Energetische Gebäudesanierung 02.02.2026, 13:00 Uhr

Sanierungsquote auf Talfahrt: Gibt es noch einen Ausweg?

Die energetische Gebäudesanierung verliert weiter an Tempo. Zahlen, Ursachen und die Optionen, die jetzt bleiben.

Energetische Gebäudesanierung

Die energetische Gebäudesanierung kommt nicht richtig in Schwung. Im Jahr 2025 war die Sanierungsquote so niedrig wie nie zuvor. Wie lässt sich das ändern?

Foto: Smarterpix / darkhriss

Das Wichtigste in Kürze
  • Die Sanierungsquote 2025 fällt auf 0,67 % und erreicht einen neuen Tiefpunkt.
  • Für Klimaziele wären rund 2 % pro Jahr nötig.
  • Besonders ineffiziente Gebäude treiben Energieverbrauch und Wertverluste.
  • Serielle Sanierung bietet Tempo, ist aber noch teuer.
  • Branche fordert stabile Förder- und Rechtsrahmen für eine Trendwende.

Die Zahlen sind alarmierend. Während Politik und Branche seit Jahren über die Wärmewende im Gebäudebestand sprechen, bewegt sich die Realität in die entgegengesetzte Richtung. 2025 fällt die Sanierungsquote erneut. Weniger als ein Prozent der Gebäude wurden energetisch modernisiert. Und in einem Sektor, der fast ein Drittel der CO₂-Emissionen verursacht. Gibt es überhaupt noch einen Ausweg aus der Krise?

Neuer Tiefpunkt bei der Sanierungsquote

2025 markiert einen weiteren Rückschritt. Die Sanierungsquote im Wohngebäudebestand fällt auf 0,67 %. In den Jahren zuvor lag sie bereits niedrig: 0,69 % (2024), 0,70 % (2023) und 0,88 % (2022). Von den rund 19,5 Millionen Wohngebäuden wird damit nur ein Bruchteil energetisch modernisiert. Für die Klimaziele wären rund 2 % pro Jahr nötig.

Auch Nichtwohngebäude entwickeln sich schwach. Die Quote sinkt auf 0,92 % nach 0,95 % im Vorjahr. Besonders kritisch ist das für öffentliche Gebäude wie Schulen, Verwaltungen oder Krankenhäuser. Hier besteht seit Jahren ein Sanierungsstau.

Jan Peter Hinrichs, Geschäftsführer des Bundesverband energieeffiziente Gebäudehülle e. V., schlägt Alarm: „Die Sanierungstätigkeit ist in Deutschland auf einem besorgniserregenden Niveau.“ Er sieht Chancen in klaren gesetzlichen Vorgaben und verweist auf mögliche Impulse durch das Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität. Sein Fazit: „Deutschland braucht nicht nur einen Bau-Turbo, sondern dringend auch einen Sanierungs-Booster!“

Stellenangebote im Bereich Bauwesen

Bauwesen Jobs
Landratsamt Zollernalbkreis-Firmenlogo
Projektingenieur (m/w/d) Straßen- und Radwegebau Landratsamt Zollernalbkreis
Balingen Zum Job 
Energie und Wasser Potsdam GmbH-Firmenlogo
Investitions- und Projektsteuerer (m/w/d) Schwerpunkt Bau Energie und Wasser Potsdam GmbH
Potsdam Zum Job 
HAMBURG WASSER-Firmenlogo
Bauingenieur / Architekt als Gruppenleitung Ingenieurbau Wasserwerke (m/w/d) HAMBURG WASSER
Hamburg Rothenburgsort Zum Job 
Werner & Balci GmbH-Firmenlogo
Architekt / Bauingenieur [BIM] (m/w/d) für die Planung Infrastruktur- und Hochbauprojekte Werner & Balci GmbH
Esslingen am Neckar Zum Job 
Nibelungen-Wohnbau-GmbH Braunschweig-Firmenlogo
Leitung Technisches Immobilienmanagement (m/w/d) Nibelungen-Wohnbau-GmbH Braunschweig
Braunschweig Zum Job 
Stadtwerke Potsdam GmbH-Firmenlogo
Experte (m/w/d) Energieinfrastruktur und Bauprojekte - Planung und Realisierung - Stadtwerke Potsdam GmbH
Potsdam Zum Job 
Netzgesellschaft Potsdam GmbH-Firmenlogo
Projektleiter (m/w/d) Sonderbauvorhaben Umspannwerke | Hochspannungsfreileitungen Netzgesellschaft Potsdam GmbH
Potsdam Zum Job 
Stadt Offenburg-Firmenlogo
Straßen- und Verkehrsplaner*in Fachbereich Tiefbau und Verkehr, Abteilung Verkehrsplanung Stadt Offenburg
Offenburg Zum Job 
Stadt Köln-Firmenlogo
Ingenieur*in (TGA) als Rechnungsprüfer*in (m/w/d) für technische Prüfungen beim Rechnungsprüfungsamt Stadt Köln
DMT GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Sachverständige:r im Explosionsschutz (m/w/d) DMT GmbH & Co. KG
Dortmund Zum Job 
ONTRAS Gastransport GmbH-Firmenlogo
Projektmanager für Wasserstoff (m/w/d) ONTRAS Gastransport GmbH
Leipzig Zum Job 
Gemeinde Steinen-Firmenlogo
Leiter/in des Fachbereichs Bauen und Umwelt (w/m/d) Gemeinde Steinen
Steinen Zum Job 
ERGO Group AG-Firmenlogo
Objektmanager Bautechnik (m/w/d) ERGO Group AG
Klinikum Leverkusen Service GmbH-Firmenlogo
Projektmanager (m/w/d) Bau & Technik Klinikum Leverkusen Service GmbH
Leverkusen Zum Job 
Leviat GmbH-Firmenlogo
Diplom-Ingenieur (TH/FH) (m/w/d), Master/Bachelor (m/w/d), Dr.-Ing. (m/w/d) im Bereich «Bewehrungssysteme / Verankerungssysteme« Konstruktiver Ingenieurbau / Massivbau Leviat GmbH
Langenfeld (Rheinland) Zum Job 
HAMBURG WASSER-Firmenlogo
Projektingenieur Planung Tiefbau / Infrastruktur (m/w/d) HAMBURG WASSER
Hamburg Zum Job 
Max Bögl Stiftung & Co. KG-Firmenlogo
Bauleiter (m/w/d) TGA Mechanik -Systembau Max Bögl Stiftung & Co. KG
Liebenau bei Nienburg / Weser Zum Job 
AOK Hessen. Die Gesundheitskasse.-Firmenlogo
Ingenieur / Elektrotechniker (m/w/d) AOK Hessen. Die Gesundheitskasse.
Groß-Gerau Zum Job 
Gemeinde Eggenstein-Leopoldshafen-Firmenlogo
Fachbereichsleitung Gebäudemanagement (m/w/d) Gemeinde Eggenstein-Leopoldshafen
Eggenstein-Leopoldshafen Zum Job 
Gebäudemanagement Schleswig-Holstein AöR (GMSH)-Firmenlogo
Fachbereichsleitung Bauherrenaufgaben (m/w/d) Gebäudemanagement Schleswig-Holstein AöR (GMSH)
Kiel, Flensburg, Lübeck, Eutin, Eckernförde Zum Job 

Weniger sanierte Wohnungen als nötig

Die schwache Quote schlägt sich in absoluten Zahlen nieder. 260.000 Wohneinheiten wurden 2025 energetisch saniert. 2024 waren es noch 265.000, 2023 rund 275.000. Laut der Leitstudie Aufbruch Klimaneutralität der Deutschen Energie-Agentur (dena) hätten es 2025 460.000 sein müssen. Bis 2030 steigt der Bedarf auf bis zu 730.000 Wohneinheiten pro Jahr.

Gebäude als Emissionstreiber

Der Gebäudesektor verursacht weiterhin rund 30 % der CO₂-Emissionen in Deutschland. Etwa 35 % der Endenergie fließen in Heizung, Warmwasser und Strom für Gebäude. Besonders problematisch sind energetisch schlechte Gebäude: Die Effizienzklassen G und H stehen für 50 % des Energieverbrauchs im Sektor.

Zwei Drittel aller Wohngebäude liegen in den Klassen D bis H und verbrauchen mehr als 100 kWh/m² pro Jahr. Für Eigentümerinnen und Eigentümer wird das zum Risiko. Der Markt straft ineffiziente Immobilien zunehmend ab. Der Wertabschlag gegenüber sanierten Gebäuden liegt inzwischen bei bis zu 40 %.

Fenster, Dach, Fassade – überall Stillstand

Der Blick auf einzelne Gewerke zeigt ein differenziertes, aber insgesamt ernüchterndes Bild:

  • Dach: 0,74 %
  • Fassade: 0,46 %
  • Fenster: 1,19 %

Gerade Fenster gelten oft als Einstieg in die Sanierung. Bleibt dieser Schritt aus, stockt häufig der gesamte Prozess. Frank Lange, Geschäftsführer des Verband Fenster + Fassade e. V., sagt:
„Neue Fenster sind häufig der erste Sanierungsschritt – bleibt dieser aus, stockt die gesamte Gebäudemodernisierung.“ Er fordert verlässliche Rahmenbedingungen und Planungssicherheit bei Förderung und Gesetzgebung.

Energetische Gebäudesanierung in Deutschland (Stand 2025)

  • Sanierungsquote Wohngebäude: 0,67 %
  • Zielquote für Klimaziele: ≈ 2 % pro Jahr
  • Sanierte Wohneinheiten 2025: 260.000
  • Erforderlich laut dena: 460.000
  • Anteil Gebäude an CO₂-Emissionen: ≈ 30 %
  • Wertabschlag ineffizienter Gebäude: bis zu 40 %
  • Anteil Gebäude Klassen D–H: ≈ 66 %

 

Hoffnung aus der Serie: Sanieren wie am Fließband

Während die Quote fällt, suchen Fachleute nach neuen Ansätzen. Einer davon: serielle Sanierung. Bekannt wurde das Konzept unter dem Namen Energiesprong. Fassaden- und Dachelemente entstehen industriell vorgefertigt. Grundlage ist ein 3D-Scan des Gebäudes. Vor Ort werden die Module nur noch montiert. Das spart Zeit auf der Baustelle.

Besonders geeignet sind Gebäude mit hohem Wiederholungsfaktor. Dazu zählen viele Plattenbauten aus der DDR-Zeit. In Ludwigsfelde bei Berlin wurde ein fünfgeschossiger WBS-70-Riegel mit 82 Wohnungen in kurzer Zeit energetisch saniert. Der Energieverbrauch sank von 99 kWh/m² auf etwa ein Drittel. Eine Photovoltaikanlage auf dem Dach deckt einen großen Teil des Bedarfs. Bilanzielle Null-Emissionen sind das Ergebnis.

Nico Gorsler von Energiesprong Deutschland erklärt gegenüber der TAZ: „Das sind sehr einfache Strukturen mit großem Wiederholungsfaktor.“ Er sieht darin ein enormes Skalierungspotenzial. Allein die Plattenbauten könnten den Markt für Jahre beschäftigen.

Nicht jedes Gebäude ist gleich sinnvoll

Doch die serielle Sanierung ist kein Allheilmittel. Kati Jagnow, Professorin für Energiekonzepte an der Hochschule Magdeburg-Stendal, mahnt zur Differenzierung. Viele Plattenbauten seien bereits in den 1990er Jahren teilsaniert worden. Fenster wurden getauscht, Dächer erneuert, Fassaden gedämmt – wenn auch nicht nach heutigen Standards.

Aus volkswirtschaftlicher Sicht sei es sinnvoll, zuerst Gebäude ohne jede Dämmung anzugehen. Vor allem Häuser aus den 1950er- und 1960er-Jahren. Daten, welche Kombination aus konventioneller und serieller Sanierung den größten Effekt bringt, fehlen bislang.

Kosten bleiben der Knackpunkt

Ob konventionell oder seriell: Sanieren ist teuer. Klassische Maßnahmen liegen bei 500 bis 1400 Euro pro Quadratmeter. Serielle Sanierung kostet aktuell 1250 bis 1850 Euro. Zwar sinken die Preise mit jedem Folgeprojekt, doch die Finanzierung bleibt schwierig.

Hinzu kommt die soziale Frage. Werden Kosten auf die Kaltmiete umgelegt, profitieren Mieterinnen und Mieter nicht automatisch von niedrigeren Heizkosten. Studien von Deutschem Mieterbund und Öko-Institut zeigen: Die Förderlandschaft berücksichtigt diese Verteilung bislang unzureichend.

Wärmepumpen, PV und Speicher: gemischte Signale

Der Gebäudereport 2026 der Deutsche Energie-Agentur zeichnet ein widersprüchliches Bild. Mehr als fünf Millionen Heizungen sind älter als 30 Jahre. Erneuerbare Energien im Bestand wachsen, aber zu langsam.

Der Anteil der Wärmepumpen im Bestand liegt 2024 bei 4,3 % – fast doppelt so hoch wie 2019, aber noch weit vom Bedarf entfernt. Dach-Photovoltaik verliert 2025 an Tempo. Der Speichermarkt hingegen boomt. Immer mehr Eigenheimbesitzende setzen auf Batteriespeicher, um Strom selbst zu nutzen.

Corinna Enders, Vorsitzende der dena-Geschäftsführung, sagt: „Die Gebäudewende bietet die Chance, Klimaschutz mit Wirtschaftswachstum zu verbinden.“ Sie fordert Bürokratieabbau, stabile Förderung und marktorientierte Instrumente.

Konjunktur zieht leicht an – aber reicht das?

Das SHK-Konjunkturbarometer zeigt für Ende 2025 eine leichte Erholung. Industrie und Installationsbetriebe melden positive Werte. Der Großhandel bleibt unter Druck. Für 2026 erwarten Verbände ein moderates Plus – getragen von Sanierung und Instandhaltung im Bestand.

Jens J. Wischmann von VdZ und VDS mahnt dennoch: „Entscheidend bleibt der private Konsum.“ Aufgeschobene Sanierungen müssten jetzt umgesetzt werden. Förderungen seien da, doch es fehle an langfristig verlässlichen Rahmenbedingungen.

Wie geht es weiter?

Die Lage ist klar: Mit einer Sanierungsquote unter 1 % sind die Klimaziele im Gebäudesektor nicht erreichbar. Technik ist vorhanden. Konzepte wie serielle Sanierung zeigen Potenzial. Wärmepumpen, Dämmung und Photovoltaik wirken – wenn sie umgesetzt werden.

Was fehlt, ist Vertrauen. In Förderprogramme. In Gesetze, die nicht im Jahrestakt geändert werden. In politische Signale mit Dauerwirkung. Ohne diese bleibt die Sanierungsquote auf Talfahrt. Mit ihnen könnte sie wieder steigen.

FAQ: Energetische Gebäudesanierung in Deutschland

Warum sinkt die Sanierungsquote in Deutschland weiter?

Die Sanierungsquote sinkt, weil hohe Investitionskosten, unsichere Förderbedingungen, Fachkräftemangel und zurückhaltende private Eigentümer*innen zusammenkommen. Planungssicherheit fehlt, insbesondere bei langfristigen Maßnahmen an der Gebäudehülle und Heiztechnik.

Welche Sanierungsquote wäre für die Klimaziele notwendig?

Für die nationalen Klimaziele im Gebäudesektor wäre eine jährliche Sanierungsquote von rund 2 % erforderlich. 2025 lag sie bei 0,67 % und damit deutlich unter dem Zielwert.

Welche Gebäude verursachen den größten Energieverbrauch?

Gebäude der Effizienzklassen G und H sind für rund 50 % des Energieverbrauchs im Gebäudesektor verantwortlich. Insgesamt liegen etwa zwei Drittel aller Wohngebäude in den Klassen D bis H.

Warum verlieren unsanierte Gebäude deutlich an Wert?

Hoher Energieverbrauch, steigende Betriebskosten und strengere regulatorische Anforderungen führen zu Wertabschlägen. Der Marktpreisdifferenz zwischen sanierten und unsanierten Immobilien liegt inzwischen bei bis zu 40 %.

Was ist serielle Sanierung und warum gilt sie als Hoffnungsträger?

Serielle Sanierung nutzt industriell vorgefertigte Fassaden- und Dachelemente, die vor Ort montiert werden. Sie verkürzt Bauzeiten deutlich und reduziert Planungsaufwand. Wirtschaftlich wird sie vor allem bei großen, ähnlichen Gebäudebeständen.

Ist serielle Sanierung heute schon wirtschaftlich?

Noch nicht flächendeckend. Aktuell liegen die Kosten meist über konventioneller Sanierung. Mit steigender Stückzahl und standardisierten Prozessen sinken sie jedoch. Fachleute erwarten langfristig Kosten unter 1000 Euro/m².

Warum reichen Einzelmaßnahmen oft nicht aus?

Maßnahmen wie Fenstertausch oder neue Heiztechnik senken den Energieverbrauch, entfalten ihr volles Potenzial aber erst im Zusammenspiel mit einer sanierten Gebäudehülle. Ohne Gesamtkonzept bleiben Effizienzgewinne begrenzt.

Welche politischen Maßnahmen könnten die Sanierung beschleunigen?

Entscheidend sind stabile Förderprogramme, weniger Bürokratie und langfristig verlässliche gesetzliche Rahmenbedingungen. Häufige Änderungen bremsen Investitionen und erhöhen das Risiko für Eigentümer.

Kann die energetische Sanierung ein Konjunkturimpuls sein?

Ja. Der Gebäudesektor sichert rund 3,7 Millionen Arbeitsplätze. Eine höhere Sanierungsquote könnte Beschäftigung stabilisieren, regionale Wertschöpfung stärken und die Wärmewende im Bestand voranbringen.

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

Themen im Artikel

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.