Europäische Datenbank gegen US-Einerlei
Konkurrenz für die Big-Tech-Konzerne Google und Microsoft: Eine europäische Webindex-Datenbank ist gestartet und jetzt auch in Deutschland nutzbar.
Web-Suche mit Smartphone: Das französisch-deutsche Joint-Venture European Search Perspective (EUSP) betreibt jetzt einen europäischen Webindex Foto Smarterpix.com/rarrarorro
Foto: Smarterpix.com/rarrarorro
Fast ist es so, als würde man durch eine belebte Straße mit vielen interessanten Restaurants spazieren. Sobald man aber dort etwas zu essen bestellt, kommt das Menü aus der immer gleichen Großküche. Im Juli dieses Jahres erreichte Google bei den Suchanfragen in Deutschland laut Analysedienst Statcounter einen Marktanteil von 85,68%, Bing (Microsoft) erreichte 7,08%. Zwar suchen immer mehr Menschen nicht mehr mit Hilfe klassischer Suchmaschinen im Web, sondern sie tippen eine Frage in einen KI-Chatbot von Anbietern wie ChatGPT, Gemini oder Perplexity ein. Doch völlig gleich, ob die Suche mittels Suchmaschine oder Chatbot erfolgt: Die Anfrage landet nahezu immer bei Google und Microsoft.
Konkret erfolgt die Suche über so genannte Webindex-Datenbanken. Eine Webindex-Datenbank speichert Informationen über Websites und deren Inhalte. Ihre Aufgabe ist es, Nutzern die gesuchten Internet-Inhalte schnell zur Verfügung zu stellen. Das Speichern und Aktualisieren eines Indexes des gesamten Internets ist dabei sehr kostspielig und komplex. Damit immer alles auf dem neuesten Stand ist, sind ununterbrochen Webcrawler unterwegs, die das gesamte Internet nach neuen Websites und neuen Inhalten durchsuchen und Informationen sammeln.
Viele Suchmaschinen – kaum Datenbanken
Auch über Deutschland hinaus ergibt sich europaweit ein ähnliches Bild: Fast alle Suchanfragen beantworten die beiden US-amerikanischen Big-Tech-Riesen. In Teilen Osteuropas und in Russland wird der russische Internetdienstleister Yandex mit seiner gleichnamigen Suchmaschine und dort beachtlichem Marktanteil verwendet. Alle anderen bekannten Suchmaschinen wie etwa DuckDuckGo, Yahoo oder Ecosia stützen sich auf Daten von Google und Microsoft.
Abhängigkeit der EU-Wirtschaft
Diese Abhängigkeit bereitet europäischen Nutzern und der Politik zunehmend Sorgen. Was wäre, wenn US-Präsident Trump auf die Idee käme, die Dienste der US-amerikanischen Tech-Konzerne aus politischen oder ökonomischen Gründen einzuschränken oder zu verbieten? Niemand wird heute wohl noch behaupten, dass eine solche Eskalation undenkbar ist. Die technologische Abhängigkeit der europäischen Wirtschaft ist in diesem digitalen Bereich enorm – und brandgefährlich.
Ein eigener, europäischer Suchindex soll deshalb der digitalen Unabhängigkeit Vorschub leisten. Das Joint-Venture European Search Perspective (EUSP) mit Sitz in Paris baut einen europäischen Webindex auf. Die Partner dahinter sind die deutsche Suchmaschine Ecosia und die französische Qwant. Die in Berlin ansässige Ecosia GmbH zählt rund 20 Millionen regelmäßige Nutzer ihrer Suchmaschine. Quant aus Frankreich kommt auf etwa 6 Millionen Benutzer.
Suchergebnisse made in Europe
Bei Qwant kommen die französischen Ergebnisse bereits teilweise aus dem eigenen Index. Geplant ist, bis Ende des Jahres rund ein Drittel der französischen Suchanfragen zu bedienen. Vor wenigen Tagen startete der Zugriff auf den europäischen Index nun auch hierzulande: „Wir haben damit begonnen, Suchergebnisse aus unserem neuen, in Europa angesiedelten Suchindex an Ecosia-Nutzer zu liefern“, verkündete das Berliner Unternehmen in einem Blogbeitrag. Der jetzt vollzogene Schritt werde helfen, ein ethisches und faires Internet aufzubauen, an das man glaube.
Unterstützung für Start-ups
Tatsächlich könnte der europäische Webindex dazu beitragen, die bedrohliche US-Abhängigkeit zu reduzieren. Der neue EUSP-Webindex und der Ranking-Algorithmus können von jeder Suchmaschine genutzt werden. Über die Schnittstelle Staan (Search Trusted API Access Network) können auch Dritte auf den Index zugreifen. Die EUSP-Daten können damit auch für die Entwicklung europäischer KI-Produkte von Start-ups verwendet werden. Ihnen soll eine unabhängige und sichere Datenbasis für Trainingszwecke zur Verfügung gestellt werden.
Der Index von EUSP wird in Europa gehostet und er hält sich nach Angaben des Joint-Ventures an die strengen europäischen Vorschriften, einschließlich der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO). Dem Datenschutz wird insgesamt hohe Priorität eingeräumt. Sämtliche eingegebene Daten bleiben, wo sie gesetzlich geschützt sind – unter EU-Gerichtsbarkeit und in Rechenzentren innerhalb der EU. Seinen Nutzern teilte Ecosia mit, dass unmerklich etwas Wichtiges geschehen sei: „Sie werden keinen großen Unterschied bemerken – aber dies ist ein großer Schritt in Richtung digitaler Souveränität.“