Kryptowährung 27.07.2022, 11:32 Uhr

Wo gibt es Bitcoin-Automaten und wie funktionieren sie?

Beim Kauf eines neuen Staubsaugers eben noch Bitcoin am Automaten ziehen: Das geht unter anderem bei Saturn. Ganz so einfach, wie es klingt, ist es dann aber doch nicht, wie ein Test zeigt.

Bitcoin kaufen am Automaten - das ist in mehreren Saturn-Märkten und bei einer Bankfiliale in Bayern möglich.

Bitcoin kaufen am Automaten - das ist in mehreren Saturn-Märkten und bei einer Bankfiliale in Bayern möglich.

Euro-Scheine einzahlen und den Gegenwert in Bitcoins direkt in die digitale Geldbörse erhalten – das klappt mit Bitcoin-Automaten. Kryptowährungen dienen nicht nur als Wertanlage, sondern auch als Zahlungsmittel im digitalen Raum. Hauptwährung unter den Kryptowährungen ist nach wie vor der Bitcoin: Er liegt im Trend und hält die Finanzbranche mit seinen teils heftig schwankenden Kursen in Atem.

Viele Erstkäufer stellen sich die Frage: Wie kann ich sicher und gesetzeskonform Bitcoin kaufen? Gar nicht so einfach angesichts der zahlreichen Trading-Plattformen, von denen viele seriös sind, manche eher weniger. Die Automaten sollen hier Abhilfe schaffen.

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Wo gibt es Bitcoin-Automaten?

Der Elektrohändler Saturn hat jetzt in Köln, Dortmund und Frankfurt solche Bitcoin-Automaten installiert. Die Maschinen werden von der Kurant Bank betrieben, einer Tochterfirma des österreichischen Brokers Coinfinity. Wird so der einfache Einstieg in die Welt der digitalen Coins ermöglicht?

Insgesamt stehen in Deutschland 46 Automaten von Kurant, der nach eigenen Angaben europäischer Marktführer in dem Bereich ist. Europaweit sind es 213, so das Unternehmen. “Da wir gerade eine enorme Nachfrage nach ATMs bemerken, ergeben sich speziell für den Einzelhandel interessante Chancen, einerseits neue Kundschaft anzuziehen und andererseits finanziell am stationären Verkauf von Kryptowährungen zu partizipieren”, so ein Kurant-Sprecher. “Der Kauf von Bitcoin und Co. wird ja bis dato eher mit digitalaffinen Menschen in Verbindung gebracht. Doch gerade für Einsteiger, die noch keine Erfahrungen mit dem Kauf von Kryptowährungen gesammelt haben, wirken Onlinehandelsplätze oft abschreckend, da sie technologisches Verständnis voraussetzen.”

Die Idee: Die Automaten sollen wie ein klassischer ATM oder ein Währungswechsler genutzt werden. Das funktioniert ausschließlich mit Bargeld, das in den Automaten gesteckt wird. Der entsprechende Betrag wird je nach Wunsch in Bitcoin oder Ethereum umgerechnet und als Guthaben im Anschluss auf eine digitale Geldbörse (Wallet) geladen. Doch bis dahin ist es ein weiter Weg wie ein Test unserer Redaktion in der Kölner Saturn-Filiale zeigt.

Wie kann man sich anmelden?

Zunächst ist eine Registrierung auf der Aktions-Website von Kurant notwendig. User werden aufgefordert, ihre Handynummer einzugeben. Kurant versendet dann einen 6-stelligen Code per SMS, um die Nummer zu bestätigen. Doch damit es noch nicht getan. Per Video-Identifizierungsverfahren müssen potentielle Automaten-Gänger ihre Identität bestätigen. Eine entsprechende App für die Wallet ist ebenfalls notwendig. Die App erstellt darüber hinaus einen QR-Code, sobald der Betrag am Automaten ausgewählt wird. Diesen scannen die Nutzer, damit das Geld eingezahlt und als Kryptowährung umgewandelt werden kann. Ganz so niedrig ist die Hürde dann doch nicht.

Ganz so unkompliziert ist die Sache mit dem Bitcoin-Kauf am Automaten nicht. Und ohne Bargeld läuft schon mal gar nichts.

Ganz so unkompliziert ist die Sache mit dem Bitcoin-Kauf am Automaten nicht. Und ohne Bargeld läuft schon mal gar nichts.

Blockchain: So funktioniert die Technik hinter der Kryptowährung

Bislang nutzen die Kölnerinnen und Kölner den Bitcoin-Automaten offenbar nur sehr sporadisch: Die Frequenz liege bei zwei bis drei Besuchen pro Monat, verrät ein Saturn-Mitarbeiter. Wie oft die Automaten tatsächlich genutzt werden, will Betreiber Kurant nicht sagen: Man bitte um Verständnis, dass man keine Angaben zur monatlichen Nutzung der Kundentransaktionen machen könne, da es sich um ein persönliches Anlagengeschäft handle. Ebenfalls keine Angaben macht das Unternehmen dazu, wie viele Bitcoins pro Aktion getauscht werden. Bei einem Kurs von derzeit rund 20.000 Euro ist es aber eher unwahrscheinlich, dass viele Nutzer ganze Coins vor Ort in bar bezahlen. Die meisten Nutzer dürften lediglich Bitcoin-Teile – sogenannte Satoshis – gegen Euro tauschen. Klar ist: Die allermeisten Kunden ziehen Bitcoin am Automaten, nur 10 % seien an Ethereum interessiert, heißt es von Kurant.

Wie viele Bitcoin-Automaten gibt es weltweit?

Rund 34.000 Bitcoin-Automaten existierten weltweit, mehr als 30.000 stehen laut Statista allein in den USA.

In der Schweiz gibt es ebenfalls vergleichsweise viele Krypto-Automaten: An hunderten Stellen der Schweizer Bahn SBB lassen sich Bitcoins kaufen, aber nicht verkaufen.

Kurant hat seine mehr als 200 Automaten unter anderem in Deutschland, Österreich, Spanien und Griechenland installiert.

Sind Bitcoin-Automaten in Deutschland seriös?

Tatsächlich haben Bitcoin-Automaten den Ruf, prädestiniert für Geldwäsche und andere illegale Aktionen zu sein. Experten und Behörden raten: Automaten, bei denen keine Verifizierung des Kunden nötig ist, sollte man auf jeden Fall meiden. Vor allem in den USA, wo die weltweit meisten Krypto-ATMs stehen, tauchen immer wieder illegale Automaten auf. Dabei geht es vornehmlich um Geräte, die nicht in Zusammenhang mit einem echten Geldinstitut stehen.

Auch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) BaFin beäugte Bitcoin-Automaten in der Vergangenheit kritisch. Kryptowährungen gelten nach Ansicht mancher Währungswächter als Komplementärwährung, also eine Währung, die innerhalb einer begrenzten Gemeinschaft als Ergänzung zur offiziellen Währung gilt. Die legale Ausgabe solcher Währungen ist nicht eindeutig geregelt – ein Bitcoin-ATM befindet sich je nach Ansicht also in einer rechtlichen Grauzone.

So hatte die BaFin 2020 Automaten des Betreibers „Shitcoins“ verboten: Der Betreiber „stellt im gesamten Bundesgebiet Automaten auf, an denen Kryptowährungen gegen Geld erworben oder veräußert werden können. Darüber hinaus bietet das Unternehmen sog. „face to face“-Transaktionen mit der Möglichkeit des Erwerbs von Kryptowährungen“, heißt es bei der Behörde. Der gewerbsmäßige Eigenhandel ohne Erlaubnis der BaFin war nicht rechtens.

Unautorisierte Bitcoin-Geldautomaten sind also in Deutschland verboten. So sieht es das deutsche Kreditwesengesetz vor. Betreiber von Bitcoin-Automaten müssen demnach von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) zugelassen werden – und können entsprechend als seriös gelten.

Wie funktionieren Bitcoin-Automaten?

Es gibt zwei Arten von Krypto-Automaten.

  • Einweg-Automaten: ermöglichen lediglich den Kauf von Bitcoin
  • Zweiweg-Automaten: Bitcoin kaufen und verkaufen möglich

Beide Automaten erfordern Wallets, auf die Coins transferiert werden. Die Verifizierung erfolgt in der Regel über die Angabe des Personalausweises, Führerscheins oder Reisepasses. Anonym Bitcoin kaufen ist in Deutschland aufgrund von Regularien nicht möglich. Für die Bitcoin-Transaktionen werden Gebühren fällig. Die Höhe wird vom Betreiber festgelegt. Den konkreten Kurs der gewünschten Kryptowährung inklusive der anfallenden Gebühren finden Verbraucher am Automaten.

Welche Alternativen gibt es für den Kryptokauf?

Der Kauf von Bitcoin und Ethereum am Automaten mag zwar zunächst simpel erscheinen, ist für Einsteiger im Prozess jedoch kompliziert. Kryptowährungen können auch von zu Hause erworben werden, zum Beispiel über Broker und entsprechende Börsen-Plattformen. Zu den bekanntesten Bitcoin-Börsen zählen “Binance”, “Bitstamp” und “Paymium”. Auf Online-Marktplätzen wie bitcoin.de durchlaufen User einen banküblichen Verifizierungsprozess, wenn sie ein Konto eröffnen.

Bitcoin am Abgrund: Gelingt die Trendwende noch?

Wo gibt es noch Bitcoin-Automaten?

In klassischen Banken waren Bitcoin-Automaten bislang in Deutschland nicht zu finden. Jetzt aber gibt es mit der Volksbank Bayern Mitte ein erstes Geldinstitut, das mit Kurant kooperiert. In seiner Mitteilung dazu tauscht der österreichische Spezialist bloß das Wort “Einzelhandel” gegen “Banken” aus, ansonsten ist die Formulierung mit der Mitteilung zur Saturn-Kooperation identisch: “Besonders für Banken bieten sich hier interessante Chancen, um einerseits neue Kunden anzuziehen und gleichzeitig auch finanziell am stationären Verkauf von Kryptowährungen teilzuhaben.” Der erste Automat steht im Foyer einer Filiale in Ingolstadt. Mit den Automaten werde es auch Einsteigern ermöglicht, gesetzeskonform Kryptowährungen zu nutzen, betont Kurant. Tatsächlich hängt dem Bitcoin immer noch ein zweifelhafter Ruf an. Nicht nur, weil die Währung wegen des enormen Energiebedarfs für das sogenannte Mining nicht besonders klimafreundlich ist. Sondern auch, weil viele mit dem Digita-Geld eine Schattenwährung für illegale Transaktionen assoziieren.

Indes sind dezentrale Kryptowährungen, die auf Blockchain-Technologie basieren, überhaupt nicht per se unseriös. Andreas Streb, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Volksbank Raiffeisenbank Bayern Mitte: „Das Thema Bitcoin ist in allen Altersklassen ein relevantes Thema. Wir nehmen seit geraumer Zeit bei vielen Kundinnen und Kunden ein gesteigertes Interesse an der Kryptowährung wahr.“ Man sei überzeugt, dass sich in Zukunft mehr traditionelle Banken für Kryptowährungen öffnen werden.

Allerdings ist der Handel mit Bitcoins und ähnlichen Währungen hochspekulativ, was bei Anlegern zu atemberaubenden Gewinnen, aber auch zu extremen Verlusten innerhalb kürzester Zeit führen kann.

Wie gibt man Krypto-Gewinne eigentlich bei der Steuererklärung an? Wir erklären es Ihnen hier.

Ein Beitrag von:

  • Peter Sieben

    Peter Sieben schreibt über Forschung, Politik und Karrierethemen. Nach einem Volontariat bei der Funke Mediengruppe war er mehrere Jahre als Redakteur und Politik-Reporter in verschiedenen Ressorts von Tageszeitungen und Online-Medien unterwegs.

  • Sarah Janczura

    Sarah Janczura

    Sarah Janczura schreibt zu den Themen Technik, Forschung und Karriere. Nach einem Volontariat mit dem Schwerpunkt Social Media war sie als Online-Redakteurin in einer Digitalagentur unterwegs. Aktuell arbeitet sie als Referentin für Presse und Kommunikation beim VDI e.V.

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