Vom Test zum Mahnmal 14.08.2025, 14:00 Uhr

Schwerbelastungskörper: Wo Hitlers Größenwahn im Boden versank

Testbau für Hitlers Germania: Der Schwerbelastungskörper in Berlin zeigt, wie Boden und Größenwahn aufeinandertrafen.

Schwerbelastungskörper

Mit dem Schwerbelastungskörper sollte getestet werden, wie standhaft der Berliner Boden für Adolf Hitlers Traum von Germania ist.

Foto: picture alliance/dpa | Jens Kalaene

Berlin trägt viele Spuren seiner Geschichte – manche sind sichtbar, andere liegen versteckt.
Mitten in Tempelhof steht ein Betonkoloss, den viele Berlinerinnen und Berliner schlicht „Naziklotz“ nennen. Offiziell heißt er Schwerbelastungskörper. Er wurde nicht gebaut, um etwas zu feiern oder zu verschönern, sondern um zu testen, ob der Untergrund eines Tages Hitlers monumentale Baupläne tragen könnte.

Die Vision von „Germania“

Anfang der 1940er-Jahre wollte Adolf Hitler Berlin zur „Welthauptstadt Germania“ umbauen lassen. Die Stadt sollte sich in ein Zentrum des nationalsozialistischen Reiches verwandeln, mit gigantischen Achsen, repräsentativen Gebäuden und einem Triumphbogen, der alles bisher Dagewesene übertreffen sollte.

Albert Speer, Hitlers Generalbauinspektor, bekam den Auftrag, diese Pläne umzusetzen.
Das Kernstück: eine Nord-Süd-Achse, gesäumt von Prachtbauten, und am Schnittpunkt zweier Hauptstraßen ein 117 Meter hoher Triumphbogen – fast doppelt so groß wie sein berühmtes Vorbild in Paris. Seine Bogenöffnung sollte die Namen der gefallenen deutschen Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg tragen.

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Doch noch ambitionierter war ein anderes Projekt: die sogenannte Große Halle. Ihre Kuppel hätte das 17-fache Volumen des Petersdoms in Rom gehabt. Geplant waren Platz für 180.000 Menschen, eine Höhe von 320 Metern bis zur Spitze des Reichsadlers und ein Grundriss, der allein für den Unterbau 315 mal 315 Meter maß.

Ein Problem namens Berliner Boden

So groß die Visionen auch waren – der Boden unter Berlin stellte ein ernstes Problem dar.
Teile der Stadt stehen auf sandigem Untergrund, durchsetzt von Schichten aus Lehm und Geschiebemergel. Diese Mischung ist nicht gerade bekannt dafür, tonnenschwere Bauwerke zuverlässig zu tragen.

Bevor die Nationalsozialisten ihre gigantischen Pläne in die Realität umsetzen konnten, musste geklärt werden:

  • Wie stark würde sich der Boden unter einer solchen Last setzen?
  • Könnte es zu gefährlichen Bewegungen kommen, bei denen sich Fundamente neigen oder Bauwerke gar einstürzen?

Um das herauszufinden, beauftragte Speer die Deutsche Gesellschaft für Bodenmechanik (Degebo) mit einem großangelegten Belastungstest.

Bau des Schwerbelastungskörpers

Zwischen 1941 und 1942 entstand der Schwerbelastungskörper im heutigen Ortsteil Tempelhof.
Gebaut wurde er aus Beton und Stahlbeton, ohne Bewehrung im inneren Kern. Hier einige technischen Daten:

  • Das Bauwerk reicht 18,2 Meter tief in den Boden. Der unterirdische Zylinder misst elf Meter im Durchmesser und steht direkt in einer Schicht aus Geschiebemergel – einem durch die Eiszeit gepressten, sehr festen Gemisch aus Sand, Lehm und Steinen.
  • Oberhalb des Bodens wurde ein weiterer Zylinder aufgesetzt, deutlich breiter, mit 21 Metern Durchmesser und 14 Metern Gesamthöhe.
  • Insgesamt lasteten 12.650 Tonnen auf einer Fläche von 100 Quadratmetern. Das entspricht einem Druck von 12,65 Kilogramm pro Quadratzentimeter – in etwa so, als würden auf einer Briefmarke zwei volle Bierkästen stehen.

Der Bau kostete rund 400.000 Reichsmark. Zum Vergleich: Kaufkraftbereinigt wären das heute etwa 2 Millionen Euro. Kriegsgefangene, vor allem aus Frankreich, übernahmen einen Teil der harten Bauarbeiten.

Innere des Schwerbelastungskörpers

Blick ins Innere des Schwerbelastungskörpers. Die TU Berlin hat hier noch lange nach dem Krieg bodenmechanische Tests durchgeführt.

Foto: picture alliance / Bildagentur-online/Schoening | Bildagentur-online/Schoening

Messungen im Inneren

Im Inneren des Schwerbelastungskörpers richtete die Degebo mehrere Messkammern ein. Dort installierten die Ingenieure Geräte, um selbst kleinste Bewegungen zu registrieren. Schon während des Betoniervorgangs begannen die Messungen. Die Werte zeigten, wie sich der Boden unter der enormen Last zusammendrückte, wie schnell sich der Zylinder senkte und ob er dabei schief wurde.

Bis zum 1. Juni 1944 liefen die Messungen weiter. Doch der Krieg und die Nachkriegszeit verzögerten die Auswertung bis 1948. Das Ergebnis war eindeutig: Sowohl der Triumphbogen als auch die Große Halle hätten ohne zusätzliche Maßnahmen nicht gebaut werden können. Der Boden war nicht tragfähig genug. Nur durch eine aufwendige Verfestigung – etwa durch Tiefgründungen oder Bodeninjektionen – wäre das Risiko beherrschbar gewesen.

Wie sich der Koloss bewegte

In zweieinhalb Jahren sank der Schwerbelastungskörper um 19,3 Zentimeter ein.
Das klingt zunächst wenig, aber bei einem Monument dieser Größe hätte schon eine ungleichmäßige Setzung fatale Folgen gehabt.

Dazu kam: Schon während des Gusses bekam der Koloss eine leichte Schieflage.
Er neigte sich um 3,5 Zentimeter, vermutlich weil der Untergrund nicht überall gleichmäßig nachgab.

Die Ingenieure erklärten das mit der Konsolidierung der 5,2 Meter mächtigen Geschiebemergelschicht. Diese Schicht verdichtete sich unter dem Gewicht langsam, wodurch das Bauwerk über Jahre weiter einsank.

Exkurs: Was ist ein Grundbruch?

Das Risiko bei solch hohen Lasten ist nicht nur das langsame Einsinken. Es gibt auch das Phänomen des Grundbruchs. Dabei bricht der Boden seitlich weg, wenn die Belastung seine Scherfestigkeit übersteigt – also den Widerstand, den die Bodenteilchen durch Reibung, Verkettung und Kohäsion leisten können.

Man kann sich das wie eine unsichtbare Rutschbahn im Erdreich vorstellen. Unterhalb eines Fundamentes bildet sich eine Gleitfläche. Entlang dieser Fläche verschiebt sich das Erdreich, und das Bauwerk sackt schlagartig ab oder kippt.

Bei tiefen Fundamenten ist dieses Risiko geringer, weil der Boden ringsum die Last besser aufnimmt. Doch bei flach gegründeten Bauten wie dem Triumphbogen wäre ein Grundbruch ohne Bodenverbesserung durchaus möglich gewesen.

Nutzung im Krieg und danach

Während des Krieges erhielt der Schwerbelastungskörper eine Zusatzfunktion. Sein Inneres wurde zu einem provisorischen Luftschutzraum für die Bevölkerung umgebaut. Noch heute sind dort Stahlklappen und schwere Türen zu sehen.

Nach 1945 stand der Koloss einfach da. Eine Sprengung, wie sie bei vielen anderen NS-Bauten erfolgte, kam nicht infrage – zu groß war die Gefahr, dass nahegelegene Wohnhäuser beschädigt würden. So überdauerte der Betonblock die Jahrzehnte. Seit 1995 steht er unter Denkmalschutz.

Schwerlastbelastungskörper Berlin

Der Schwerlastbelastungskörper bringt etwa 12.650 Tonnen auf die Waage.

Foto: picture alliance / Bildagentur-online/Schoening | Bildagentur-online/Schoening

Vom Testobjekt zum Lernort

Bis 1977 nutzte die Technische Universität Berlin (die Degebo wurde darin integriert) den Schwerbelastungskörper für weitere bodenmechanische Experimente. Dann blieb er lange unbeachtet, bis der Bezirk Tempelhof-Schöneberg 2007 mit einer Sanierung begann.

Es entstand ein Informationspavillon, dazu ein Aussichtsturm. 2009 eröffnete der „Informationsort Schwerbelastungskörper“ im Rahmen des Tages des offenen Denkmals. Besucher*innen können heute über eine Treppe in den Zylinder hinabsteigen und erfahren, welche technischen und politischen Ideen hinter seiner Entstehung standen. Schauen wir uns das größte geplante Bauwerk im Detail an.

Die Große Halle – ein Bauwerk jenseits aller Maßstäbe

Der Triumphbogen war nur ein Teil von Hitlers Bauprogramm. Das eigentliche Herzstück sollte die Große Halle werden – ein Gebäude, das in der Architekturgeschichte beispiellos geblieben wäre.

Der Grundriss: ein quadratischer Unterbau mit 315 Metern Seitenlänge und 74 Metern Höhe.
Darauf eine Kuppel, die 98 Meter über dem Erdboden beginnen und 250 Meter im Durchmesser messen sollte. Zum Vergleich: Der Petersdom in Rom misst an seiner Kuppel nur etwa 42 Meter Durchmesser.

Mit einer Gesamthöhe von 320 Metern hätte die Große Halle die Skyline Berlins völlig dominiert.
Auf der Spitze: ein riesiger Adler, der anfangs ein Hakenkreuz, später eine Weltkugel in den Fängen halten sollte.

Im Inneren plante man Platz für 180.000 Menschen. Die Halle wäre von Granit und Marmor geprägt gewesen, getragen von monumentalen Säulen und flankiert von 15 Meter hohen Skulpturen des Bildhauers Arno Breker.

Lasten in unvorstellbaren Dimensionen

Solch ein Bau hätte den Untergrund extrem beansprucht. Die Kuppel hätte mehrere Hunderttausend Tonnen gewogen, der gesamte Baukörper noch weitaus mehr.

Die Bodenpressung – also der Druck, den das Gebäude auf den Untergrund ausübt – wäre deutlich höher gewesen als bei den meisten damaligen Bauten.

Die Ingenieure wussten: Wenn sich der Boden ungleichmäßig setzt, entstehen Risse in der Struktur, es kommt zu Verformungen oder im schlimmsten Fall zum Versagen tragender Teile. Genau das sollte der Schwerbelastungskörper simulieren.

Wie wären Setzungsschäden zu verhindern gewesen?

Zeitzeugenberichte und technische Notizen deuten darauf hin, dass Speers Planer mehrere Optionen in Betracht zogen:

  1. Tiefgründung auf Pfählen
    Stahl- oder Betonpfähle, bis in tragfähige Bodenschichten gerammt oder gebohrt, um die Last in größere Tiefen zu leiten.
  2. Bodenverfestigung durch Injektionen
    Einpressen von Zementsuspension oder chemischen Bindemitteln in den Boden, um dessen Festigkeit und Dichte zu erhöhen.
  3. Austausch von Bodenschichten
    Abtragen weicher Schichten und Auffüllen mit tragfähigem Material – logistisch bei diesen Dimensionen kaum realistisch.

Doch keine dieser Maßnahmen wäre einfach oder schnell gewesen.
Allein die Material- und Arbeitskräftebedarfe wären in Kriegszeiten kaum zu decken gewesen. Und danach waren Hitler und seine größenwahnsinnigen Pläne sowieso Geschichte.

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

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