Registrierung zur Präsidentschaftswahl 29.09.2020, 06:42 Uhr

Wählen per Snapchat: Wie die App Nutzer zur US-Wahl mobilisiert

Snapchat als wichtiger Treiber der US-Wahl? Das klingt zunächst kurios, ist aber wirklich wahr. Wie die App Wähler mobilisiert.

Snapchat auf dem Handy Frau hält es im Hintergrund

Snapchat mobilisiert immer mehr junge Nutzer – jetzt auch zur US-Wahl.

Foto: panthermedia.net/tashatuvango

Mehr als 750.000 User haben sich in den USA in der Snapchat-App als Wähler für die Präsidentschaftswahl im November registrieren lassen. Ein soziales Netzwerk als Plattform demokratischer Prozesse – wie es dazu kommt, lesen Sie hier.

In den USA gibt es – anders als in vielen anderen westlichen Ländern – kein Wahlverzeichnis.  Bürger müssen sich daher an ihrem Wohnort selbst registrieren, um an der US-Wahl teilzunehmen. So mancher Kritiker sieht in diesem Schritt einen Grund für geringe Wahlbeteiligung. Vor allem Erstwähler sind regelmäßig unterrepräsentiert. Snapchat kann als Plattform vor allem junge Wähler erreichen.

Wie viele Snapchat User gibt es?

Laut Angaben von eMarketer gibt es in den USA rund 83 Millionen aktive Snapchat-Nutzer. 81 % der 18-24-jährigen US-Amerikaner verwenden die App. Die Zahl der täglich aktiven Snapchat User belief sich im 1. Quartal 2020 auf 229 Millionen. 88 Millionen stammen dabei aus Nordamerika und 70 Millionen User aus Europa, so die Statistikplattform Statista.

Die mehr als 80 % der 18-24-jährigen sind es, die entweder zum ersten oder zweiten Mal an Wahlen teilnehmen. Für diese Zielgruppe hat Snapchat eine Wähler-Initiative gestartet. Diese besteht aus vier Bereichen.

Das ist die Wähler-Initiative von Snapchat

In der App finden US-Nutzer eine Mini-Wähler-Registrierung. Externe Entwickler können nämlich seit Anfang 2020 Dienstprogramme direkt in Snapchat einbauen. Die neue Funktion ermöglicht es Jung-Wählern, sich direkt in Snapchat für die kommenden US-Wahlen zu registrieren.

Außerdem finden User einen Leitfaden für Wähler. Dieser bietet Informationen zur Briefwahl, Wählerregistrierung und Wahlaufklärung. Über eine Stichwortsuche finden Nutzer den Leitfaden. An der Erstellung haben sich Expertenorganisationen wie NAACP, ACLU, BallotReady, DemocracyWorks, APIA Vote, I am a Voter, Vote Early Day, National Voter Registration Day und mehr beteiligt.

Im Bereich „Before you vote“ versucht der App-Anbieter seine Nutzer aufzuklären, welche Möglichkeiten es gibt, die eigene Stimme abzugeben. Ob persönlich oder per Briefwahl: Snapchat regt an, einen eigenen Plan für die Abstimmung zu erstellen.

Zum Schluss gibt es noch eine Checkliste für Wähler. Diese ist in jedem Benutzerprofil hinterlegt.

Bereits im Mai hatte eine Studie von „Democracy Works“ gezeigt, dass rund 260.000 Snapchatter, die sich 2018 im Rahmen des TurboVote-Prozesses von Snap zur Abstimmung angemeldet hatten, tatsächlich an den US Midterms teilnahmen, was möglicherweise das Abstimmungsergebnis beeinflusst hat. Bei den Midterms handelt es sich um die Halbzeitwahlen in den USA zum US-Kongress, der Legislative der Vereinigten Staaten, die zwischen zwei Präsidentschaftswahlen stattfinden. Senat, Repräsentantenhaus und drei Dutzend Gouverneursposten standen zur Wahl.

Eine andere Studie von „GlobalWebIndex“  ergab, dass 72 % der 18- bis 24-jährigen Snapchat-Nutzer und 88 % der 25- bis 34- jährigen User planen, diesen November abzustimmen.

Was ist das Besondere an Snapchat?

Snapchat steht für Kurzlebigkeit. Bilder, Texte und Videos können nur für kurze Zeit aufgerufen werden und verschwinden anschließend für immer von den Servern. Die App ist in vier grundlegende Bereiche eingeteilt: Startbildschirm, privater Messenger, Story und Discover-Funktion. Auf dem Startbildschirm können User direkt ein Foto oder Video aufnehmen. Über den privaten Chat können sich Freunde untereinander austauschen. Im Story-Modus können Kurzgeschichten und Erlebnisse des Tages mit der Community geteilt werden – sie sind dann 24 Stunden verfügbar. Das Prinzip hat Instagram von Snapchat geklaut und ebenso erfolgreich auf dem Bildernetzwerk eingeführt. Über die Copy-Cat-Aktion haben wir hier berichtet. Der Discover-Bereich richtet sich an Unternehmen und ist damit der einzige kommerzielle Bereich der App. Unternehmen erhalten hier kostenpflichtige Plätze, um Botschaften zu platzieren.

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Von Sarah Janczura

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