Gigant aus Stahl 06.02.2026, 14:30 Uhr

5461 t auf Reisen: BorWin6-Jacket erfolgreich verladen

Schwerlastlogistik für die Energiewende: In Jebel Ali ist das Jacket der BorWin6-Plattform sicher auf ein Transportschiff verladen worden.

Jacket der Konverterplattform

Das Offshore-Projekt BorWin6 kommt voran. Mammoet hat das tonnenschwere Jacket der Konverterplattform erfolgreich verladen.

Foto: Mammoet

In der Fertigungsanlage Jebel Ali in den Vereinigten Arabischen Emiraten ist ein zentraler Schritt für das Offshore-Netzanbindungsprojekt BorWin6 abgeschlossen. Das Jacket, also die Stahlunterkonstruktion der späteren Konverterplattform BorWin kappa, ist erfolgreich auf ein Transportschiff verladen worden. Die Konstruktion wiegt 5461 t. Sie bildet das Fundament für eine der kommenden HGÜ-Plattformen in der deutschen Nordsee.

Verantwortlich für Transport, Verladung und Sicherung war das Schwerlastunternehmen Mammoet. Auftraggeberin des Gesamtprojekts ist TenneT. McDermott International übernimmt als EPCI-Partner die Ingenieur-, Beschaffungs-, Bau- und Installationsleistungen. Mit dem abgeschlossenen Load-out ist der Weg frei für die nächste Projektphase: den Transport nach Europa und die spätere Offshore-Installation.

Schwerlast unter Kontrolle: Transport mit 216 Achslinien

Der Weg des Jackets vom Fertigungsplatz bis an die Kaimauer erforderte präzise Planung. Mammoet setzte dafür selbstfahrende modulare Transporter ein, sogenannte SPMTs. Insgesamt 216 Achslinien bewegten die Last. Vier Power-Pack-Einheiten lieferten den nötigen Antrieb. Entscheidend war dabei nicht nur die reine Zugkraft, sondern die kontrollierte Bewegung in einer belebten Werftumgebung.

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Zusätzlich kamen Seilwinden zum Einsatz. Sie stabilisierten das System während der Ausrichtung am Kai und beim Übergang auf das Transportschiff. Nach Abschluss der Verladung sicherte das Team Jacket und Fundamentpfähle für die Seereise nach Europa. Damit ist die Unterkonstruktion bereit für die nächste Etappe des Projekts.

BorWin6: Strom aus der Nordsee für das Höchstspannungsnetz

BorWin6 ist eine HGÜ-Netzanbindung mit einer Übertragungsleistung von 980 Megawatt. Sie bringt Strom aus Offshore-Windparks der deutschen Nordsee an Land. Startpunkt ist die Konverterplattform BorWin kappa. Dort wird der von den Windenergieanlagen erzeugte Wechselstrom in Gleichstrom umgewandelt. Über ein rund 190 Kilometer langes Seekabel gelangt der Strom an die Küste bei Büsum.

Von dort führen etwa 45 km Erdkabel zur landseitigen Konverterstation in Büttel. In Büttel betreibt TenneT bereits Konverter für HelWin1, HelWin2 und SylWin1. In der neuen Anlage wird der Gleichstrom wieder in Wechselstrom umgerichtet und ins Höchstspannungsnetz eingespeist.

BorWin6 nutzt dabei ein Direktanschluss-Konzept. Die Windparks sind über 66-Kilovolt-Wechselstromkabel direkt mit der Offshore-Plattform verbunden. Separate Umspannstationen in den Windparks entfallen. Auch zusätzliche 155-kV-Verbindungen zwischen Windpark- und TenneT-Plattform sind nicht mehr nötig. TenneT erwartet dadurch geringere Systemkosten und weniger technische Schnittstellen.

selbstfahrender Modultransporter

Auf selbstfahrenden Modultransportern bewegt Mammoet das 54.61 t schwere Jacket der Offshore-HGÜ-Plattform BorWin6 millimetergenau zum Verladekai in Jebel Ali.

Foto: Mammoet

Letztes Projekt vor dem Technologiesprung

BorWin6 nimmt eine besondere Rolle ein. Es ist das letzte Offshore-Netzanbindungsprojekt von TenneT in der deutschen Nordsee, das noch mit der bisherigen HGÜ-Technik umgesetzt wird. Künftige Systeme sollen Leistungen von bis zu zwei Gigawatt übertragen und mit 525-kV-Kabeln arbeiten.

Die Bauvorbereitung für BorWin6 begann bereits 2022 an Land in Büttel. Der eigentliche Hochbau startete 2024. Die Topside, also die eigentliche Konverterstation auf See, entsteht seit Mitte 2023 ebenfalls in Jebel Ali. Der Bau des Jackets begann dort im Mai 2024. Später wird die Plattform in rund 38 m Wassertiefe installiert. Die Inbetriebnahme der Anbindung ist für 2027 vorgesehen.

Jacket auf dem Weg

Der Transport des Jackets vom Fertigungsplatz bis an die Kaimauer erforderte präzise Planung.

Foto: Mammoet

Blick nach vorn: Topside mit rund 17.000 t

Nach dem erfolgreichen Jacket-Load-out richtet sich der Fokus nun auf den Oberbau. Die Topside von BorWin6 soll etwa 17.000 t wiegen. Mammoet plant, sie im Jahr 2026 anzuheben, zu wiegen und für den Abtransport vorzubereiten. Zum Einsatz kommt dabei das Mega-Jack-System.

Dieses modulare Hubsystem erlaubt es, sehr große Strukturen gleichmäßig anzuheben. Es besteht aus einzelnen Hubtürmen, die flexibel konfiguriert werden können. Laut Hersteller wurden damit bereits Lasten von über 40.000 t bewegt. Für BorWin6 soll das System die nötige Stabilität und Kontrolle liefern, um den Oberbau sicher für den Skid-Transport und den späteren Load-out vorzubereiten

Stimmen aus dem Projekt

Tom Brazier, Projektmanager bei Mammoet, ordnet den Schritt ein: „Diese Verladung der Jacke ist ein wichtiger Schritt für BorWin6 und spiegelt den Planungs- und Kontrollaufwand wider, der in einer geschäftigen Fertigungsumgebung erforderlich ist.“

Mit Blick auf die kommenden Aufgaben ergänzt er: „Während das Projekt in die nächsten Phasen übergeht, konzentriert sich unser Team nun auf die Vorbereitung des bevorstehenden Anhebens, Wiegens und Verladens des Oberbaus im Laufe des Jahres 2026.“

Zum eingesetzten Hubsystem sagt Brazier: „Das Mega Jack 5200-System wird eingesetzt, um die für die Handhabung einer Konstruktion dieser Größe erforderliche Kontrolle und Stabilität zu gewährleisten.“

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

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