EnBW-Chef rechnet mit Atomkraft ab: „Zu teuer, zu unreif“
EnBW erlöste 2025 operativ 5,1 Mrd. €. Der Karlsruher Energiekonzern setzt weiter auf die Energiewende und erteilt SMRs erst einmal eine Absage.
Investitionen bei EnBW: Blick auf das EnBW-Kraftwerk, das fit gemacht wurde für Wasserstoff, und die Müllverbrennungsanlage in Stuttgart-Münster.
Foto: picture alliance / imageBROKER/Michael Weber
Der Karlsruher Energiekonzern EnBW – mit Eon und RWE einer der drei Großen in Deutschland – erlöste 2025 operativ 5,1 Mrd. € (Ebitda, +3,4 % gegenüber 2024). Gleichzeitig investierte er brutto 7,6 Mrd. €, vor allem in die Energiewende und den Umbau der Energieinfrastruktur – davon zu rund 60 % in neue Netze und rund 30 % in neue Erzeugungsinfrastruktur. Das Unternehmen spricht von einem „Rekordzubau an erneuerbaren Energien auf insgesamt 66 % der eigenen Erzeugungsleistung“.
Von diesem Gesamtkonzept will EnBW auch bis 2030 nicht abrücken. Vielmehr sollen insgesamt 50 Mrd. € bis dahin in zukunftsfähige Energieinfrastruktur fließen. Nach aktueller Planung 25 % bis 30 % in das Segment nachhaltige Erzeugungsinfrastruktur, 60 % bis 70 % ins Segment systemkritische Infrastruktur (vor allem Netze). Der Rest fließe laut EnBW unter anderem in den Ausbau der E-Mobilität.
Nur eine Renaissance der Kernkraftwerke, vor allem in Form der neuen kleineren SMRs (Small Modular Reactors), sieht CEO Georg Stamatelopoulos, selbst ausgewiesener Kraftwerksingenieur, nicht: „zu unreif“, so sein Kommentar auf Nachfrage. Und „klassische“ AKW im Gigawattmaßstab, macht er deutlich, seien schlicht zu teuer.
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Warum der EnBW-Chef für die Energiewende nicht auf SMRs setzen will
Wer einen Ingenieur fragt, bekommt Antworten. EnBW-Chef Georg Stamatelopoulos macht das ausführlich. Vor seiner Position als CEO war er bei EnBW für Kraftwerke verantwortlich, auch für den Restbetrieb und dann den Rückbau der Kernkraftwerke. Diese Form von Kraftwerken hält er für „heute eindeutig nicht wirtschaftlich“. Das würden Projekte wie Hinkley Point in Großbritannien zeigen: „Die letzten veröffentlichten Daten zeigen Kosten von 53 Mrd. € für 3,2 GW. Ich erinnere mich an diese Zahlen sehr gut, weil die 53 Mrd. € sehr nahe an den 50 Mrd. € sind, die wir als EnBW bis 2030 investieren wollen. Und die beinhalten bei uns Übertragungsnetze, Verteilnetze, Elektromobilität, Gaskraftwerke, Erneuerbare. Und das wäre nicht nur für uns, sondern auch für kein anderes großes Unternehmen eine mögliche Investition.“
Blieben die neuen Kernkraftwerkstechnologien, vor allem die Small Modular Reactors, kurz SMR. Auch deren Optionen dekliniert er systematisch durch: „Im Prinzip nutzen die auch die konventionelle Technologie. Das Schlüsselwort für mich ist das Wort modular. Wenn Sie die Aussicht haben, 1000-mal oder 2000-mal dieselbe Komponente weltweit zu installieren“ – das sei „der Charme dieser Technologie“. Was wäre nicht alles viel einfacher:
- die Genehmigungsprozesse,
- die Kosten, weil man immer dasselbe baut,
- man hat nicht jedes Mal ein anderes, ein einmaliges Projekt, mit neuen Genehmigungen und Prüfungen
Allerdings, so Stamatelopoulos: „Die heutigen Aussichten zeigen kein Potenzial, dass wir tatsächlich 1000, 2000 solche Anlagen haben werden in naher Zukunft“, sagte er mit Verweis auf das tschechische Energieunternehmen Cez, das ein Memorandum of Understanding mit Rolls-Royce für den Bau von SMRs unterschrieben habe. „Wir beobachten diese Technologie aus reinem technischen Interesse, wie die Entwicklung in der Zukunft sein wird. Aber wir haben ausdrücklich keine Pläne, so etwas bei uns zu installieren. Das ist noch zu unreif.“
Die Kernfusion ist laut EnBW „sicherlich eine spannende Technologie, die wir beobachten, an der allerdings schon sehr lange geforscht wird, und es ist völlig unklar, wann diese Technologie das Forschungsstadium verlässt und industriell nutzbar wäre“. Man fokussiere auf die konkrete Aufgabe, „die Menschen sicher und zuverlässig mit Energie zu versorgen; deshalb müssen wir Technologien zur Anwendung bringen, die heute tatsächlich verfügbar sind“.
Was das Problem für die Wasserstoffwirtschaft in Deutschland ist
Stamatelopoulos setzt auf Wasserstoff und auf wasserstofffähige Kraftwerke. Erst im letzten Jahr ging in Stuttgart-Münster eines der ersten wasserstofffähigen Gasturbinen-Kraftwerke Deutschlands in Betrieb (s. Aufmacherbild). Die „H2-ready“-Anlage soll künftig auch mit bis zu 100 % Wasserstoff gefahren werden können. Das ist eines der Beispiele, bei dem EnBW heftig in die zukunftsfähige Energieinfrastruktur investiert hat. „Es sollen wasserstofffähige Gaskraftwerke installiert werden, und das finden wir richtig“, sagte der CEO. Ansonsten drohe eine „Sackgassentechnologie“. Mit Bezug auf die geplante Kraftwerksstrategie der Bundesregierung begrüßte er auch, „dass eine separate Auktion für die Umstellung auf Wasserstoff vorgestellt wurde“, denn dies sei ein marktliches Instrument.
Ohne Risiko ist die gesamte Strategie seiner Meinung nach aber nicht: „Ich glaube, die größte Herausforderung für den Wasserstoffaufbau in Deutschland ist downstream: Das bedeutet, Kunden zu finden, die den Wasserstoff abnehmen. Da sehen wir aktuell die größte Schwierigkeit.“ Lediglich die Gaskraftwerke auf Wasserstoff umzustellen, „reicht nicht, um eine Wasserstoffwirtschaft aufzubauen, die erforderlich ist und auch dann günstig und wirtschaftlich für die Energieproduktion sein wird“.
Was an der deutschen Kraftwerksstrategie noch fehlt
Generell hofft der EnBW-CEO, dass die deutsche Bundespolitik endlich mit den anstehenden Reformen Ernst macht in diesem Jahr. „Deshalb hoffen wir auf ein Jahr der Reformumsetzungen, damit der weitere Umbau des Energiesystems erfolgreich gelingt.“ Ein Aspekt davon: die Kraftwerksstrategie in Form des Kraftwerkssicherheitsgesetzes (KWSG). Das sollte „eine regionale Steuerung ermöglichen, um die Systemkosten so gering wie möglich zu halten“, betonte er. Denn Deutschland brauche zwar insgesamt disponible Leistung, „aber der Süden Deutschlands in einem höheren Maße als der Norden; wir haben den höchsten Redispatch, wir müssen auch entsprechend die Netze massiver ausbauen als im Norden“.
Die Eckpunkte, die bereits veröffentlicht wurden, gingen „in die richtige Richtung“. Sinnvollerweise habe man die Auktionen für das Kraftwerkssicherheitsgesetz mit dem avisierten Kapazitätsmarkt verbunden. Denn nur so wüssten die Betreiber der Kraftwerke die Konditionen, unter denen sie ihre Kraftwerke betreiben könnten; nur so könnten sie „entsprechende Gebote für die Auktionen“ machen. Leider stehe keine Detaillierung fest: „Das ist aber entscheidend, um entsprechend unsere Gebote darzustellen.“
Was noch für eine erfolgreiche Energiewende fehlt
Die Energiewende befinde sich „in einer anderen Phase als noch vor 20 Jahren“, so der EnBW-Chef. Es gelte eine ganze Reihe konkreter Maßnahmen zu treffen, verdeutlicht er: „Dazu ist es wichtig, dass der Prozess zur Reformierung der Netzentgelte mit dem Ausbau der Erneuerbaren und den Ausschreibungen für das Kraftwerkssicherheitsgesetz synchronisiert wird, denn anderenfalls besteht für die Bieter bei der Gebotsabgabe keine Möglichkeit, robuste Gebotskalkulationen für ihre KWSG-Anlagen vorzunehmen.“
Stamatelopoulos wird da sehr konkret. Netzausbau ist zwar kritische Infrastruktur, aber eben auch eine Geldanlage. „Wichtig ist vor allem eine im internationalen, vor allem im europäischen Vergleich angemessene Rendite, um am Kapitalmarkt wettbewerbsfähig zu sein“, forderte er. Ebenso erwartet er von der EEG-Novelle, dass sie Verlässlichkeit herstellt. Bis Ende 2026. Das gelte vor allem für die Rahmenbedingungen für den Bau von Offshore-Windparks. „Die erfolglose Ausschreibung im Offshore-Bereich im vergangenen Jahr in Deutschland zeigt, dass Reformbedarf besteht. Unter den derzeitigen gesetzlich-regulatorischen Rahmenbedingungen ist es nicht möglich, wirtschaftlich tragfähige Projekte zu realisieren. Die großen und zuverlässigen Strommengen, die Offshore-Windparks liefern können, sind aber essenziell für den erfolgreichen Umbau der deutschen Energieversorgung.“
EnBW sieht erfolgreiches Geschäftsjahr 2025
Georg Stamatelopoulos nennt 2025 für sein Unternehmen „ein erfolgreiches Geschäftsjahr, in dem wir wichtige strategische und operative Meilensteine erreicht haben“. Man habe „so viel wie noch nie in die Transformation des Energiesystems und damit in die Versorgungssicherheit investiert, mit klarem Fokus auf Wertorientierung und unternehmerischen Erfolg“:
- Außenumsatz: 34.390 Mrd. € (-0,4 % gegenüber 2024)
- Adjusted Ebitda: 5072,3 Mrd. € (+3,4 % gegenüber 2024)
- Adjusted Ebit: 3301,2 Mrd. € (+3,9 % gegenüber 2024)
- Adjusted Konzernüberschuss: 1422,7 Mrd. € (-5,4 % gegenüber 2024)
Für das laufende Geschäftsjahr rechnet die EnBW auf Konzernebene mit einem operativen Ergebnis in einer Bandbreite von 4,6 Mrd. € bis 5,1 Mrd. €.
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