Geburtstunde des Bauingenieurwesens 30.08.2025, 22:36 Uhr

Mathematiker retteten 1743 mit der ersten Statik den Petersdom

Im Jahr 1743 entstand im Petersdom die erste Statik der Welt. Drei Mathematiker retteten die Kuppel – ein Wendepunkt der Bauingenieurkunst.

Kuppel des Petersdoms

Dass wir die Kuppel des Petersdoms heute noch in voller Pracht bewundern dürfen, haben wir drei Mathematikprofessoren zu verdanken. Diese berechneten 1743 die erste Statik der Welt und konnten die geschädigte Kuppel damit retten.

Foto: Smarterpix / natalytatarinovaphoto

Vor fast 300 Jahren wagten drei Mathematikprofessoren etwas Revolutionäres: Sie erklärten die Risse in der Kuppel des Petersdoms nicht mit handwerklichen Regeln, sondern mit Mathematik. Damit entstand 1743 in Rom die erste „Statik“ der Welt – ein Meilenstein der Bauingenieurkunst. Der Schweizer Bauhistoriker Hans Straub bezeichnete die Berechnung sogar als Geburtsstunde des Bauingenieurwesens.

Ein Gutachten im Auftrag des Papstes

Als Papst Benedikt XIV. Ende 1742 die alarmierenden Schäden an der Kuppel des Petersdoms sah, beauftragte er nicht etwa erfahrene Baumeister, sondern drei Gelehrte: Ruggiero Giuseppe Boscovich, Tommaso Le Seur und Francesco Jacquier.

Ihr schriftliches Gutachten erschien im März 1743 unter dem Titel: „Die Ansicht von drei Mathematikern zu den Schäden, die an der Kuppel des Petersdoms festgestellt wurden.“

Dieses Manuskript gilt heute als die erste Statik der Welt. Denn erstmals wurden die Prinzipien der Mechanik systematisch genutzt, um Schäden an einem Bauwerk zu erklären – und nicht nur aus Erfahrung oder Tradition zu handeln.

Stellenangebote im Bereich Immobilien, Bau, Finanzierung

Immobilien, Bau, Finanzierung Jobs
ERGO Group AG-Firmenlogo
Technischer Objektmanager (m/w/d) ERGO Group AG
Schmoll Maschinen GmbH-Firmenlogo
Support-Techniker/-Ingenieur (m/w/d) LED-Lithographieanlagen Schmoll Maschinen GmbH
Rödermark Zum Job 
Stadt Hemer-Firmenlogo
Architekt/in bzw. Ingenieur/in (w/m/d) für unseren Hochbau in Vollzeit oder Teilzeit Stadt Hemer
Freie und Hansestadt Hamburg Behörde für Verkehr und Mobilitätswende-Firmenlogo
Projektingenieur:in Brückenbau Hamburg Freie und Hansestadt Hamburg Behörde für Verkehr und Mobilitätswende
Hamburg Zum Job 
SWR Südwestrundfunk Anstalt des öffentlichen Rechts-Firmenlogo
Fachgruppenleiter / Fachgruppenleiterin (w/m/d) Klimatechnik im Gebäudemanagement Baden-Baden SWR Südwestrundfunk Anstalt des öffentlichen Rechts
Baden-Baden Zum Job 
TITAN Umreifungstechnik GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Mitarbeiter Montage Sondermaschinenbau - Mechanik (m/w/d) TITAN Umreifungstechnik GmbH & Co. KG
Schwelm Zum Job 
Office Group Planen & Bauen GmbH-Firmenlogo
Bauleiter (m/w/d) Office Group Planen & Bauen GmbH
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur (w/m/d) für die Bauleitung und Bauüberwachung von Autobahnprojekten Die Autobahn GmbH des Bundes
Würzburg Zum Job 
Kölner Verkehrs-Betriebe AG-Firmenlogo
Bauleiter*in Tiefbau / Fahrleitung Kölner Verkehrs-Betriebe AG
Titan Umreifungstechnik GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Technischer Einkäufer (m/w/d/) Titan Umreifungstechnik GmbH & Co. KG
Schwelm Zum Job 
Excelitas Deutschland GmbH-Firmenlogo
Qualitätsingenieur (w/m/d) Produktentwicklung Excelitas Deutschland GmbH
Feldkirchen Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Abteilungsleitung Umweltplanung (w/m/d) Die Autobahn GmbH des Bundes
Schleifring GmbH-Firmenlogo
Konstruktionsingenieur mit Projektverantwortung (m/w/d) Schleifring GmbH
Fürstenfeldbruck Zum Job 
Heraeus Site Operations GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Projektleiter (m/w/d) für Bauprojekte Heraeus Site Operations GmbH & Co. KG
SWR Südwestrundfunk Anstalt des öffentlichen Rechts-Firmenlogo
Experte / Expertin Bauwesen (w/m/d) in der Abteilung Gebäudemanagement / Verwaltung Mainz SWR Südwestrundfunk Anstalt des öffentlichen Rechts
Schöpflin Stiftung-Firmenlogo
Head of Operations (m/w/d) Schöpflin Stiftung
Lörrach Zum Job 
KLEBL GmbH-Firmenlogo
Technischer Angestellter (m/w/d) Nachhaltigkeitsmanagement im Bereich Hochbau KLEBL GmbH
Neumarkt Zum Job 
Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr-Firmenlogo
Bauingenieur - Sachgebietsleitung Kreisstraßenmanagement (w/m/d) Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr
Humboldt-Universität zu Berlin Abteilung Haushalt und Personal Referat Personalwirtschaft III C 6-Firmenlogo
Ingenieur*in Nachrichtentechnik (m/w/d) Humboldt-Universität zu Berlin Abteilung Haushalt und Personal Referat Personalwirtschaft III C 6
Staatliches Gewerbeaufsichtsamt Braunschweig-Firmenlogo
Ingenieur/-in / Naturwissenschaftler/-in (m/w/d) für den Einsatz im Bereich Medizintechnik/-Produkte Staatliches Gewerbeaufsichtsamt Braunschweig
Braunschweig Zum Job 

Die Revolution: Von der Baupraxis zur Wissenschaft

Bis ins 18. Jahrhundert wurde Architektur im Wesentlichen nach handwerklicher Überlieferung betrieben. Das römische Gutachten markierte den Übergang von der gewohnheitsmäßigen Baupraxis zur wissenschaftlich fundierten Tragwerksplanung.

Neu war nicht nur der Einsatz mathematischer Methoden, sondern auch die Zielsetzung: Die Berechnungen dienten nicht der Planung, sondern der Ursachenforschung. Die Mathematiker sollten erklären, warum die Kuppel Risse zeigte – und wie man einen Einsturz verhindern konnte.

Dass der Petersdom dabei eine zentrale Rolle spielte, war kein Zufall. Michelangelos Kuppel war seit ihrer Fertigstellung im 16. Jahrhundert das größte gemauerte Gewölbe der Welt – ein Symbol kirchlicher Macht und architektonischer Kühnheit. Ein Einsturz hätte nicht nur bautechnisch, sondern auch politisch und religiös verheerende Folgen gehabt.

Die Analyse: Woher die Risse wirklich kamen

Die Gelehrten beschrieben die Kuppel und ihre sichtbaren Schäden mit großer Genauigkeit. Sie kamen zu einer bis heute gültigen Erkenntnis: Die Risse waren nicht durch Setzungen des Bauwerks verursacht, sondern durch eine unzureichende Aufnahme der Horizontalkräfte am Kämpfer.

Um diese Kräfte zu beherrschen, empfahlen sie zusätzliche Eisenringe, die wie Gürtel um die Kuppel gelegt werden sollten. Dieses Prinzip der „Eisenspannringe“ findet sich bis heute bei der Sicherung historischer Gewölbe.

Die erste statische Berechnung

Im Kern des Gutachtens stehen zehn Seiten mit Berechnungen – ein Novum in der Baugeschichte.

  • Lastannahmen: Die Mathematiker ermittelten die Massen einzelner Kuppelteile und prüften deren Plausibilität.
  • Eisenketten: Für die Festigkeit griffen sie auf Versuche des Physikers Pieter van Musschenbroek zurück. Rechenfehler führten zwar zu Unsicherheiten, wirkten aber unbeabsichtigt wie ein Sicherheitsaufschlag.
  • Virtuelle Verschiebungen: Mit einem Prinzip, das bis heute in der Mechanik gelehrt wird, untersuchten sie das Gleichgewicht der Kräfte, indem sie hypothetische Bewegungen annahmen.

Die vereinfachte Modellierung – die Kuppel wurde als „Apfelsinenscheibenmodell“ behandelt – reduzierte das komplexe räumliche Tragwerk auf ein ebenes Problem.

Grenzen des Wissens

Aus heutiger Sicht war die „erste Statik“ eine Mischung aus brillanter Idee und grober Vereinfachung.

  • Das Hooke’sche Gesetz, das den Zusammenhang zwischen Spannung und Dehnung beschreibt, war noch nicht bekannt.
  • Das elastische und plastische Verhalten von Eisen wurde ignoriert, man rechnete mit Bruchlasten.
  • Wichtige Effekte, etwa tangentiale Druckkräfte in den Breitenkreisen der Kuppel, erkannte man erst im 19. Jahrhundert.

Die Folge: Die Ergebnisse waren stark auf der sicheren Seite – so entstand der bis heute bekannte Ruf von Statikern als „Kaputtrechner“ oder „Überdimensionierer“.

Bedeutung für die Baugeschichte

Trotz mancher Irrtümer war das Gutachten ein historischer Durchbruch. Zum ersten Mal wurden sichtbare Schäden und Verformungen eines Bauwerks mit den Gesetzen der Mechanik erklärt.

Die größte Schwäche lag nicht in den Fehlern der Berechnung, sondern im fehlenden Diskurs: Die Mathematiker legten ihre Rechenwege nicht offen und verzichteten auf eine Diskussion ihrer Annahmen. Das erschwerte späteren Generationen das Nachvollziehen.

Doch der Schritt war entscheidend: Von nun an sollte das Tragverhalten von Bauwerken nicht mehr nur intuitiv, sondern auch rechnerisch untersucht werden.

Kuppel des Petersdoms – Zahlen und Fakten

Gesamtgewicht: ca. 14.000 Tonnen

Höhe außen: 133,30 m (Straßenniveau bis Kreuzspitze)

Höhe innen: 117,57 m (Boden bis Laternengewölbe)

Durchmesser außen: 58,90 m

Durchmesser innen: 41,50 m

Die Kuppel, entworfen von Michelangelo Buonarroti, gilt als eines der genialsten Werke der Renaissance und wird jährlich von Millionen Menschen besucht.


Baugeschichte

  • Baubeginn: 1546 unter Papst Paul III. Farnese
  • Unterbrechung nach Michelangelos Tod 1564
  • Fortsetzung 1588 unter Papst Sixtus V. durch Giacomo Della Porta und Domenico Fontana
  • Fertigstellung nach 22 Monaten Bauzeit, gefeiert mit Messe und Feuerwerk
  • 1592–1605: Fertigstellung der Laterne unter Papst Clemens VIII.
  • 18. November 1593: Aufsetzen der vergoldeten Bronzekugel mit Kreuz von Sebastiano Torrigiani

Besonderheit

Der Aufstieg erfolgt über die berühmte „Schnecke von St. Andreas“: 537 Stufen führen zur äußeren Galerie mit Panoramablick auf Petersplatz, Berninis Kolonnade, Rom und bis zu den Castelli Romani und dem Meer.

 

Vom Petersdom nach Afrika

Bemerkenswert ist, dass der Petersdom trotz des damals festgestellten „Defizits“ nicht einstürzte. Im Gegenteil: Er steht bis heute.

Und er fand sogar einen Zwilling: 1990 wurde in Abidjan, Côte d’Ivoire, die Kirche Notre Dame de la Paix eingeweiht – ein nahezu exakter Nachbau des Petersdoms. Dort konnten moderne Statiker mit Computermodellen arbeiten, ganz im Gegensatz zu den Pionieren von 1743.

Wirkungsgeschichte und heutige Relevanz

Die Arbeit von Boscovich, Le Seur und Jacquier gilt als Ausgangspunkt einer neuen Disziplin. Erst im 19. Jahrhundert entwickelten Ingenieure wie Coulomb, Navier oder später Euler und Maxwell die Statik zu einer eigenständigen Wissenschaft mit festen Regeln.

Heute nutzen Statiker leistungsfähige Software wie die Finite-Elemente-Methode (FEM). Diese zerlegt komplexe Geometrien in viele kleine Teilbereiche – eine konsequente Weiterentwicklung des vereinfachten „Apfelsinenscheibenmodells“ von 1743.

Das Prinzip bleibt gleich: Ein Bauwerk wird in Teilprobleme zerlegt, Kräfte werden bilanziert, und Sicherheitsfaktoren schützen vor Unsicherheiten.

Die beiden Dresdner Ingenieure Wilfried Wapenhans und Jens Richter haben sich mit der ersten Statik der Welt ausführlich beschäftigt: Hier geht es zur Originalpublikation

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.