Wenn Chemie den Schalter umlegt 06.02.2026, 06:51 Uhr

Quantenmaterial auf Knopfdruck: So werden Supraleiter programmierbar

Forschende machen Supraleiter programmierbar. Eine chemische Feinjustierung steuert Quantenphasen und erleichtert den Bau stabiler Quantenchips.

Haoran Lin

Haoran Lin, Doktorand bei Assistenzprofessor Shuolong Yang, ist Erstautor einer neuen Veröffentlichung, die einen Weg aufzeigt, wie Materialien mit exotischen Eigenschaften topologischer Supraleiter durch einfache Anpassung der chemischen Zusammensetzung hergestellt werden können.

Foto: John Zich

Quantencomputer gelten als Hoffnungsträger für Rechenprobleme, an denen selbst heutige Supercomputer scheitern. Dazu zählen etwa die Simulation komplexer Moleküle oder bestimmte Optimierungsaufgaben. Der Haken liegt nicht in der Theorie, sondern im Material.

Für robuste Quantenrechner braucht es Supraleiter mit speziellen, sogenannten topologischen Eigenschaften. Genau diese Materialien sind bislang schwer kontrollierbar. Ein Forschungsteam aus den USA zeigt nun einen Weg, wie sich solche Quantenphasen gezielt einstellen lassen – fast wie mit einem Drehregler.

Chemie statt Zufall

Im Zentrum der Arbeit steht ein Material mit dem sperrigen Namen Eisen-Tellurid-Selenid. Es gehört zu einer Klasse von Quantenmaterialien, in denen mehrere Effekte gleichzeitig auftreten: Supraleitung, starke Spin-Bahn-Kopplung und ausgeprägte Wechselwirkungen zwischen Elektronen. Diese Mischung gilt als vielversprechend für topologische Supraleiter.

Top Stellenangebote

Zur Jobbörse
BG ETEM-Firmenlogo
Dozent/in (m/w/d) in der Bildungsstätte Dresden BG ETEM
Dresden Zum Job 
TenneT-Firmenlogo
Network Engineer Kommunikationsnetze (m/w/d) TenneT
Allbau Managementgesellschaft mbH-Firmenlogo
Projektleiter Wohnungsbau (m/w/d) für Neubau und Modernisierung auf Bauherrenseite Allbau Managementgesellschaft mbH
Orano GmbH-Firmenlogo
Strahlenschutzingenieur / Strahlenschutztechniker (m/w/d) Orano GmbH
Nürnberg Zum Job 
UPM - The Biofore Company-Firmenlogo
Production Engineer (m/f/d) UPM - The Biofore Company
KLEBL GmbH-Firmenlogo
Arbeitsvorbereiter / Stationärer Projektleiter (m/w/d) für Auftragsabwicklung und Produktionssteuerung im Bereich Fertigteilbau KLEBL GmbH
Gönnern Zum Job 
Stadtwerke Essen AG-Firmenlogo
Betriebsingenieur/in (gn) für Technisches Sicherheitsmanagement und Sonderprojekte Stadtwerke Essen AG
OCS Optical Control Systems GmbH-Firmenlogo
Entwicklungsingenieure (m/w/d) für die Bildverarbeitung & Softwareentwicklung OCS Optical Control Systems GmbH
OCS Optical Control Systems GmbH-Firmenlogo
Applikationsingenieur (m/w/d) für Automatisierungssysteme OCS Optical Control Systems GmbH
Spritz-Plast GmbH-Firmenlogo
Bauingenieur (m/w/d) Spritz-Plast GmbH
Laufenburg (Baden) Zum Job 
Schmoll Maschinen GmbH-Firmenlogo
Support-Techniker/-Ingenieur (m/w/d) LED-Lithographieanlagen Schmoll Maschinen GmbH
Rödermark Zum Job 
Fraunhofer-Institut für Angewandte Festkörperphysik IAF-Firmenlogo
Ingenieur Mikroelektronik - Hochfrequenztechnik / Messtechnik (all genders) Fraunhofer-Institut für Angewandte Festkörperphysik IAF
Freiburg im Breisgau Zum Job 
Hirschvogel Holding GmbH-Firmenlogo
Ingenieur / Techniker als Planer Qualitätsmanagement für Kundenprojekte (m/w/d) Hirschvogel Holding GmbH
Denklingen Zum Job 
JOST-Werke Deutschland GmbH-Firmenlogo
Manager Testing & Prototyping Global | Mechanical Systems (m/w/d) JOST-Werke Deutschland GmbH
Neu-Isenburg (bei Frankfurt a. M.) Zum Job 
kbo-Donau-Altmühl-Kliniken gGmbH-Firmenlogo
Bautechniker (m/w/d) kbo-Donau-Altmühl-Kliniken gGmbH
Ingolstadt, Taufkirchen, Freising, Eichstätt Zum Job 
Landesanstalt für Altlastenfreistellung des Landes Sachsen-Anhalt-Firmenlogo
Projektmanager Altlastensanierung (m/w/d) Landesanstalt für Altlastenfreistellung des Landes Sachsen-Anhalt
Magdeburg Zum Job 
STEULER-KCH GmbH-Firmenlogo
Technischer Vertriebsmitarbeiter Export - Surface Protection (m/w/d) STEULER-KCH GmbH
Siershahn Zum Job 
Erwin Junker Maschinenfabrik GmbH-Firmenlogo
Bereichsleiter Qualitätsmanagement (m/w/d) Erwin Junker Maschinenfabrik GmbH
Nordrach Zum Job 
Henkel AG & Co. KGaA-Firmenlogo
Business Development Manager - Western Europe (d/f/m) Henkel AG & Co. KGaA
Düsseldorf Zum Job 
Henkel AG & Co. KGaA-Firmenlogo
Projektingenieur Kraftwerk (d/m/w) Henkel AG & Co. KGaA
Düsseldorf Zum Job 

Forschende der University of Chicago und der West Virginia University haben nun gezeigt, dass sich die Eigenschaften dieses Materials gezielt steuern lassen. Der Schlüssel liegt in der chemischen Zusammensetzung. Genauer gesagt im Verhältnis von Tellur zu Selen in ultradünnen Schichten des Materials.

Durch kleine Änderungen dieser Mischung konnten die Forschenden das Material zwischen verschiedenen Quantenphasen umschalten. Darunter auch ein Zustand, der als topologischer Supraleiter gilt – also genau das, was für stabile Quantenbauelemente benötigt wird.

Elektronen unter Kontrolle

Warum funktioniert das? Entscheidend sind die sogenannten elektronischen Korrelationen. Gemeint ist, wie stark sich Elektronen gegenseitig beeinflussen. Sind diese Wechselwirkungen zu stark, blockieren sich die Elektronen gegenseitig. Sind sie zu schwach, gehen die besonderen topologischen Eigenschaften verloren.

Haoran Lin, Doktorand an der Pritzker School of Molecular Engineering und Erstautor der Studie, beschreibt das so: „Wir können diesen Korrelationseffekt wie einen Drehknopf einstellen.“
Er ergänzt: „Wenn die Korrelationen zu stark sind, werden die Elektronen an Ort und Stelle eingefroren. Wenn sie zu schwach sind, verliert das Material seine besonderen topologischen Eigenschaften. Aber bei genau dem richtigen Maß erhält man einen topologischen Supraleiter.“

Damit wird ein abstrakter quantenphysikalischer Effekt plötzlich greifbar. Die Chemie übernimmt die Rolle eines Reglers für Quantenzustände.

Dünnschichten statt Kristallbrocken

Bisher untersuchten viele Arbeitsgruppen sogenannte Volumenkristalle dieses Materials. Diese lassen sich zwar herstellen, sind aber unhandlich. Ihre Zusammensetzung kann lokal schwanken, und sie eignen sich schlecht für technische Anwendungen.

Das neue Ergebnis setzt bewusst auf Dünnschichten. Diese lassen sich gleichmäßiger herstellen und besser kontrollieren. Zudem passen sie zu etablierten Verfahren der Halbleiter- und Bauelementefertigung.

Subhasish Mandal von der West Virginia University ordnet das Material ein: „Dies ist ein einzigartiges Material, da es alle wesentlichen Bestandteile vereint, die man sich für eine Plattform für topologische Supraleitung wünschen würde.“ Er sagt weiter: „Diese Kombination macht es zu einem idealen System, um zu untersuchen, wie verschiedene Quanteneffekte interagieren und miteinander konkurrieren.“

Vorteile für künftige Quantenchips

Auch praktisch bringt das Material Vorteile. Die untersuchten Dünnschichten zeigen Supraleitung bis etwa 13 Kelvin. Das ist deutlich mehr als bei vielen anderen Kandidaten, die oft nur nahe 1 Kelvin arbeiten. Für den Betrieb reicht damit Standard-Flüssighelium. Der Kühlaufwand sinkt.

„Wenn man dieses Material für eine reale Anwendung nutzen möchte, muss man es in einem dünnen Film züchten können“, erklärt Lin. „Anstatt zu versuchen, Schichten von einem Gestein abzuschälen, das möglicherweise keine einheitliche Zusammensetzung aufweist.“

Mehrere Gruppen arbeiten bereits daran, die Filme weiter zu strukturieren und daraus konkrete Quantenbauelemente zu entwickeln. Parallel untersuchen die Forschenden weitere Eigenschaften der Schichten, etwa ihre Stabilität und ihr Verhalten unter äußeren Feldern.

Ein Werkzeug für gezieltes Design

Die Ergebnisse wurden in Nature Communications veröffentlicht. Sie zeigen weniger einen fertigen Quantenchip als vielmehr ein neues Werkzeug. Statt exotische Zustände zufällig zu finden, lassen sie sich gezielt einstellen.

Shuolong Yang, leitender Autor der Arbeit, fasst das so zusammen: „Dies eröffnet eine neue Richtung für die Forschung an Quantenmaterialien.“ Er betont: „Wir haben ein leistungsfähiges Werkzeug entwickelt, um die Art von Materialien zu entwerfen, die Quantencomputer der nächsten Generation benötigen werden.“

Hier geht es zur Originalpublikation

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.