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Münchner Forscher entwickeln bessere Perowskit-Solarzellen

28. April 2026

Perowskit-Solarzellen
Bessere Perowskit-Solarzellen ohne neues Material: Münchner Forschende steigern Effizienz und Stabilität über die Grenzfläche. Foto: Smarterpix / aa-w
Münchner Forschende verbessern Perowskit-Solarzellen über die Grenzfläche. Mehr Effizienz, weniger Streuung und bessere Stabilität.
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Perowskit-Solarzellen erreichen im Labor längst hohe Wirkungsgrade. Für den breiten Markteintritt fehlt der Technologie jedoch noch ein entscheidendes Kriterium: stabile und industriell reproduzierbare Prozesse. Ein Team der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) setzt genau hier an. Die Forschenden entwickelten einen Ansatz, der nicht die Zusammensetzung des Perowskits verändert, sondern die oft unterschätzte Schnittstelle der Solarzelle optimiert – die Grenzfläche zur Elektrode.

Inhaltsverzeichnis

Die Grenzfläche als leistungskritischer Faktor

In modernen Zellarchitekturen übernehmen ultradünne molekulare Zwischenschichten zentrale Funktionen. Diese sogenannten selbstorganisierenden Monoschichten (Self-assembled Monolayers, SAMs) besitzen oft nur eine Dicke von wenigen Nanometern. Ihre Aufgabe ist die selektive Extraktion und Weiterleitung elektrischer Ladungsträger von der aktiven Schicht zur Elektrode.

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Dabei ist die Präzision der Anordnung entscheidend: Die Schichten müssen Defektstellen minimieren und Ladungen (Elektronen oder Löcher) verlustarm transportieren. Schon geringe Unregelmäßigkeiten in der Oberflächenbedeckung stören diesen Prozess. Ist die Schicht inhomogen, sinkt der Ladungstransfer. Das mindert unmittelbar den Wirkungsgrad und beeinträchtigt die Langzeitstabilität des gesamten Bauelements.

Paradigmenwechsel in der Oberflächenchemie

Das Team um Dr. Erkan Aydin vom Department für Chemie und Pharmazie der LMU konzentrierte sich auf die Beschaffenheit der Elektrode. Als Substrat dienten Indium-Zinn-Oxid-Schichten (ITO) – ein Standardmaterial für transparente Kontakte in der Optoelektronik.

Dabei stellten die Forschenden eine gängige Annahme der Materialforschung infrage. Bisher galt die Prämisse: Eine maximale Dichte an Hydroxylgruppen auf der ITO-Oberfläche sei die Voraussetzung für eine optimale Anlagerung der Moleküle. Die Ergebnisse der Münchener Studie zeigen jedoch ein differenzierteres Bild.

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Rik Hooijer, Erstautor der Studie, erläutert die Entdeckung: „Wir zeigen, dass nicht die maximale Hydroxylierung der Oberfläche entscheidend ist, wie bisher angenommen wurde. Vielmehr führt ein ausgewogenes Verhältnis verschiedener Sauerstoffspezies zu deutlich homogeneren und elektronisch günstigeren Grenzflächen.“

Durch eine gezielte, lösungsbasierte Vorbehandlung stellten die Forschenden die chemischen Eigenschaften der ITO-Oberfläche exakt ein. In der Folge ordneten sich die SAMs gleichmäßiger an und bildeten einen energetisch günstigeren Kontakt.

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Höhere Reproduzierbarkeit und Beständigkeit

Die optimierte Grenzflächenchemie zeigt in den Testreihen deutliche Vorteile. Der Ladungstransport verläuft effizienter, was die Wirkungsgrade der Solarzellen steigert. Besonders wichtig für die industrielle Skalierung: Die Leistungswerte streuen zwischen den einzelnen Bauteilen deutlich weniger. Die Ergebnisse werden somit reproduzierbar.

Auch die Degradationsbeständigkeit profitiert von dem Verfahren. Dr. Erkan Aydin fasst zusammen: „Unsere Behandlung verbessert nicht nur die absolute Leistungsfähigkeit, sondern erhöht auch die Lebensdauer der mit molekularen Kontaktschichten beschichteten Substrate sowie die Zuverlässigkeit der Bauelemente.“

Die technischen Vorteile im Überblick:

  • Optimierter Ladungstransfer: Verringerung von Rekombinationsverlusten an der Schnittstelle.
  • Prozessstabilität: Höhere Konsistenz der Wirkungsgrade bei der Fertigung.
  • Vielseitigkeit: Kompatibilität mit Einzelzellen und Tandem-Architekturen.
  • Langzeitstabilität: Gesteigerte Widerstandsfähigkeit gegenüber Umwelteinflüssen.

Robustheit unter Extrembedingungen

Ein weiteres zentrales Ergebnis betrifft die mechanische und chemische Belastbarkeit. In Belastungstests hielten die modifizierten Zellen extremen Temperaturschwankungen zwischen −80 und +80 °C stand. Solche Zyklen provozieren normalerweise Spannungsrisse und Materialermüdung an den Schichtübergängen.

„Die erhöhte Widerstandsfähigkeit unter extremen Bedingungen macht unsere Strategie besonders für Anwendungen jenseits klassischer Einsatzfelder interessant, etwa in der Raumfahrt“, so Aydin.

Ausblick: Integration in die Serienfertigung

Die LMU-Studie verdeutlicht, dass die Grenzfläche zwischen Elektrode und Absorber kein passiver Übergang ist, sondern ein aktiver Stellhebel für die Performance. Der vorgestellte Ansatz ist deshalb vielversprechend, weil er technologisch einfach in bestehende Inline-Prozesse der Fertigung integriert werden kann.

Dennoch bleiben für den großflächigen Einsatz Fragen offen. Für die Überführung in die Massenproduktion müssen künftige Untersuchungen zeigen, wie sich die Prozessstabilität bei Quadratmeter-Modulen verhält und welche Auswirkungen die zusätzliche Oberflächenbehandlung auf die Gesamtkosten der Produktion hat.

Hier geht es zur Originalpublikation



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