Burg Solo 21.04.2026, 14:00 Uhr

Bürohaus in Garrel: Heizen mit 80 W Körperwärme

75 cm Ziegel und Naturkalk statt Klimaanlage: Wie die Burg Solo in Garrel durch thermische Masse und 80 W pro Kopf ein stabiles Klima schafft.

Blick in das Bürogebäude, das ohne Heizung auskommt

Das Bürogebäude kommt ohne eigene Heizung aus. Für angenehme Temperaturen sorgen 45 Mitarbeiter mit ihrem natürlichen Wärmeeintrag sowie die Abwärme des technischen Equipments.

Foto: Agmadata/Haga

In Garrel steht ein Bauwerk, das die gängige TGA-Planung infrage stellt. Während moderne Bürogebäude oft hochgerüstete Klimazentralen benötigen, setzt die „Burg Solo“ auf die Trägheit der Materie. Das IT-Unternehmen Agmadata nutzt hier ein physikalisches Prinzip, das eher an historische Sakralbauten erinnert als an moderne Glaspaläste: Die thermische Entkopplung durch Masse.

Die Physik des zweischaligen Mauerwerks

Das Gebäude ist als regelmäßiges Oktagon konstruiert. Diese Form reduziert das Verhältnis von Außenfläche zu Volumen, was die energetischen Verluste minimiert. Der entscheidende Faktor ist jedoch der Wandaufbau. Helmut Vossmann realisierte eine monolithische Außenwand von 75 cm Stärke.

Diese besteht aus zwei Schalen Poroton-Ziegeln von jeweils 36,5 cm. Dazwischen liegt eine lediglich 2 cm breite Luftschicht, die als zusätzliche thermische Trennung fungiert. Das Ergebnis ist eine enorme Wärmekapazität. Die Wand fungiert als Langzeitspeicher, der Tag-Nacht-Schwankungen mühelos glättet. Acht schlanke Betonsäulen im Inneren übernehmen die statische Last, sodass die Außenwände ihre bauphysikalische Wirkung voll entfalten können.

Top Stellenangebote

Zur Jobbörse
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur für Streckenplanung (w/m/d) Die Autobahn GmbH des Bundes
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Fachingenieur für Streckenplanung (w/m/d) Die Autobahn GmbH des Bundes
DFS Deutsche Flugsicherung-Firmenlogo
Produktmanager (w/m/d) für Systementwicklung iCAS DFS Deutsche Flugsicherung
Langen bei Frankfurt Zum Job 
WBS TRAINING AG-Firmenlogo
Schweißlehrer:in für WIG, MIG/MAG und E-Hand (m/w/d) WBS TRAINING AG
Dresden Zum Job 
M.E. SCHUPP Industriekeramik GmbH-Firmenlogo
Projektingenieur/in - Technische Projektierung / Presales Engineering (m/w/d) mit Schwerpunkt keramische Hochtemperatur-Isolationstechnik M.E. SCHUPP Industriekeramik GmbH
TenneT TSO-Firmenlogo
Parametrierer Stationsleittechnik (m/w/d) TenneT TSO
Audorf, Stockelsdorf Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur (w/m/d) für die Projektleitung von Lärmschutz- und Brückenbauwerken Die Autobahn GmbH des Bundes
Nürnberg Zum Job 
Max Bögl Bauservice GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Automatisierungstechniker (m/w/d) im Bereich Sondermaschinenbau Max Bögl Bauservice GmbH & Co. KG
Sengenthal bei Neumarkt in der Oberpfalz Zum Job 
Jungheinrich Aktiengesellschaft-Firmenlogo
Tech Lead (m/w/d) Electric Powertrain / Elektromotoren Jungheinrich Aktiengesellschaft
Norderstedt Zum Job 
GOLDBECK West GmbH-Firmenlogo
Architekt / Bauingenieur als Sales Manager (m/w/d) für schlüsselfertige Gewerbeimmobilien GOLDBECK West GmbH
Gemeinnützige Gesellschaft der Franziskanerinnen zu Olpe mbH (GFO)-Firmenlogo
Bauingenieur oder Projektmanager (m/w/d) Bau & Technik Gemeinnützige Gesellschaft der Franziskanerinnen zu Olpe mbH (GFO)
Dinslaken, Troisdorf, Hilden, Olpe, Bonn, Langenfeld Zum Job 
Schleifring GmbH-Firmenlogo
Arbeitsvorbereiter Fertigungssteuerung (m/w/d) Schleifring GmbH
Fürstenfeldbruck Zum Job 
Allbau Managementgesellschaft mbH-Firmenlogo
Projektleiter (m/w/d) Serielle Sanierung & GU-Projekte Allbau Managementgesellschaft mbH
Fraunhofer-Institut für Angewandte Festkörperphysik IAF-Firmenlogo
Projektleitung - Neubau Reinraum (all genders) Fraunhofer-Institut für Angewandte Festkörperphysik IAF
Freiburg im Breisgau Zum Job 
TenneT TSO-Firmenlogo
OT Security Engineer (m/w/d) TenneT TSO
Audorf, Stockelsdorf Zum Job 
Schmoll Maschinen GmbH-Firmenlogo
Konstruktionsingenieur / Maschinenbautechniker (m/w/d) Schwerpunkt Maschinen- & Anlagenbau Schmoll Maschinen GmbH
Rödermark Zum Job 
Immobilien Management Essen GmbH (IME)-Firmenlogo
(Senior) Projektkoordinator (m/w/d) Hochbau & Stadtentwicklung Immobilien Management Essen GmbH (IME)
Allbau Managementgesellschaft mbH-Firmenlogo
Projektentwickler (m/w/d) Immobilien Allbau Managementgesellschaft mbH
RINGSPANN GmbH-Firmenlogo
Vertriebsingenieur (m/w/d) als Produkt-Account-Manager Antriebskomponenten/Bremsen RINGSPANN GmbH
Bad Homburg Zum Job 
Crawford & Company (Deutschland) GmbH-Firmenlogo
Technical Expert / Sachverständiger (w/m/d) Bereich Global Technical Services Crawford & Company (Deutschland) GmbH
verschiedene Einsatzorte Zum Job 

Bilanzierung der internen Wärmequellen

Das Konzept „Heizen ohne Heizung“ basiert auf einer präzisen Kalkulation der Abwärme. Ein Mensch im Büro gibt konstant etwa 80 W an die Umgebung ab. Bei voller Belegung mit 45 Mitarbeitenden summiert sich dies auf eine Dauerleistung von 3,6 kW.

Hinzu kommen die technischen Lasten:

  • Hardware: Jeder Arbeitsplatz trägt mit Rechner und Monitoren zur Erwärmung bei.
  • Infrastruktur: Server, Kopierer und Beleuchtung erhöhen den Grundlast-Wärmeeintrag.
  • Haustechnik: Sogar die Kaffeemaschine ist in die thermische Bilanz eingerechnet.

Die TU Dresden hat dieses Szenario simuliert. Das Resultat: An 340 Tagen im Jahr bleibt die Raumtemperatur ohne aktives Zutun zwischen 22 und 26 Grad. Nur bei extremen Minusgraden oder langen Leerständen wird Energie benötigt. Dafür ist das Gebäude an den Gasbrennwertkessel eines Nebengebäudes angeschlossen. Die Wärmeübergabe erfolgt über eine Betonkernaktivierung – also wasserführende Rohre direkt im Beton der Decken und Böden.

550 m² Quadratmeter Fassadenfläche wurden mit Schweizer Naturkalk verputzt. Foto: Agmadata/Haga

Hygrische Pufferung durch Naturkalk

Ein massives Gebäude ohne mechanische Lüftung steht vor der Herausforderung der Feuchtigkeitsregulation. In Garrel lösen Naturbaustoffe dieses Problem. Die 550 m² Außenfassade und sämtliche Innenwände sind mit Naturkalk-Produkten von Haga verputzt.

Kalk ist hochgradig diffusionsoffen. Er kann bis zu 60 Liter Wasser pro 100 m² Wandfläche puffern. Steigt die Luftfeuchtigkeit durch die Anwesenheit vieler Menschen, nimmt der Putz die Feuchte auf. Sinkt sie, gibt er sie wieder ab. Das verhindert die typisch trockene Heizungsluft und schützt gleichzeitig vor Bauschäden. Durch den hohen pH-Wert von 13 ist der Putz zudem von Natur aus resistent gegen Schimmelpilze, was zusätzliche chemische Zusätze überflüssig macht.

Akustik und Materialeffizienz

In einem Gebäude mit harten Betonoberflächen und Sichtestrich ist die Akustik kritisch. Um den Nachhall in den offenen Bürolandschaften zu bändigen, wurde eine Akustikdecke aus verpresster Cellulose installiert. Diese fügt sich in das ökologische Gesamtkonzept ein, ohne die thermische Kopplung zur Betonkernaktivierung vollständig zu unterbrechen.

Auch beim Bodenbelag regierte der Pragmatismus. Da das Oktagon zahlreiche 45-Grad-Winkel aufweist, wäre das Verlegen von Bahnenware wie Linoleum extrem materialintensiv gewesen. Der Verschnitt hätte die Nachhaltigkeitsbilanz verschlechtert. Stattdessen entschied man sich für einen geschliffenen Sichtestrich, der die thermische Masse des Bodens unmittelbar nutzbar macht.

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.