Bitcoin in der Geisterstadt: Warum der 4-Jahres-Zyklus Hoffnung macht
Rekordhoch, Crash, Flaute – und wieder von vorn? So funktioniert Bitcoins 4-Jahres-Zyklus und deshalb könnte die aktuelle Ruhe entscheidend sein.
Der Abgesang auf Bitcoin könnte auch dieses Mal verfrüht sein, der 4-Jahres-Zyklus zeigt nämlich: Auf starke Kurseinbrüche folgten bislang immer wieder neue Rekordstände.
Foto: Smarterpix / vladimirzotov
Quo vadis, Bitcoin? Niemand will mehr Krypto, Totenstille am Markt, Kapital fließt gen Aktien und KI – doch die Ruhe täuscht. Der 4-Jahres-Zyklus – ein Kernkonzept der Bitcoin-Analyse – und das Halving zeigen: Die Flaute hat System. Explosive Kurse sind näher, als viele glauben. Warum ist das so – und wie funktioniert der 4-Jahreszyklus?
Inhaltsverzeichnis
Krypto: Am Ende?
Hach, das waren noch Zeiten: Preissprünge um tausende Prozent, Euphorie unter Anlegern – und gefühlt täglich neue Millionäre. Lang, lang scheint es her – aktuell ist davon nichts zu spüren: Die Kurse der Coins sind im Keller, das öffentliche Interesse hat ein Rekordtief erreicht. Ob YouTube-Videos, Online-Artikel, Bitcoin-Prognosen, X-Beiträge – die Aufmerksamkeit ist kollabiert, Bitcoin aus den Schlagzeilen verschwunden.
Selbst das Netzwerk dokumentiert die Stille: Im Mempool, dem Wartezimmer für Transaktionen, herrscht über weite Strecken gähnende Leere. Überweisungen rutschen aktuell bereits zum Minimalsatz von 1 Satoshi pro vByte in den nächsten Block – von Gedränge keine Spur. In Hochphasen wie zum Halving im April 2024 boten Nutzer noch dreistellige Summen, damit Transaktionen zügig bearbeitet werden.
Die On-Chain-Analysten von Glassnode bestätigen das Desinteresse in einer neuen Analyse. Demnach ist die implizite Volatilität für steigende Kurse just auf ein neues Allzeittief gefallen: „Niemand bezahlt mehr für Bitcoin-Upside“, schreiben die renommierten Experten auf X. Übersetzt: Anleger erwarten keinen starken Bitcoin-Anstieg – der Markt preist keine signifikanten Gewinne mehr ein. Und genau diese Lethargie ist bullish, denn: Sie kennzeichnet historisch das Ende eines Bärenmarktes. Stehen Bitcoin und Co. also endlich vor einer neuen Aufwärtsphase?
Bitcoin im 4-Jahres-Zyklus: Das Halving treibt den Kurs
Das legt zumindest der vielzitierte 4-Jahres-Zyklus nahe. Hinter der wiederkehrenden Abfolge von Kurs-Explosion und Crash steckt nämlich ein fest programmierter Mechanismus: das sogenannte Halving. Alle 210.000 Blöcke – etwa alle vier Jahre – halbiert das Bitcoin-Netzwerk die Belohnung, die Miner für einen neuen Block erhalten.
Seit April 2024 sind es nur noch 3,125 BTC pro Block. Für alle, weltweit. Das neue Angebot verknappt sich also schlagartig – und das wirkt auf den Kurs: Trifft die reduzierte Emission auf konstante oder wachsende Nachfrage, drückt das potenziell den Preis nach oben. Danach stürzt Bitcoin wieder ab – und folgt somit dem typischen 4-Jahres-Zyklus. Der Ablauf:
- Halving: Das tägliche Neuangebot halbiert sich – der Angebotsschock baut sich langsam auf.
- Bullenmarkt: Mit einigen Monaten Verzögerung zieht der Kurs an, das Interesse kehrt zurück.
- Allzeithoch: Mit relativer Zuverlässigkeit markiert Bitcoin rund anderthalb Jahre nach dem Halving neue Rekordstände.
- Bärenmarkt: Es folgen mehrere heftige Korrekturen, das Interesse erlischt – bis das nächste Halving den Zyklus von vorne startet.
Wie zuverlässig dieses Muster bislang funktioniert, zeigen die Zahlen:
| Datum Halving | Preis zum Halving | Anschließendes Allzeithoch | Tage bis zum Hoch | Gewinn |
| November 2012 | ~12 Dollar | ~1.150 Dollar (Nov. 2013) | ~370 | ~+9.500% |
| Juli 2016 | ~650 Dollar | ~19.700 Dollar (Dez. 2017) | ~525 | ~+2.900% |
| Mai 2020 | ~8.700 Dollar | ~69.000 Dollar (Nov. 2021) | ~550 | ~+690% |
| April 2024 | ~64.000 Dollar | 126.000 Dollar (Herbst 2025) | ~545 | ~+97% |
Auffällig dabei: Der Abstand zwischen Halving und Zyklushoch pendelt stabil um 500 Tage herum – auch im aktuellen Durchlauf hat sich Bitcoin fast exakt an den historischen Fahrplan gehalten.
Bitcoin: Wie tief geht es nach dem Hoch?
Auf jedes Zyklushoch folgt ein ausgedehnter Bärenmarkt – auch dessen Umfang wiederholt sich mit bemerkenswerter Regelmäßigkeit:
| Zyklushoch | Anschließendes Tief | Maximaler Verlust | Dauer bis zum Tief |
| ~1.150 Dollar (Nov. 2013) | ~150 Dollar (Jan. 2015) | -87% | ~14 Monate |
| ~19.700 Dollar (Dez. 2017) | ~3.200 Dollar (Dez. 2018) | -84% | ~12 Monate |
| ~69.000 Dollar (Nov. 2021) | ~15.500 Dollar (Nov. 2022) | -78% | ~12 Monate |
| 126.000 Dollar (Herbst 2025) | bisher ~57.700 Dollar (Juli 2026) | bisher ~-54% | läuft (~9 Monate) |
Zwei Trends stechen hervor. Erstens: Die prozentualen Gewinne je Zyklus werden kleiner – von +9.500% auf zuletzt +97%. Die Ursache: Der Markt ist schlicht größer geworden. Billionen bewegen sich träger als Milliarden. Zweitens – die gute Nachricht: Auch die Crash-Tiefe nimmt tendenziell ab. Statt -87% wie 2015 hat der laufende Bärenmarkt bislang „nur“ rund -54% vom Hoch abgeknabbert. Reifere Märkte schlagen flachere Wellen – in beide Richtungen.
4 Jahre, 4 Phasen: Wo steckt Bitcoin jetzt?
Marktzyklen lassen sich in folgende vier Phasen einteilen:
- Akkumulation: Nach dem Bärenmarkt-Tief, jeweils vor und nach dem Halving – informierte Großanleger, Wale und langfristig orientierte Investoren kaufen.
- Expansion (Markup): Nach dem Halving steigen die Preise, das Interesse nimmt wieder zu.
- Euphorie (Distribution): Der Kurs legt enorm zu, Medien-Hype entsteht, die breite Masse der Kleinanleger steigt ein – Bitcoin erreicht ein neues Allzeithoch. Gegen Ende dieser Phase setzen in der Regel Gewinnmitnahmen ein.
- Markdown (Bärenmarkt): Kapitulation, Liquidationen, Panik-Verkäufe, extreme Angst – bis zum Tiefpunkt.
Wichtig: Die Phasen gehen fließend ineinander über und sind nicht immer scharf getrennt. Aktuell befindet sich der Markt in den finalen Zügen der letzten Etappe – und das zeigt sich am kollektiven Desinteresse.
Auch Top-Analyst Michaël van de Poppe ordnet die Stimmung entsprechend ein: „Dass Krypto und Bitcoin eine komplette Geisterstadt sind, ist nicht schlecht – sondern ein Zeichen dafür, dass die Märkte eine gewaltige Gelegenheit zum Akkumulieren bieten“, schreibt der Niederländer auf X.
Seine Rechnung: Im vergangenen Bärenmarkt lag der Tiefpunkt bei 16.000 Dollar, im aktuellen bislang bei knapp unter 60.000 Dollar – eine jährliche Wachstumsrate von +39% allein zwischen den Zyklustiefs. Bitcoin kaufen? „Das ist der richtige Zeitpunkt dafür“, so van de Poppe. Wichtig für den Crash danach: Ausharren in der Flaute lohnt – bislang immer.
Denn: Bitcoin verteilt seine Gewinne nicht gleichmäßig, sondern in intensiven Schüben. Das Analysehaus Fundstrat hat berechnet: Die Kryptowährung erzielt nahezu ihre gesamte Rendite an lediglich zehn Tagen pro Jahr. Die meiste Zeit tut sich also nichts – und dann explodiert der Markt binnen weniger Sitzungen. Genau deshalb positionieren sich erfahrene Zyklus-Investoren in – eher langweiligen – Phasen wie dieser.
4-Jahres-Zyklus im Wandel: Was diesmal anders sein könnte
Aber: So mechanisch der Zyklus auch wirkt – ein Naturgesetz ist er nicht. Der Markt hat sich verändert: Seit Januar 2024 pumpen börsengehandelte Spot-ETFs institutionelles Kapital in Bitcoin – Geld, das keinem Halving-Kalender folgt. Einige Analysten vertreten deshalb die These, der Vier-Jahres-Rhythmus werde in seiner bisherigen Form nicht überleben – die ETF-Nachfrage übernimmt als neuer Haupttreiber.
Die Dimension dahinter: Börsengehandelte Fonds kaufen zeitweise mehr Bitcoin, als das Netzwerk überhaupt herstellt – einen derart kontinuierlichen Nachfrageüberhang hat es in früheren Zyklen schlicht nicht gegeben. Auch Zinsen und globale Liquidität greifen härter in den Kursverlauf ein als früher. Zyklus-Timing und -Intensität können also durchaus abweichen.
Bemerkenswert: Bislang bleibt Bitcoin trotzdem zyklustreu – das Hoch hat sich rund 545 Tage nach dem Halving gebildet, die anschließende Korrektur folgt dem bekannten Muster, nur flacher. Der 4-Jahres-Zyklus ist also intakt, wenngleich neue Faktoren auf ihn einwirken.
Kaufen und vier Jahre halten – Erfolgsrezept?
Bleibt die Gretchenfrage: investieren – oder abwarten? Was man diesbezüglich berücksichtigen sollte: Ganz gleich, wann Anleger bei Bitcoin eingestiegen sind – wer vier Jahre gehalten hat, war immer profitabel. Das gilt selbst bei einem Kauf im November 2021 zum Rekordpreis von 69.000 Dollar: Bis Herbst 2025 lag der Kurs bei 126.000 Dollar – eine Beinah-Verdopplung. Ausnahmslos jede Vier-Jahres-Periode endet bislang im Plus. Eine Garantie für die Zukunft ist die Vergangenheit selbstverständlich nicht – doch bis heute greift die Regel.
Und sie führt zu einer simplen Schlussfolgerung: Ausgerechnet jetzt – mitten im größten Desinteresse, tief im Bärenmarkt und gut anderthalb Jahre vor dem nächsten Halving im Frühjahr 2028 – erhalten Anleger die potenziell beste Kaufgelegenheit. Oder, wie Top-Investor und Makro-Ökonom Raoul Pal es formuliert: „Die wichtigste Lektion bei einem langfristig bullishen Vermögenswert lautet: nichts tun. […] Die zweite Lektion lautet: bei Kursrückgängen aggressiv zukaufen.“
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