Neuartiges magnetisches Material 13.11.2025, 14:00 Uhr

Spiral-Magnet verblüfft Physik und könnte Chips verändern

Ein neues Magnetmaterial überrascht mit Spiralspins und schaltbarem Hall-Effekt – spannend für künftige Elektronik und Chipdesign.

Künstlerische Darstellung des p-Wellen-Splittings

Künstlerische Darstellung des p-Wellen-Splittings: Laufrichtungsabhängiger Spin von Elektronen (grüne/lila Pfeile) über einer magnetischen Gitterstruktur.

Foto: Dr. Jan Masell, KIT

Manchmal wirkt Physik wie ein vertrautes Gelände, das niemand mehr richtig überraschen kann. Eisen zieht an, Antiferromagneten tun nichts nach außen, Elektronen folgen bekannten Regeln. Doch genau an dieser Stelle bricht ein neuartiges Material aus der Routine aus. Forschende aus Japan und Deutschland haben einen sogenannten p-Wellen-Magneten entwickelt, dessen Elektronen eine Spiralordnung einnehmen – und damit elektrischen Strom auf ungewohnte Weise ablenken. Die Ergebnisse erschienen in Nature.

Technisch versierte Leserinnen und Leser kennen das Grundprinzip: In ferromagnetischen Materialien zeigen Spins in eine gemeinsame Richtung. In Antiferromagneten heben sich die Spins hingegen gegenseitig auf. Der neue p-Wellen-Magnet spielt nicht nach diesem Schema. Hier rotiert die Magnetisierung im Abstand weniger Atome – und zwar komplett einmal im Kreis.

Eine Spirale aus Spins

Dr. Jan Masell vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) fasst diese ungewöhnliche Struktur folgendermaßen zusammen: „Die Magnetisierung rotiert auf einer Länge von nur sechs atomaren Gitterplätzen einmal um 360 Grad, wobei Nachbarn fast genau 60 Grad Differenz haben.“ Das bedeutet: Die Spins bilden keine lineare Ordnung, sondern eine sich drehende Struktur, ähnlich einer Schraube im Material. Dieser Aufbau entsteht in einer Verbindung aus mehreren Metallen.

Warum ist das spannend? Masell erklärt weiter: „Zusätzlich weist unser Material eine ganz kleine messbare Magnetisierung auf, also ein kleines bisschen Ferromagnetismus – die Spirale ist also nicht perfekt.“ Gerade diese winzige Unordnung sorgt für ein Verhalten, das Fachleute sonst nur unter starken Magnetfeldern kennen.

Top Stellenangebote

Zur Jobbörse
Dürkopp Fördertechnik GmbH-Firmenlogo
Entwicklungsingenieur / Konstrukteur (m/w/d) - Zielstellen und Sortiertechnik Dürkopp Fördertechnik GmbH
Bielefeld Zum Job 
PTV Transport Consult GmbH-Firmenlogo
Projektleiter*in Verkehrsplanung & Verkehrstechnik (m/w/d) PTV Transport Consult GmbH
Düsseldorf Zum Job 
VINCORION Advanced Systems GmbH-Firmenlogo
Senior Manager System Engineering Power Systems (all genders) VINCORION Advanced Systems GmbH
Altenstadt Zum Job 
Landesamt für Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein-Firmenlogo
Bauingenieurin / Bauingenieur (w/m/d) für den Bereich Straßenbau im Geschäftsbereich 3 "Erhaltung, Kompetenzzentrum Brücken" Landesamt für Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein
Kiel, Flensburg, Rendsburg, Itzehoe, Lübeck Zum Job 
RSE+ Architekten Ingenieure GmbH-Firmenlogo
Bauleiter Hochbau, Baumanagement - LPH 6-9, Industrie & Gewerbe (m/w/d) RSE+ Architekten Ingenieure GmbH
Stuttgart, Kassel, Göttingen Zum Job 
Wirtschaftsbetrieb Hagen AöR-Firmenlogo
Fachbereichsleitung Grün (m/w/d) Wirtschaftsbetrieb Hagen AöR
Heilbronner Versorgungs GmbH-Firmenlogo
Planungsingenieur in den Bereichen Gas und Wasser (m/w/d) Heilbronner Versorgungs GmbH
Heilbronn Zum Job 
Flughafen München GmbH-Firmenlogo
Leiter Elektrotechnik / Stromnetzprojekte (w/m/d) Flughafen München GmbH
Oberding Zum Job 
Intego GmbH-Firmenlogo
Servicetechniker / Field Service Engineer (m/w/d) - Einsatz in Kalifornien (USA) Intego GmbH
Erlangen Zum Job 
PohlCon GmbH-Firmenlogo
Anwendungsingenieur (m/w/d) PohlCon GmbH
Sumitomo Rubber Europe GmbH-Firmenlogo
Ingenieur FEA (m/w/d) Reifensimulation in Hanau Sumitomo Rubber Europe GmbH
wpd infrastruktur GmbH-Firmenlogo
Erfahrener Projektleiter Bau (m/w/d) wpd infrastruktur GmbH
Universität zu Köln-Firmenlogo
Bauingenieur*in oder Architekt*in (w/m/d) mit Vertiefung im Baubetrieb bzw. Projektmanagement Universität zu Köln
wpd infrastruktur GmbH-Firmenlogo
Erfahrener Elektroingenieur (m/w/d) für nationale Wind- und Solarenergieprojekte wpd infrastruktur GmbH
wpd construction GmbH-Firmenlogo
Erfahrener Projektleiter Elektrotechnik (m/w/d) wpd construction GmbH
Bietigheim-Bissingen Zum Job 
Universität zu Köln-Firmenlogo
Ingenieur*in (w/m/d) für Energiemanagement, Nachhaltigkeit und technische Gebäudeentwicklung Universität zu Köln
BS+P INGENIEURE-Firmenlogo
Bauingenieur (m/w/d) für Statik und Tragwerksplanung BS+P INGENIEURE
Stuttgart Zum Job 
GVE Grundstücksverwaltung Stadt Essen GmbH-Firmenlogo
Projektleiter (m/w/d) Städtische Hochbauprojekte GVE Grundstücksverwaltung Stadt Essen GmbH
Gebäudemanagement Schleswig-Holstein AöR (GMSH)-Firmenlogo
Ingenieur oder Techniker (m/w/d) HKLS im Bundesbau Gebäudemanagement Schleswig-Holstein AöR (GMSH)
Boyd Weiler GmbH & Co. KG-Firmenlogo
CAD-Konstrukteur (m/w/d) Boyd Weiler GmbH & Co. KG
Weiler-Simmerberg Zum Job 

Ein Hall-Effekt ohne äußeres Feld

Normalerweise benötigen Sie für den anomalen Hall-Effekt ein ausgeprägtes Magnetfeld, damit Elektronen seitlich abknicken. Hier geschieht das allein durch die innere Spiralstruktur. Die Elektronen laufen nicht mehr geradlinig durch das Material, sondern werden seitlich abgelenkt – als hätte jemand im Material winzige Leitplanken versteckt.

Masell beschreibt zudem, dass sich die Spiralstruktur manipulieren lässt: „Wir konnten außerdem zeigen, dass sich die Spiralanordnung in der Magnetisierung drehen lässt – der Effekt des p-Wellen-Magneten ist also schaltbar.“

Das ist technologisch relevant, weil sich der elektrische Widerstand dabei messbar verändert. Ein Material, dessen Stromfluss sich allein über innere Magnetstruktur beeinflussen lässt, öffnet neue Wege für Schaltelemente.

Was das für die Technik bedeutet

Der p-Wellen-Magnet ist kein fertiges Produkt für die Chipindustrie. Aber er deutet an, dass komplexe Spinstrukturen mehr leisten können als bisher angenommen. Sie bieten Ansätze für kleine, energiearme Schalter. Sie könnten gleiche Funktionen übernehmen wie klassische magnetische Bauteile – nur kompakter, schneller und ohne starke externe Magnetfelder.

Gleichzeitig dient das Material als Laborwerkzeug: Forschende können damit untersuchen, wie Elektronen reagieren, wenn Magnetismus und elektrischer Transport eng miteinander verwoben sind. Besonders spannend wird das, wenn Sie an Supraleiter oder Spintronik denken, die schon heute als Alternativen zu klassischen Siliziumtechnologien diskutiert werden.

Hier geht es zur Originalpublikation

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

Themen im Artikel

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.