Großbrand in Bautzen: Warum ein Batteriespeicher-Brand kein normales Feuer ist
Ein Batteriespeicher am Bautzener Schliebenparkplatz brannte von Dienstagnachmittag bis in den späten Mittwochabend. Warum solche Brände eine besondere Herausforderung sind und wie sie sich verhindern lassen.
Die Feuerwehr bekämpfte mit einer ferngesteuerten Spritze den Brand.
Foto: picture alliance/dpa/xcitepress | Domenic Prater
Am Dienstagnachmittag steigt über dem Schliebenparkplatz im sächsischen Bautzen Rauch auf. Vier Seecontainer einer Batteriespeicheranlage stehen in Flammen. Die Anlage soll eigentlich Schwankungen im Stromnetz ausgleichen.
Bis zu 90 Einsatzkräfte rücken an, 42 Anwohnerinnen und Anwohner müssen ihre Wohnungen verlassen, die Stadt ruft dazu auf, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Doch gelöscht wird zunächst gar nicht. Stattdessen kühlt die Feuerwehr die Container – ab 16 Uhr nach eigenen Angaben mit rund 3000 l Wasser pro Minute, später laut dem Fachmagazin Photon sogar mit 5000 Litern. Erst am späten Mittwochabend öffnet ein Bagger den Container, ein ferngesteuerter Kettenroboter der Feuerwehr Dresden bringt gezielt Löschwasser ein. Die Löscharbeiten sind nach über 24 Stunden abgeschlossen.
Die Brandursache ist noch nicht abschließend geklärt, die Ermittler gehen von einem technischen Defekt aus. Wie die Feuerwehr laut Photon mitteilte, war es der erste Batteriespeicher-Brand dieser Größe in Deutschland. Womöglich bleibt es nicht der letzte. Allein im ersten Quartal 2026 gingen in Deutschland 2,2 GWh neue Batteriespeicherkapazität ans Netz – rund 38 % mehr als im Vorjahreszeitraum, wie aus den „Battery Charts“ des Instituts ISEA der RWTH Aachen hervorgeht. Je mehr solcher Anlagen entstehen, desto drängender wird eine Frage: Was passiert, wenn eine davon brennt?
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Was in Bautzen gebrannt hat
Die Schliebenparkplatz-Anlage ist ein Batteriespeicher, wie er derzeit vielerorts in Deutschland entsteht: Vier Überseecontainer mit Lithium-Ionen-Akkus, die zusammen 1,5 MW Leistung bringen. So beschrieb es ein Sprecher der Stadt Bautzen dem Fachportal pv magazine.
Wieso es zum Brand kam
Warum der Speicher am Dienstag Feuer fing, ist derzeit noch offen. Ein Brandursachenermittler soll sich die Anlage noch am Donnerstag (23. Juli) ansehen, im Laufe des Tages sollen die beschädigten Container entsorgt werden.
Die Ermittler gehen bislang von einem technischen Defekt aus; Anhaltspunkte für Fremdverschulden gebe es nach ersten Erkenntnissen nicht. Wie es üblicherweise zu einem solchen Defekt kommt, lässt sich aber in einem Fachbeitrag in der VDI-Fachzeitschrift Technische Sicherheit nachlesen: Mechanische, thermische oder elektrische Belastung kann einzelne Zellen so beschädigen, dass sie eine Reaktion auslösen, die sich selbst immer weiter verstärkt.
Fachleute bezeichnen diesen Prozess als Thermal Runaway, „thermisches Durchgehen“. Wegen dieses Mechanismus ist ein Batteriebrand auch kein gewöhnliches Feuer, das auf gewöhnliche Art gelöscht werden kann.
Warum ein Batteriespeicher-Brand kein normales Feuer ist
Ein gewöhnliches Feuer braucht drei Dinge:
- Brennstoff
- Sauerstoff
- Hitze
Nimmt man eines davon weg, erlischt es. Darauf beruht praktisch jede Löschtechnik.
Äußere Flammen lassen sich durch Sauerstoffentzug unterdrücken; das thermische Durchgehen innerhalb der Zellen kann dadurch jedoch weiterlaufen. Denn beim Thermal Runaway zersetzt sich der Elektrolyt im Inneren der Zelle. Dabei entstehen sogenannte Venting-Gase, die brennbar und giftig sein können. Die Reaktion erzeugt ihre Hitze also selbst und springt von Zelle zu Zelle, von Modul zu Modul.
Wie wenig klassische Löschmittel dagegen ausrichten, zeigen Brandversuche mit Regallagern aus dem Forschungsprojekt SUVEREN2use, an dem unter anderem die Bergische Universität Wuppertal und das Fraunhofer Heinrich-Hertz-Institut beteiligt sind. Aerosol- und Inertgas-Löschanlagen, die dem Feuer den Sauerstoff entziehen, können die Flammen zwar ersticken – den Thermal Runaway stoppen sie nicht.
Die Zellen stoßen weiter brennbare Gase aus, die sich sammeln und beim Kontakt mit Sauerstoff und einer Zündquelle schlagartig entzünden können. Vor allem wasserinduzierte Kühlung hilft dagegen. Denn Wasser entzieht der Reaktion die Wärme und bremst so ihre Ausbreitung auf benachbarte Zellen.
Wie die Feuerwehr in Bautzen vorging
Vor diesem Hintergrund erklärt sich das Vorgehen in Bautzen. Die Feuerwehr löschte über weite Strecken gar nicht. Stattdessen kühlte sie nach eigenen Angaben, um „eine weitere Erwärmung“ zu verhindern und „das Risiko einer möglichen Explosion so weit wie möglich“ zu reduzieren. Erst am Ende dieses Prozesses öffnete der Bagger den Container, sodass der Löschroboter das Feuer ablöschen konnte.
Wie es ausgeht, wenn selbst das nicht mehr möglich ist, zeigte sich im Januar 2025 in Kalifornien: Beim Brand im Moss Landing, einem der damals weltgrößten Batteriespeicherkraftwerke, entschied die Feuerwehr, den betroffenen Komplex kontrolliert ausbrennen zu lassen.
Wie sich solche Brände verhindern lassen
Wie sich das Brandrisiko senken lässt, ist relativ gut erforscht. Versuche aus dem SUVEREN2use-Projekt nennen etwa:
- Gasdetektoren, die austretende Venting-Gase erkennen, bevor eine Zelle durchgeht.
- Metallbarrieren, die Speicher in Brandabschnitte teilen.
- Hochdruck-Wassernebel-Anlagen, die einen beginnenden Brand kühlen.
Im Genehmigungsverfahren verlangen die Behörden in Deutschland je nach Anlage und Landesrecht einen Brandschutznachweis oder ein projektspezifisches Brandschutzkonzept. Einheitliche bundesweite Vorgaben für Großspeicher fehlen bislang; der Branchenverband BVES hat dazu einen eigenen Brandschutzleitfaden veröffentlicht.
Dass solche Konzepte an Bedeutung gewinnen, zeigen die Zahlen: Rund 30 GWh Batteriespeicher sind laut ISEA inzwischen in Deutschland installiert, verteilt auf etwa 2,5 Mio. Systeme. Das sind rund fünfmal so viel wie Ende 2021. Das Fraunhofer ISE beziffert den Bedarf bis 2030 je nach Szenario sogar auf 100 bis 170 GWh.
Die durch den Brand in Bautzen aufgeworfene Frage nach der Sicherheit der Anlagen dürfte sich also immer häufiger stellen. Hält der von den ISEA-Battery Charts gezeigte Trend an, liegt der Zubau im Jahr 2026 noch einmal deutlich über dem von 2025.
Mit Material der dpa.
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