Neue Methode macht es möglich 04.08.2025, 17:30 Uhr

Ultraschnelle Leitfähigkeit in Metallen erstmals präzise steuerbar

Dank einer neuartigen Technik ist es Forschenden gelungen, Elektrizität allein mithilfe von Licht in ultradünnen Metallen zu steuern. Diese Entdeckung könnte die Entwicklung neuer, hocheffizienter und leistungsstarker Bauelemente in der Optoelektronik oder Quantentechnologie vorantreiben.

Chip zwischen Daumen und Zeigefinger festgehalten

Bislang konnte nur auf Halbleitern die ultraschnelle Leitfähigkeit gezielt bestimmt werden.

Foto: smarterpix / progress

Ein Forscherteam der University of Minnesota Twin Cities hat einen bedeutenden Durchbruch erzielt: Es entwickelte ein Verfahren, mit dem sich der Fluss von Elektrizität in extrem dünnen Metallschichten bei Raumtemperatur beeinflussen lässt. Und das mithilfe von Licht. Dieser neue Ansatz könnten dabei helfen, zukünftig optische Sensoren und Quanteninformationsgeräte bedeutend effizienter zu gestalten. Die Zwischenergebnisse der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wurden aktuell in einer renommierten Fachzeitschrift „Science Advances“ veröffentlicht, die in der Wissenschaft als einflussreich gilt. Entscheidend ist, dass diese Methode das gezielte Steuern der Elektrizität erstmals in solchen Materialien bei Zimmertemperatur ermöglicht.

Die Basis der Studie beruht auf ultradünnen Schichten aus Rutheniumdioxid (RuO2), welche auf Titandioxid (TiO2) aufgebracht wurden. Das Faszinierende: Je nach Richtung reagieren diese Schichten nicht nur verschieden auf Licht, sondern auch auf den Fluss von Elektrizität. Die Struktur dieser Schichten ermöglicht es, die Dynamik der Elektronen gezielt zu steuern und damit Energieflüsse zu regulieren. „Wir haben dieses Problem gelöst, indem wir ultradünne Metallschichten sorgfältig so gestaltet haben, dass sie auf neue Weise mit Licht interagieren – etwas, das man bei der dickeren Version dieses Materials nicht sieht“, erklärt Bharat Jalan, leitender Autor der Studie und Professor für Materialwissenschaften an der Fakultät für Chemieingenieurwesen und Materialwissenschaften der University of Minnesota. Gemeinsam mit seinem Team konnte er die ultraschnelle Leitfähigkeit erstmals auf die gleiche Weise gezielt bestimmen, wie es bislang nur bei Halbleitern möglich war.

Elektrizität steuern: Neue Wege durch gezielte Lichtnutzung

Ein zentrales Ergebnis der Forschenden ist, dass sich durch gezielte Veränderungen in der atomaren Struktur die Reaktionen des Materials auf Licht exakt beeinflussen lassen. Dieser gesteuerte Effekt tritt bei gewöhnlichen Temperaturen auf und eröffnet spannende Perspektiven für zukünftige Anwendungen. „Dies ist das erste Mal, dass jemand eine abstimmbare, gerichtete ultraschnelle Ladungsträgerrelaxation in einem Metall bei Raumtemperatur nachgewiesen hat“, bestätigt Seunggyo Jeong, Postdoktorand an der Fakultät für Chemieingeineurwesen und Materialwissenschaften der University of Minnesota und Teil des Forschungsteams von Bharat Jalan. Solche Erkenntnisse stellen zahlreiche Vorstellungen über das Verhalten von Metallen der letzten Jahre infrage und belegen, dass die gezielte Steuerung von Elektrizität durch kontrollierte Lichtimpulse möglich ist. Das eröffnet ganz neue Ansätze im Umgang mit Energie und Informationsverarbeitung auf kleinstem Raum.

Insbesondere für optoelektronische Anwendungen, Speichertechnologien und Quantenmechanik ergeben sich damit bisher ungeahnte Potenziale. Diese aktuelle Forschungsarbeit zeigt, wie die gezielte Veränderung des Materialaufbaus die Interaktion von Licht und Elektrizität steuern kann. Insbesondere für die ultraschnelle Weiterleitung und Verarbeitung von Energie, etwa in Detektoren oder modernen Speichern, könnte diese Methode den entscheidenden technologischen Vorsprung bedeuten. Tony Low, Mitautor und Professor für Elektro- und Computertechnik an der University of Minnesota, betont: „Die Ergebnisse liefern tiefe Einblicke in die Art und Weise, wie subtile strukturelle Verzerrungen – beispielsweise Spannungsrelaxation – die elektronische Struktur von Metallen verändern können. Dies könnte für zukünftige ultraschnelle und polarisationsempfindliche optoelektronische Technologien von entscheidender Bedeutung sein.“

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Fortschritt durch Bandstruktur: Elektrizität im Detail steuern

Der bisherige Konsens in der Physik sah Metalle als ungeeignet für solch präzise Steuerungsmechanismen, weil sie zu komplexe elektronische Eigenschaften besitzen. Das aktuelle Forschungsteam jedoch fand heraus, dass genau diese Komplexität – die sogenannte Bandverschachtelung – aktiv genutzt werden kann, um die ultraschnelle Antwort der Metalle gezielt in verschiedene Richtungen zu lenken. Dies führt dazu, dass die Eigenschaft des Materials, Elektrizität zu steuern, situationsabhängig angepasst werden kann. Neue Anwendungen in der Computertechnik, Datenspeicherung, Sensorik und Kommunikation könnten davon massiv profitieren. Besonders die Effizienz und Geschwindigkeit von Bauelementen ließe sich durch die gezielte Steuerung von Elektrizität deutlich verbessern.

Die Forschenden planen, ihre neuen Erkenntnisse nun praktisch umzusetzen, indem sie die künstlich erzeugten Rutheniumdioxid-Filme direkt in Gerätetechnologien einbinden. Außerdem möchten sie die Wirkung in vergleichbaren Oxidsystemen näher untersuchen, um das grundlegende Wirkprinzip weiter zu erforschen. Dies zeigt, wie fundamental diese Erkenntnisse für die Weiterentwicklung modernster Technologien sind.

Ein Beitrag von:

  • Nina Draese

    Nina Draese hat unter anderem für die dpa gearbeitet, die Presseabteilung von BMW, für die Autozeitung und den MAV-Verlag. Sie ist selbstständige Journalistin und gehört zum Team von Content Qualitäten. Ihre Themen: Automobil, Energie, Klima, KI, Technik, Umwelt.

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