliche Chemikalien mit medizinischen Produkten wie Tabletten in Berührung kommen, sodass keine neue Zulassung beantragt werden muss.

Code soll in schweizerischer Pharmaindustrie zum Einsatz kommen

Zu den weiteren Vorteilen des dreidimensionalen Codes gehört, dass er auf der Tablette oder einem anderen Produkt mit dem bloßen Auge kaum zu erkennen ist. Das macht eine Fälschung nahezu unmöglich. Zuerst eingesetzt wird der Code von Unternehmen der schweizerischen Pharmaindustrie. Bezahlt wurde die Entwicklung im Wesentlichen von der staatlichen britischen Agentur Innovate UK.

Der 3D-Code soll sich direkt auf die Tablette stanzen lassen. Die winzigen Erhebungen sind nur so hoch wie das Hundertstel der Dicke eines Haares.

Der 3D-Code soll sich direkt auf die Tablette stanzen lassen. Die winzigen Erhebungen sind nur so hoch wie das Hundertstel der Dicke eines Haares.

Quelle: Franziska Koark/dpa

Barcodes gibt es seit Jahrzehnten auf Produkten aller Art. Lange Zeit bestanden sie aus geraden schwarzen Streifen auf hellem Hintergrund. Mit Scannern ließen sich aus den Barcodes Nummern und somit einfache Produktinformationen herauslesen. Erstens waren die einfachen Barcodes aber alles andere als fälschungssicher. Zweitens war die Zahl der Angaben begrenzt, die in ihnen enthalten sein konnte.

Eine nächste Entwicklungsstufe war der sogenannte QR-Code, der eine Matrix von kleinen Quadraten enthält, mit denen sich mehr Informationen speichern und ablesen lassen. QR-Codes können inzwischen auch farbig gedruckt werden.

Bisher werden im Kampf gegen Fälschungen oftmals auch Hologramme auf die Packungen aufgedruckt. Das besagt wie beim QR-Code aber noch lange nicht, dass in der Packung tatsächlich jene Medikamente enthalten sind, die auf der Packung genannt werden. Illegales Umpacken ist immer noch möglich.

 

Ein Beitrag von:

  • Peter Odrich

    Peter Odrich studierte Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Verkehrsbetriebe. Nach 28 Jahren als Wirtschaftsredakteur einer deutschen überregionalen Tageszeitung mit langer Tätigkeit in Ostasien kehrte er ins heimatliche Grossbritannien zurück. Seitdem berichtet er freiberuflich für Zeitungen und Technische Informationsdienste in verschiedenen Ländern. Dabei stehen Verkehrsthemen, Metalle und ostasiatische Themen im Vordergrund.

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