Künstliche Insel 15.04.2025, 11:20 Uhr

Kansai Airport: Warum ein Mega-Flughafen langsam im Meer versinkt

Der Flughafen Kansai vor Osaka gilt als technisches Meisterwerk – und als tickende Zeitbombe. Denn seine künstliche Insel sinkt schneller, als berechnet.

International Airport Kansai

Noch starten und landen Flugzeuge auf dem International Airport Kansai. Doch schon bald könnte er im Meer versinken.

Foto: Panthermedia / Songpracone (YAYMicro)

Vor der Küste Osakas, gut fünf Kilometer vom Festland entfernt, liegt einer der ambitioniertesten Flughafenbauten der Welt: der Kansai International Airport. Seit seiner Eröffnung 1994 dient er als internationales Drehkreuz für die Region Kansai. Über 30 Millionen Passagiere nutzen ihn jedes Jahr. Das Bauwerk ist nicht nur für seine architektonische Gestaltung bekannt – das 1,7 Kilometer lange Terminalgebäude entwarf Stararchitekt Renzo Piano – sondern vor allem für seine außergewöhnliche Lage: Auf einer künstlich geschaffenen Insel mitten im Meer.

Diese spektakuläre Lage brachte allerdings nicht nur Vorteile. Die Insel ruht auf weichem Meeresboden, der sich als weniger tragfähig erwiesen hat, als ursprünglich angenommen. Die Folge: Der Flughafen sinkt – und das schneller als erwartet.

Warum überhaupt im Meer?

Die Entscheidung, einen Flughafen im Meer zu errichten, entstand aus Platzmangel. Die Region rund um Osaka ist dicht besiedelt, Land ist knapp und teuer. Zudem gab es in der Vergangenheit viele Beschwerden wegen Fluglärms rund um den bisherigen Flughafen Itami. Ein Standort mitten im Wasser versprach Lärmfreiheit, Ausbaupotenzial – und rund um die Uhr Betrieb. Keine Siedlung würde sich über nächtliche Starts beschweren.

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Der Untergrund im Küstenbereich stellte die Planenden jedoch von Anfang an vor große Herausforderungen. Die Bodenuntersuchungen zeigten: Unter der Wasseroberfläche lag eine bis zu 20 Meter dicke Schicht aus weichem Ton. Darunter folgten weitere, weniger einheitliche Lagen aus Ton, Sand und Kies – bis hin zu tragfähigem Gestein in über 160 Metern Tiefe.

Aufschütten und hoffen

Um auf diesem instabilen Grund einen Flughafen zu errichten, bedurfte es aufwendiger Vorbereitungen. Zunächst wurden riesige Mengen Sand in Millionen Bohrlöcher eingebracht, um das Wasser aus dem tonhaltigen Boden zu pressen. Dies sollte die Setzungen beschleunigen, sodass die Insel vor dem eigentlichen Bau möglichst stabil war.

Tatsächlich setzte sich der Boden – aber mehr als prognostiziert. Die Planer gingen von rund 6,5 Metern Absackung innerhalb von 50 Jahren aus. Doch noch vor der Eröffnung waren es bereits über 8 Meter. Heute, nach rund 30 Jahren Betrieb, ist die Insel insgesamt um mehr als 11,5 Meter gesunken.

Mehr Gewicht, mehr Risiko

Was anfangs als beherrschbares Risiko erschien, entwickelt sich zunehmend zu einem strukturellen Problem. Jede bauliche Erweiterung, jedes zusätzliche Terminal, jedes zusätzliche Gewicht erhöht den Druck auf den Meeresboden. Im Dezember 2023 wurde ein weiterer Ausbau abgeschlossen, eine weitere Erweiterung ist bereits in Planung. Diese Zusatzbelastungen sind in den bisherigen Berechnungen nicht berücksichtigt worden.

Japanische Fachleute warnen: Sollte keine grundlegende Lösung gefunden werden, könnte der Flughafen Kansai bis 2056 auf Meeresniveau sinken – oder sogar darunter. Ein Bauexperte formuliert es so: „Irgendwann wird der Flughafen im Meer versinken, wenn nichts passiert.“

Warum der Boden versagt

Ein Grund für das schnellere Absinken liegt im Verhalten der Ton- und Sandschichten unterhalb der Insel. Die Schichten komprimieren sich durch das Gewicht der Aufschüttung. Das Problem: Das darunterliegende Lehmfundament sollte nach dem Austrocknen fest wie Beton werden.

Doch möglicherweise dringt seit Jahren Meerwasser in den Untergrund ein – eine Folge des Drucks oder kleinster Undichtigkeiten. Damit bleibt das Material weich und verformbar. Auch die Pfeiler, auf denen Teile des Flughafens ruhen, stehen auf diesem labilen Grund.

Erdbeben und Taifune bringen zusätzliche Gefahr

Japan ist eines der erdbebenreichsten Länder der Welt. Auch Taifune mit meterhohen Sturmfluten gehören zum Alltag. Bei der Konstruktion berücksichtigte man diese Risiken. Die Start- und Landebahnen bestehen aus einer flexiblen Asphalt-Beton-Mischung, die leichte Verformungen zulässt. Und doch bleibt ein Restrisiko.

Im Jahr 2018 zeigte sich, wie anfällig das Projekt sein kann. Der Taifun Jebi trieb ein Tankschiff gegen die Brücke, die den Flughafen mit dem Festland verbindet. Der Flughafen war über Tage nicht erreichbar, über 3000 Menschen saßen fest.

Der tägliche Kampf gegen die Fehlplanung

Der Kansai Airport kämpft seit seiner Eröffnung permanent gegen die Folgen seines absinkenden Fundaments. Sichtbare Schäden wie fingerdicke Risse in der Abfertigungshalle und auf dem Rollfeld zeigen die dramatischen Auswirkungen des Baugrunds auf der künstlichen Insel. Um das Terminal in einer waagerechten Position zu halten, müssen Techniker jede Nacht einzelne der insgesamt 900 höhenverstellbaren Stahlpfeiler nachjustieren, wie der Focus berichtet – allerdings können sie pro Schicht nur etwa zehn Pfeiler bearbeiten. Dieser aufwendige Prozess ist ein fortwährender Kampf gegen die Schieflage des gesamten Bauwerks.

Trotz dieser gravierenden Schwierigkeiten und der hohen laufenden Kosten halten die Verantwortlichen in Japan am Projekt fest. Im Jahr 2007 wurde sogar eine zusätzliche vier Kilometer lange Rollbahn ins Meer gebaut – ein weiteres kostspieliges Unterfangen. Architekten wie Kenzo Taga berichten offen von der enormen Belastung durch die ständige Absenkung während der Bauphase und den wiederkehrenden Instandhaltungsarbeiten.

Immerhin kommt das Gepäck garantiert an

Trotz all dieser Herausforderungen gilt der Flughafen Kansai in einem Punkt als vorbildlich: der Gepäckabfertigung. Seit seiner Eröffnung ist laut Betreiber kein einziges Gepäckstück verloren gegangen. Im Jahr 2023 wurden zum Beispiel rund 10 Millionen Gepäckstücke verarbeitet – fehlerfrei.

Ein Grund dafür ist die präzise Organisation. Zwei bis drei Mitarbeitende kontrollieren jede Gepäckladung. Jedes Flugzeug hat einen eigenen Ablaufplan. Besonders auffällig: Das Personal legt Wert auf Details. Koffer werden auf dem Laufband so platziert, dass die Griffe nach außen zeigen. Für die Passagierinnen und Passagiere ein kleiner, aber spürbarer Komfortgewinn.

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

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