Wirkstoff der Naturmedizin 26.09.2013, 07:12 Uhr

Synthetisches Schmerzmittel von Grünenthal in afrikanischer Heilpflanze gefunden

Seit mehr als 30 Jahren wird Tramadol zur Behandlung von Schmerzen eingesetzt – jetzt fanden Chemiker den rein synthetisch hergestellten Wirkstoff völlig identisch in einer afrikanischen Medizinpflanze. Es ist erst die dritte Entdeckung dieser Art überhaupt.

In den 1970-er Jahren entwickelte das Aachener Pharma-Unternehmen Grünenthal im Labor das synthetische Schmerzmittel Tramadol, das jetzt Wissenschaftler überraschend in identischer Form in einer afrikanischen Pflanze wiedergefunden haben.

In den 1970-er Jahren entwickelte das Aachener Pharma-Unternehmen Grünenthal im Labor das synthetische Schmerzmittel Tramadol, das jetzt Wissenschaftler überraschend in identischer Form in einer afrikanischen Pflanze wiedergefunden haben.

Foto: Grünenthal

Es ist ein gängiges Mittel in Deutschland und vielen anderen Ländern: Tramadol. Den Wirkstoff haben Forscher des Aachener Pharmaunternehmens Grünenthal in den 70er Jahren rein synthetisch entwickelt. Seither wird er vielfach eingesetzt, um mäßige bis starke Schmerzen zu behandeln. Das Mittel ist unter Markennamen wie Tramal und Travex  bekannt. In Kombination mit Paracetamol ist es auch als „Dolevar“ in Deutschland auf dem Markt. Verblüffend ist, dass der im Labor entstandene Wirkstoff identisch auch in der Natur vorkommt.

In Afrika wird Tramadol gegen Schmerzen und Malaria-Symptome eingesetzt

Gefunden wurde Tramadol in Afrika: Auf der Suche nach natürlichen Schmerzmitteln analysierten Chemiker in den vergangenen Jahren afrikanische Heilpflanzen. Sie stießen dabei auf „Nauclea latifolia“, die unter anderem in Burkina Faso beheimatet ist. Die Pflanze wird von den Einheimischen traditionell zur Schmerzlinderung und gegen die Symptome von Malaria genutzt.

Nauclea latifolia: Die Heilpflanze ist unter anderem in Burkina Faso beheimatet und enthält genau den gleichen Wirkstoff, den Grünenthal in den 1970-er Jahren synthetisch entwickelt hat. Die Pflanze wird von den Einheimischen traditionell zur Schmerzlinderung und gegen die Symptome von Malaria genutzt.

Nauclea latifolia: Die Heilpflanze ist unter anderem in Burkina Faso beheimatet und enthält genau den gleichen Wirkstoff, den Grünenthal in den 1970-er Jahren synthetisch entwickelt hat. Die Pflanze wird von den Einheimischen traditionell zur Schmerzlinderung und gegen die Symptome von Malaria genutzt.

Quelle: Stefan Dressler/Senckenberg Gesellschaft

Im Fachmagazin „Angewandte Chemie“berichten die Forscher von einer Entdeckung, wie sie erst zwei Mal zuvor in der Pharmazie gemacht wurde: In der Wurzelrinde von Nauclea latifolia ist exakt der Wirkstoff enthalten, den Grünenthal synthetisch erzeugt hatte.

Drei Labore bestätigen die Übereinstimmung beider Substanzen

Die Wissenschaftler selbst hatten starke Zweifel daran, dass beide Substanzen tatsächlich vollkommen identisch sein könnten. Deshalb beauftragten sie drei unabhängige Labore mit Analysen, die allesamt den Befund bestätigten.

Der Fund ist nicht nur ein äußerst seltener Zufall, sondern auch der Beleg für die Wirksamkeit der Pflanze als Schmerzmittel. Denn die Substanz wurde in einer medizinisch relevanten Konzentration in der Wurzelrinde entdeckt. Versuche mit Mäusen bewiesen die Wirksamkeit als Schmerzmittel. Außerdem sehen die Forscher ihre Entdeckung als Beweis dafür, wie wichtig die Erhaltung der Artenvielfalt ist. Viele noch unbekannte Inhaltsstoffe könnten in der Zukunft wertvolle Medikamente liefern – dass sie in sehr seltenen Fällen auch synthetisch entwickelt werden, spreche nicht dagegen.

Die Vielfalt der Tier- und Pflanzenarten ist indes weltweit bedroht. Nach Schätzungen sterben an jedem Tag mehr als 100 Arten aus – der größte Teil davon ist noch unerforscht.

Von Werner Grosch

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