Diese Fabrik war für E-Autos gedacht, nun produziert sie für den KI-Boom
LG baute Milliardenkapazitäten für E-Autos auf. Weil der US-Markt schwächelt, produziert der Konzern nun immer mehr Akkus für Stromspeicher und KI.
Das neue Batteriewerk von LG Energy Solution in Lansing, Michigan, produziert seit August 2026 sowohl Zellen für Elektroautos als auch LFP-Batterien für stationäre Energiespeicher. Ursprünglich war die Fabrik gemeinsam mit General Motors vor allem für den erwarteten E-Auto-Boom geplant.
Foto: LG Energy Solution Michigan
Diese Fabrik war für den großen Durchbruch des Elektroautos in den USA gedacht. 2022 kündigten General Motors und LG Energy Solution an, in Lansing im US-Bundesstaat Michigan 2,6 Mrd. $ in ein gemeinsames Batteriezellwerk zu investieren. Geplant waren bis zu 50 GWh Produktionskapazität pro Jahr – genug, um Batterien für Hunderttausende Elektroautos zu liefern. GM wollte damals bis Ende 2025 in Nordamerika Kapazitäten für mehr als eine Million E-Autos jährlich aufgebaut haben.
Vier Jahre später sieht die Fabrik deutlich anders aus. GM ist ausgestiegen, LG Energy Solution hat das Werk übernommen. Und seit August 2026 werden in Lansing nicht nur NCM-Zellen für Elektroautos produziert, sondern auch LFP-Zellen für große stationäre Energiespeicher. Statt der einst geplanten 50 GWh nennt LG heute eine Kapazität von mehr als 35 GWh jährlich.
Der Umbau steht für eine größere Verschiebung in der nordamerikanischen Batterieindustrie. Die Nachfrage nach Elektroautos ist deutlich hinter früheren Erwartungen zurückgeblieben. Gleichzeitig wächst ein anderer Markt rasant: Batteriespeicher für Stromnetze, Energieversorger und die Infrastruktur rund um KI-Rechenzentren.
LG Energy Solution reagiert darauf konsequent. Bis Ende 2026 sollen fünf nordamerikanische Produktionsstandorte Batterien für stationäre Energiespeicher herstellen. Mehr als 50 GWh LFP-Produktionskapazität will der koreanische Hersteller dafür in Nordamerika aufgebaut haben.
Inhaltsverzeichnis
- Aus der 50-GWh-E-Auto-Fabrik wird ein Mischwerk
- US-E-Auto-Markt ist deutlich kleiner als erwartet
- Fünf Werke produzieren inzwischen auch Speicherbatterien
- Warum aus NCM teilweise LFP wird
- Ein E-Auto-Werk lässt sich nicht einfach auf LFP umschalten
- KI-Rechenzentren schaffen einen neuen Milliardenmarkt
- Tesla bestellt LFP-Zellen für seine Megapacks
- 1,6-Mrd.-$-Auftrag für 6 GWh
- Eine Schwachstelle bleibt: China dominiert LFP
- 275 GWh Überkapazität lassen sich nicht einfach wegproduzieren
Aus der 50-GWh-E-Auto-Fabrik wird ein Mischwerk
Als GM und LG das Werk in Lansing planten, war von stationären Speichern noch kaum die Rede. Die Batteriezellen sollten an GM-Werke geliefert werden und dort Elektroautos der Ultium-Plattform antreiben. Doch der erwartete Hochlauf kam nicht.
GM entschied schließlich, seinen Anteil an dem nahezu fertiggestellten Werk abzugeben. LG Energy Solution übernahm die Anlagen für rund 2 Mrd. $. Die Entscheidung fiel in einer Phase, in der GM seine milliardenschweren Investitionen in Elektroautos und Batterien stärker an die tatsächliche Nachfrage anpasste.
Seit dem 18. August 2026 läuft die Produktion in Lansing. Der Standort hat nun zwei Aufgaben. LG fertigt dort energiedichtere NCM-Zellen für Toyota-Elektroautos, unter anderem für den Toyota Highlander EV. Gleichzeitig entstehen Lithium-Eisenphosphat-Zellen (LFP) für stationäre Speicher. Bei Vollauslastung sollen rund 1700 Menschen in dem Werk arbeiten.
Damit hat LG aus einer Fabrik, die nahezu vollständig vom erwarteten US-E-Auto-Boom abhängig gewesen wäre, einen flexibleren Produktionsstandort gemacht.
US-E-Auto-Markt ist deutlich kleiner als erwartet
Dass diese Flexibilität gebraucht wird, zeigen die Verkaufszahlen. Im zweiten Quartal 2026 wurden in den USA nach Angaben von Kelley Blue Book rund 247.000 reine Elektroautos verkauft. Gegenüber dem ersten Quartal war das zwar ein Plus von 14,7 %. Im Vergleich zum zweiten Quartal 2025 gingen die Verkäufe jedoch um 20,5 % zurück. Bereits im ersten Quartal hatte das Minus gegenüber dem Vorjahr 27,3 % betragen.
Der Marktanteil reiner Elektroautos lag im zweiten Quartal bei nur noch rund 5,8 %. Im dritten Quartal 2025 waren es zeitweise 10,6 % gewesen, allerdings auch wegen damals auslaufender Förderprogramme.
Das bedeutet nicht, dass die Elektromobilität weltweit schrumpft. In Europa und anderen Regionen entwickelt sich der Markt teilweise deutlich dynamischer. Das Problem der US-Batterieindustrie liegt vielmehr in der Differenz zwischen den früheren Wachstumsprognosen und der tatsächlichen Nachfrage. Fabriken wurden für einen E-Auto-Markt gebaut, der bislang nicht die erwartete Größe erreicht hat.
Fünf Werke produzieren inzwischen auch Speicherbatterien
Lansing ist deshalb kein Einzelfall. LG Energy Solution hat in Nordamerika ein Netz aus fünf Produktionsstandorten für stationäre Speicher aufgebaut:
- Holland, Michigan
- Lansing, Michigan
- Spring Hill, Tennessee
- Jeffersonville, Ohio
- Windsor, Ontario
Bis Ende 2026 sollen dort zusammen mehr als 50 GWh LFP-Zellen pro Jahr produziert werden können. Rund 80 % der weltweiten ESS-Produktionskapazität von LG würden dann in Nordamerika stehen.
Dabei werden keineswegs sämtliche Werke komplett von Elektroauto- auf Speicherbatterien umgestellt. Teilweise laufen beide Bereiche nebeneinander.
In Spring Hill im US-Bundesstaat Tennessee investierten GM und LG beispielsweise rund 70 Mio. $, um einen Teil der vorhandenen Produktionsanlagen auf LFP-Zellen für stationäre Speicher umzurüsten. Inzwischen ist die ESS-Produktion dort angelaufen. Auch im Gemeinschaftswerk von LG und Honda in Ohio starteten im Frühjahr 2026 entsprechende Produktionslinien.
Warum aus NCM teilweise LFP wird
Der Wechsel vom Elektroauto zum Stromspeicher verändert auch die Anforderungen an die Zelle. Bei Fahrzeugen zählt jedes Kilogramm. Eine hohe Energiedichte verlängert die Reichweite oder ermöglicht bei gleicher Reichweite kleinere Batterien. LG setzte deshalb traditionell stark auf nickelhaltige Kathodenchemien wie NCM.
Bei einem stationären Großspeicher spielt das Gewicht eine wesentlich kleinere Rolle. Hier zählen vor allem Kosten, Zyklenfestigkeit, Lebensdauer und thermische Stabilität.
Deshalb hat sich Lithium-Eisenphosphat (LFP) bei großen Batteriespeichern weitgehend durchgesetzt. LFP-Kathoden kommen ohne Nickel und Kobalt aus und gelten als thermisch stabiler als nickelreiche Zellchemien. Ihre geringere Energiedichte fällt bei einem Batteriecontainer neben einem Umspannwerk kaum ins Gewicht.
Auch bei den derzeit boomenden Batteriegroßspeichern zeigt sich der Trend deutlich: LFP verdrängt dort zunehmend NMC-Systeme.
LG gibt für seine aktuellen LFP-Speicherzellen bis zu 15.000 Lade- und Entladezyklen an. Die Zahl ist eine Herstellerangabe und hängt in der Praxis unter anderem von Temperatur, Ladefenster und Belastung der Zellen ab.
Ein E-Auto-Werk lässt sich nicht einfach auf LFP umschalten
Die vorhandenen Fabriken verschaffen LG einen Vorteil. Einfach ist der Wechsel trotzdem nicht. Andere Kathodenmaterialien verändern mehrere Schritte der Zellfertigung. Unter anderem müssen Materialaufbereitung und Elektrodenproduktion angepasst, Anlagen umgerüstet und die neuen Prozesse anschließend wieder für die Massenproduktion qualifiziert werden.
Nach Recherchen von Reuters kann der Wechsel bestehender Produktionslinien auf LFP bis zu 18 Monate dauern und mehrere Hundert Millionen Dollar pro Werk kosten.
Die Strategie funktioniert deshalb vor allem dort, wo bereits teure Gebäude, Trockenräume, Beschichtungsanlagen, Logistik und weitere Infrastruktur vorhanden sind. Trotz zusätzlicher Investitionen kann eine Umrüstung günstiger sein, als eine kaum ausgelastete Milliardenfabrik stillstehen zu lassen.
KI-Rechenzentren schaffen einen neuen Milliardenmarkt
Dass LG diese Investitionen trotzdem tätigt, hat mit der Entwicklung des amerikanischen Strommarkts zu tun.
KI-Rechenzentren werden zu großen industriellen Stromverbrauchern. Weltweit könnte der Strombedarf von Rechenzentren in den kommenden Jahren massiv steigen. Wie stark KI diesen Trend antreibt und weshalb Stromnetze zunehmend zum Standortfaktor für Rechenzentren werden, zeigt auch eine Analyse auf ingenieur.de zum steigenden Energiebedarf der KI-Infrastruktur.
In den USA ist dieser Effekt besonders stark. Der Ausbau von Rechenzentren gehört inzwischen zu den wichtigsten Treibern der zusätzlichen Stromnachfrage. Auch Unternehmen wie Siemens Energy bauen deshalb ihre amerikanischen Kapazitäten für Turbinen, Transformatoren und Netztechnik aus. Siemens Energy investiert dafür rund 1 Mrd. $ in den USA.
Batteriespeicher lösen das Energieproblem der Rechenzentren allerdings nicht. Sie erzeugen keinen Strom und ersetzen auch keinen zu kleinen Netzanschluss.
Sie können dennoch mehrere Aufgaben übernehmen. Große Batteriesysteme verschieben Energie in Zeiten mit höherem Bedarf, glätten Lastspitzen und stellen Netzdienstleistungen bereit. Direkt hinter dem Netzanschluss eines Rechenzentrums können sie dessen Lastprofil beeinflussen. Hinzu kommen unterbrechungsfreie Stromversorgungen und sogenannte Battery Backup Units.
LG unterscheidet deshalb inzwischen ausdrücklich zwischen netzseitigen Großspeichern, sogenannten Behind-the-Meter-Systemen sowie UPS- und BBU-Lösungen für Rechenzentren.
Tesla bestellt LFP-Zellen für seine Megapacks
Wie groß dieser Markt geworden ist, zeigt ausgerechnet Tesla. Der Konzern ist zwar vor allem als Elektroautohersteller bekannt, betreibt mit seinen Megapacks aber gleichzeitig ein schnell wachsendes Geschäft mit stationären Batteriespeichern.
Reuters berichtete bereits im Juli 2025 über einen Liefervertrag zwischen Tesla und LG Energy Solution im Umfang von 4,3 Mrd. $. LG bestätigte damals die Höhe des Auftrags, durfte den Kunden jedoch zunächst nicht nennen. Die Batterien sollten in den USA produziert und für stationäre Speicher eingesetzt werden.
Inzwischen ist die Zusammenarbeit offiziell. Ab 2027 soll LG in Lansing prismatische LFP-Zellen für Teslas Megapack 3 produzieren.
Damit schließt sich ein bemerkenswerter Kreis: Eine Fabrik, die für den erwarteten Boom amerikanischer Elektroautos gebaut wurde, liefert künftig Zellen an Tesla – allerdings nicht für dessen Autos, sondern für große Stromspeicher.
1,6-Mrd.-$-Auftrag für 6 GWh
Auch Energieversorger bestellen inzwischen Batterien in Größenordnungen, die früher vor allem aus der Automobilindustrie bekannt waren.
LG Energy Solution erhielt im Mai einen Auftrag des Energieunternehmens DTE Energy über 6 GWh Speicherkapazität. Der Vertrag hat einen Wert von rund 1,6 Mrd. $ und umfasst acht Projekte in Michigan. LG nennt dabei ausdrücklich den wachsenden Strombedarf von AI-Rechenzentren und des Stromnetzes als Hintergrund.
Das Geschäft schlägt sich bereits in den Zahlen nieder. Im ersten Halbjahr 2026 lag der ESS-Umsatz von LG Energy Solution beim 4,6-Fachen des Vorjahreswertes. Der Anteil stationärer Speicher am Gesamtumsatz stieg in den hohen 20-%-Bereich. Allein im ersten Halbjahr sicherte sich der Konzern neue ESS-Aufträge über mehr als 3 Billionen Won. Dazu gehörten nach Unternehmensangaben auch Projekte für Hyperscaler und KI-Rechenzentren.
Eine Schwachstelle bleibt: China dominiert LFP
Für LG geht es bei der Umstellung nicht nur darum, freie Fabriken auszulasten. LFP ist bislang eine chinesische Domäne. Chinesische Hersteller verfügen über große Produktionskapazitäten und eine weit entwickelte Lieferkette für Zellen und Vormaterialien. Zwischen 2021 und Anfang 2025 stammte laut Reuters etwa die Hälfte der US-Batterieimporte aus China.
Zölle, Förderbedingungen und politische Vorgaben erhöhen inzwischen jedoch den Druck, Batterien möglichst in Nordamerika zu produzieren. Für Kunden wie Tesla oder amerikanische Energieversorger werden lokal gefertigte LFP-Zellen damit attraktiver.
LG versucht genau diese Lücke zu besetzen. Der Konzern besitzt bereits große Batteriefabriken auf dem Kontinent und kann Teile davon auf den neuen Markt ausrichten. Trotzdem bleibt die Abhängigkeit von chinesischen Vorprodukten und Rohstoffketten eine Herausforderung.
275 GWh Überkapazität lassen sich nicht einfach wegproduzieren
Der Speicherboom ist für die Batterieindustrie lukrativ. Er löst das ursprüngliche Problem aber nicht vollständig. Benchmark Mineral Intelligence rechnet laut Reuters für 2026 in Nordamerika mit einer Nachfrage nach stationären Batterien von rund 76 GWh. Bis 2031 könnte sie auf 125 GWh steigen.
Dem stehen nach Reuters-Berechnungen in den USA rund 275 GWh überschüssige Produktionskapazität gegenüber, die ursprünglich für Elektroauto-Batterien aufgebaut wurde. Selbst ein stark wachsender Speichermarkt kann diese Differenz also nicht vollständig aufnehmen.
LG verabschiedet sich deshalb auch keineswegs vom Elektroauto. Lansing zeigt vielmehr, wie sich die Strategie verändert hat: Neben den LFP-Zellen für Stromspeicher laufen dort weiterhin NCM-Zellen für Toyota vom Band. Andere LG-Werke produzieren ebenfalls weiter Fahrzeugbatterien.
Quellen
- Reuters: LG Energy verlagert Kapazitäten von EV-Batterien zu stationären Speichern, 19.08.2026
- LG Energy Solution: Produktionsstart im Werk Lansing, 19.08.2026
- Cox Automotive/Kelley Blue Book: US-E-Auto-Verkäufe Q2 2026
- Reuters: Kosten, Nachfrage und Überkapazitäten bei der Umstellung auf Batteriespeicher, 15.04.2026
- LG Energy Solution: Geschäftszahlen Q2 2026 und Wachstum des ESS-Geschäfts
- General Motors: ursprüngliche Planung des 2,6-Mrd.-$-Werks in Lansing, 25.01.2022
- Reuters: US-Speicherindustrie und Abhängigkeit von China, 13.04.2026
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