Flächen anders nutzen 06.03.2025, 07:00 Uhr

Mehr Solaranlagen – weniger Golfplätze

Golfplätze sind nicht nur in Deutschland beliebt. Sie benötigen aber auch große Flächen. Forschende haben berechnet, welches Potenzial für erneuerbare Energien auf diesen Flächen schlummert. Die Ergebnisse werfen die Frage auf, ob die Landnutzung angesichts des Klimawandels neu überdacht werden sollte.

Blick von oben auf einen Golfplatz. Das satte Grün des Rasens wird durchbrochen von kleinen Sandlöchern und umrahmt von kleinen Seen.

Forschende haben das Potenzial von Golfplätzen ermittelt. Würde man Wind- oder Solaranlagen darauf bauen, brächte das die Energiewende voran.

Foto: panthermedia.net / floridastock

Konkurrenzsituationen gibt es überall. Doch, wenn es um die Nutzung von Flächen für den Ausbau erneuerbarer Energien im Rahmen der Energiewende geht, wirft das noch einmal ein neues Licht auf diese Thematik. Denn Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen vom Forschungszentrum Jülich haben in einer Studie herausgefunden, dass Golfplätze in den meisten Industrieländern, darunter auch Deutschland, deutlich mehr Raum bekommen als Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien. Ein großes Potenzial liegt also brach.

Mehr Akzeptanz und Geschwindigkeit beim Windanlagenausbau

Golfplätze sind richtig groß, werden aber in der Regel nur von einer kleinen, meist wohlhabenden Bevölkerungsgruppe genutzt. Hinzu kommt: Ihre ökologischen Auswirkungen sind nicht zu unterschätzen, da für die Rasenflächen viel Wasser benötigt wird. Außerdem setzen die Betreiber meist chemische Mittel ein, um beispielsweise Unkraut in Schach zu halten. Man kann also infrage stellen, ob es sich dabei um eine sinnvolle Flächennutzung handelt. Dennoch stehen Golfplätze seltener in der Kritik als Wind- und Solarparks, wie Jann Weinand, Hauptautor der Studie, feststellt. Er betont: „Das bedeutet nicht, dass die Golfplätze umgewandelt werden sollen. Aber es ist wichtig zu hinterfragen, wie Land verteilt wird – besonders angesichts der Diskussionen um den Flächenbedarf von Solaranlagen.“ Die Analyse der Landnutzung könnte wertvolle Impulse für eine zukunftsfähige Flächenplanung liefern.

Solaranlagen statt Golfplätze: Flächenvergleich in zehn Ländern

Für ihre Untersuchung nutzten die Jülicher Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Daten von OpenStreetMap und verglichen die Flächen von Golfplätzen mit jenen von Wind- und Solarparks in den zehn Ländern mit den meisten Golfanlagen weltweit. Klar an der Spitze liegen die USA liegen mit rund 16.000 Golfplätzen, gefolgt von Großbritannien und Japan mit jeweils etwa 3.000 Anlagen. Die Analyse ergab, dass in fast allen untersuchten Ländern die Gesamtfläche der Golfplätze deutlich größer ist als die von Anlagen für erneuerbare Energien.

Top Stellenangebote

Zur Jobbörse
Wirtschaftsbetrieb Hagen AöR-Firmenlogo
Fachbereichsleitung Grün (m/w/d) Wirtschaftsbetrieb Hagen AöR
Heilbronner Versorgungs GmbH-Firmenlogo
Planungsingenieur in den Bereichen Gas und Wasser (m/w/d) Heilbronner Versorgungs GmbH
Heilbronn Zum Job 
Flughafen München GmbH-Firmenlogo
Leiter Elektrotechnik / Stromnetzprojekte (w/m/d) Flughafen München GmbH
Oberding Zum Job 
Intego GmbH-Firmenlogo
Servicetechniker / Field Service Engineer (m/w/d) - Einsatz in Kalifornien (USA) Intego GmbH
Erlangen Zum Job 
PohlCon GmbH-Firmenlogo
Anwendungsingenieur (m/w/d) PohlCon GmbH
Sumitomo Rubber Europe GmbH-Firmenlogo
Ingenieur FEA (m/w/d) Reifensimulation in Hanau Sumitomo Rubber Europe GmbH
Bundesanstalt für Straßen- und Verkehrswesen (BASt)-Firmenlogo
Bauingenieurin / Bauingenieur (m/w/d) (Master/Uni-Diplom) Bundesanstalt für Straßen- und Verkehrswesen (BASt)
Bergisch Gladbach Zum Job 
wpd infrastruktur GmbH-Firmenlogo
Erfahrener Projektleiter Bau (m/w/d) wpd infrastruktur GmbH
Universität zu Köln-Firmenlogo
Bauingenieur*in oder Architekt*in (w/m/d) mit Vertiefung im Baubetrieb bzw. Projektmanagement Universität zu Köln
wpd infrastruktur GmbH-Firmenlogo
Erfahrener Elektroingenieur (m/w/d) für nationale Wind- und Solarenergieprojekte wpd infrastruktur GmbH
wpd construction GmbH-Firmenlogo
Erfahrener Projektleiter Elektrotechnik (m/w/d) wpd construction GmbH
Bietigheim-Bissingen Zum Job 
Universität zu Köln-Firmenlogo
Ingenieur*in (w/m/d) für Energiemanagement, Nachhaltigkeit und technische Gebäudeentwicklung Universität zu Köln
Boyd Weiler GmbH & Co. KG-Firmenlogo
CAD-Konstrukteur (m/w/d) Boyd Weiler GmbH & Co. KG
Weiler-Simmerberg Zum Job 
TransnetBW GmbH-Firmenlogo
Senior Ingenieur Systemintegration und KI-basierte Performancebewertung (w/m/d) TransnetBW GmbH
Stuttgart Zum Job 
TransnetBW GmbH-Firmenlogo
Ingenieur Systemführung Operative Betriebsplanung (w/m/d) TransnetBW GmbH
Stuttgart Zum Job 
Allbau Managementgesellschaft mbH-Firmenlogo
Bauprojektleiter (m/w/d) Allbau Managementgesellschaft mbH
DFS Deutsche Flugsicherung GmbH-Firmenlogo
Ingenieur* im Anforderungsmanagement DFS Deutsche Flugsicherung GmbH
WipflerPLAN Planungsgesellschaft-Firmenlogo
Bauingenieur / Bautechniker Kommunaler Tiefbau (m/w/d) WipflerPLAN Planungsgesellschaft
Donauwörth, Nördlingen, Pfaffenhofen an der Ilm, Lauf an der Pegnitz Zum Job 
VINCORION Advanced Systems GmbH-Firmenlogo
Information Security Manager (all genders) VINCORION Advanced Systems GmbH
Hochschule Düsseldorf University of Applied Sciences-Firmenlogo
Professur "Wirtschaftsinformatik und Datenbanken mit dem Schwerpunkt IT-Venture-Design, Digital Enterprise und innovativer Lehre in Makerspace-Settings (W2)" Hochschule Düsseldorf University of Applied Sciences
Düsseldorf Zum Job 

In Deutschland zählten die Forschenden mehr als 1.000 Golfplätze, die wiederum um ein Viertel mehr Fläche beanspruchen als Solaranlagen. In anderen Ländern ist der Unterschied noch deutlicher: In Großbritannien wird sechsmal so viel Fläche für Golfplätze genutzt, in Kanada sogar 16-mal so viel. Lediglich in China stellt sich die Lage anders dar. Hier sind Wind- und Solarparks flächenmäßig deutlich in der Überzahl. Was die Forschenden ebenfalls herausfanden: Die Zahl der Golfplätze ist in Europa in den vergangenen 40 Jahren erheblich gewachsen. Aktuell sind mehr als 500 Golfplätze in 88 Ländern geplant oder befinden sich schon im Bau.

Basierend auf diesen Erkenntnissen berechneten die Forschenden, in welcher Größe sich Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien auf diesen Flächen realisieren ließen. Ihr Fokus lag dabei auf der möglichen Leistung der Anlagen. Die Ergebnisse sind beeindruckend: Würde man lediglich 25 Prozent dieser Flächen für erneuerbare Energien nutzen, könnten Windturbinen mit einer Leistung von 174 Gigawatt oder Solaranlagen mit einer Kapazität von 281 Gigawatt installiert werden. Bei einer Nutzung von 75 Prozent der Flächen wären sogar bis zu 659 Gigawatt Windenergie oder 842 Gigawatt Solarenergie möglich. Diese Zahlen verdeutlichen das enorme Potenzial, das in einer Umwidmung von Golfplatzflächen steckt.

Golfplätze anders nutzen und so die Energiewende beschleunigen

„Das ist mehr Solarleistung als derzeit in den zehn Ländern insgesamt installiert ist, das sind aktuell nur rund 646 Gigawatt“, erklärt Jann Weinand. „In Deutschland würden rein rechnerisch Flächen in der Größe der Golfplätze ausreichen, um dort einen Großteil des derzeit produzierten Stroms durch Wind- und Solaranlagen zu erzeugen.“ Diese Erkenntnisse zeigen, dass es bislang ungenutzte Möglichkeiten gäbe, um die Energiewende zu beschleunigen. Die Studie wirft damit indirekt auch die Frage auf, ob die derzeitige Flächenverteilung angesichts der Herausforderungen des Klimawandels noch zeitgemäß ist.

Aus Sicht der Forschenden wäre es sinnvoll, über die Landnutzung neu zu diskutieren. Das könnte erheblich dazu beitragen, den Ausbau erneuerbarer Energien voranzutreiben. Dabei geht es nicht in erster Linie darum, bestehende Golfplätze umzuwandeln, sondern vielmehr darum, die Art und Weise sowie die Prioritäten bei der Flächenvergabe noch einmal zu überdenken. Die Ergebnisse der Untersuchung könnten Anstoß für kreative Lösungen sein: Denkbar wäre zum Beispiel die Integration von Solaranlagen auf den Flächen bestehender Golfplätze.

In der Landwirtschaft funktionieren solche Konzepte bereits gut: Bei der Agri-Photovoltaik werden Anbauflächen doppelt genutzt, wobei die Solarmodule zusätzliche positive Effekte mit sich bringen, weil sie etwa die Pflanzen beschatten. Solche Ansätze ließen sich auf Golfplätze übertragen – mit Vorteilen für alle Beteiligten. Für die Golfplatz-Betreiber könnte das übrigens als Nebeneffekt mit einem erheblichen Imagegewinn verbunden sein.

Ein Beitrag von:

  • Nina Draese

    Nina Draese hat unter anderem für die dpa gearbeitet, die Presseabteilung von BMW, für die Autozeitung und den MAV-Verlag. Sie ist selbstständige Journalistin und gehört zum Team von Content Qualitäten. Ihre Themen: Automobil, Energie, Klima, KI, Technik, Umwelt.

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.