Dikengyuan-Häuser 23.11.2025, 17:55 Uhr

Bauphysik aus 7000 Jahren: Chinas erstaunliche Erdloch-Häuser

Im Löss-Plateau Nordchinas wohnen Menschen in tiefen Grubenhöfen. Die Dikengyuan-Bauweise ist energieeffizient, kostengünstig und ein lebendes Bau-Fossil.

Dikengyuan

Blick auf traditionelle Dikengyuans in China. Hier leben seit rund 7000 Jahren Menschen unterirdisch in Behausungen, die in den Lössboden eingelassen sind.

Foto: picture alliance / Xinhua News Agency | Tao Ming

Im Norden Chinas gibt es Häuser, die vor 7000 Jahren so gebaut wurden, dass sie sich sowohl bei Kälte als auch bei Hitze angenehm bewohnen lassen. Eingegraben in eine dicke Schicht aus Löss benötigen sie im Winter keine Heizung und im Sommer keine Klimaanlage. Noch heute leben Menschen in diesen Gebäuden, die als Dikengyuan bezeichnet werden. Wir schauen uns die erstaunlichen Erdloch-Häuser genauer an.

Jahrtausendealte Wurzeln der Bauweise

Forschende gehen davon aus, dass diese Art von Gruben- und Höhlenwohnungen in der Lössregion bereits in der Jungsteinzeit, also vor etwa 7000 Jahren, existierten. Diese lange Geschichte macht die Bauform zu einem „lebenden Fossil“ in der Entwicklung menschlicher Wohnformen.

Trotzdem betonen Bauexpertinnen und Bauexperten, dass nachweislich erhaltene Häuser in dieser Region selten älter als rund 400 Jahre sind, da die Erdstrukturen Witterung und Verfall ausgesetzt sind. Die Tradition selbst reicht jedoch unbestritten Tausende von Jahren zurück.

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Millionen von Menschen wohnten in solchen Höfen

In der Vergangenheit lebten vor allem Landarbeiterinnen und Landarbeiter in diesen Behausungen. Es entstanden teils ganze unterirdische Netzwerke von Dörfern, die von außen kaum sichtbar waren. Schätzungen gehen davon aus, dass in der Geschichte Millionen von Menschen in solchen Höfen gewohnt haben.

Sogar bedeutende politische Figuren Chinas nutzten diese Art von Höhlenwohnungen. Beispielsweise wohnten Mao Zedong und seine Gefährten zeitweise in der Region Yan’an in Yaodong-Häusern. Chinas Präsident Xi Jinping verbrachte zudem als Jugendlicher mehrere Jahre in solchen Höhlenhäusern, als er im Rahmen der kommunistischen „Down to the Countryside“-Bewegung auf dem Land eingesetzt wurde.

Das Geheimnis des Lössbodens

Der Schlüssel zur Existenz dieser unterirdischen Architektur liegt in der einzigartigen Bodenbeschaffenheit Nordchinas, insbesondere auf dem Lössplateau. Dieses Hochland erstreckt sich über Provinzen wie Henan, Shaanxi und Gansu. Der Boden dort besteht aus Löss, einem feinkörnigen, gelben Sediment.

Dieses Material besitzt zwei entscheidende Eigenschaften:

  1. Bearbeitbarkeit: Löss ist weich genug, um von Hand mit einfachen Werkzeugen bearbeitet zu werden.
  2. Stabilität: Das Sediment ist gleichzeitig tragfähig genug, sodass die ausgehöhlten Räume ohne zusätzliche massive Stützkonstruktionen bestehen können.

Lim Tai Wei, Wissenschaftler am „East Asian Institute“ der Universität in Singapur, erklärt gegenüber dem „Business Insider“, dass der Bau der Dikengyuan vollständig auf Ziegelsteine verzichtet. Das Baumaterial ist buchstäblich der Boden selbst. Der Bau eines solchen Hauses soll heute nur etwa ein Fünftel der Kosten eines normalen, oberirdischen Gebäudes betragen, da nur wenige Baustoffe zugekauft werden müssen.

Li Hang Shi, ein Anwohner, der sein eigenes Erdloch-Haus in den 1970er-Jahren erbaute, bestätigt die Einfachheit des Materials: „Das ist Lehm mit Stroh gemischt. Diese Ziegel habe ich später ergänzt, früher gab es keine Ziegel.“

Aufbau und Klimaregulierung

Die Dikengyuan entstehen durch eine tiefe, rechteckige Grube, die sechs bis zehn Meter in die Erde gegraben wird. Dieser Grubenhof dient als zentraler, versunkener Innenhof, dessen Seitenlänge oft zwischen acht und zwölf Metern liegt. In die vier Wände dieser Grube werden anschließend die eigentlichen Wohn-, Lager- und Nutzräume horizontal in den Lössboden hineingehauen.

Der Hof ist dabei die einzige Quelle für natürliches Licht und Belüftung. Regenwasser versickert dabei in einer Grube am Boden des Hofes, um Überschwemmungen zu verhindern.

Der Zugang zur unterirdischen Behausung erfolgt meist über eine lange, schräge Rampe oder eine Reihe von Stufen, die in eine der Wände geschlagen werden und hinab zur Hofebene führen.

 

Dikengyuan

Die Dikengyuan kommen in der Regel ohne Heizung oder Klimaanlage aus.

Foto: picture alliance / Xinhua News Agency | Tao Ming

Ingenieurwissen: Thermische Trägheit

Die Architektur der Dikengyuan ist eine gezielte Anpassung an das extrem kontinentale Klima der Region, das durch harte Winter und sehr warme Sommer geprägt ist. Hier spielt die thermische Trägheit der massiven Erdschicht ihre Stärke aus.

Der Boden wirkt wie ein natürlicher Temperaturregler:

  • Im Sommer: Die Erdüberdeckung hält die Hitze ab. Im Innenraum herrscht eine angenehm kühle Temperatur von konstant etwa 14 Grad Celsius.
  • Im Winter: Die massive Dämmung speichert die Wärme und isoliert gegen die Kälte. Auch in der kalten Jahreszeit bleibt die Temperatur relativ stabil.

Dank dieser natürlichen Isolation benötigen die Bewohner weder Heizung noch Klimaanlage. Dies macht die Bauweise zu einem Vorbild für Energieeffizienz und kostengünstiges Wohnen, selbst ohne moderne Technologie. Die Bauweise ist kein romantisches Relikt, sondern ein gezielt entwickeltes Anpassungsmodell an die Umweltbedingungen.

Leben in der Tiefe

Die Wohnräume selbst haben oft einen rechteckigen Grundriss und eine gewölbte Deckenkonstruktion, die der Statik dient und dem Druck der Erde standhält. Diese Form spiegelt auch das traditionelle chinesische Konzept von „rundem Himmel und quadratischer Erde“ wider.

Ein typisches Detail im Inneren ist das traditionelle „Kang“-Bett. Dabei handelt es sich um ein gemauertes Steinbett. „Das Bett ist ein gemauertes Steinbett, auf dem lediglich eine dünne Matte zum Schlafen liegt“, berichtet ein Reporter.

Früher beheizte man den Raum durch ein Feuer, das unter diesem Bett gemacht wurde. Heute sind die Höhlenhäuser häufig modernisiert und verfügen über Strom, fließendes Wasser und Solarpanels, um zeitgemäßen Komfort zu bieten.

Herausforderungen der Moderne

Viele der Anlagen stehen heute unter Schutz. Seit 2011 sind die Dikengyuan als immaterielles Kulturerbe Chinas anerkannt. Lokale Regierungen haben erhebliche Fördermittel bereitgestellt, um die jahrtausendealte Bauweise zu bewahren und den Tourismus zu fördern.

Besonders die Region Shanzhou im Verwaltungsgebiet Sanmenxia (Provinz Henan) hat ganze Siedlungen in touristische Hotspots verwandelt. Ehemalige Wohnräume dienen nun als Ausstellungsflächen, die den Alltag der Bewohner dokumentieren. Attraktionen wie Laternenfeste und Handwerksvorführungen ziehen Tausende von Reisenden an.

Manche Investoren haben historische Höfe in moderne Hotels umgewandelt. Sie fügen Betonverstärkungen, Strom, Heizung und Solarpanels hinzu. Damit können Besuchende die Vergangenheit erleben, ohne auf modernen Komfort verzichten zu müssen.

Dennoch stehen die Dikengyuan vor Herausforderungen:

  • Abwanderung: Viele jüngere Generationen ziehen zum Arbeiten in die Städte.
  • Modernisierung: Der nachträgliche Einbau von moderner Infrastruktur und der Standardisierung von Komfort (Licht, Lüftung, Feuchtigkeit) ist schwierig und teuer.
  • Erhaltung: Bei Vernachlässigung drohen Einstürze oder Verfall der Erdstrukturen.

Trotz der Modernisierung und touristischen Nutzung wohnen vereinzelt noch immer ältere Menschen in den Dikengyuan. Sie erhalten damit die ursprüngliche Tradition dieser an das Klima angepassten, unterirdischen Behausungen.

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

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