Serviceroboter aus Deutschland 06.01.2026, 09:00 Uhr

United Robotics Group stellt zur CES neuen Roboter auf die Beine

Die neu aufgestellte United Robotics Group stellt auf der Consumer Electronics Show (CES) 2026 einen humanoiden Roboter vor. Das plant das deutsche Unternehmen.

Der humanoide Roboter „uMe“ von der United Robotics Group aus Deutschland gehört zu den Neuheiten auf der CES 2026.  Foto: United Robotics Group

Der humanoide Roboter „uMe“ von der United Robotics Group aus Deutschland gehört zu den Neuheiten auf der CES 2026.

Foto: United Robotics Group

Nicht einmal ein Jahr nachdem die United Robotics Group (URG) Insolvenz anmelden musste, kommt das Unternehmen mit einem Paukenschlag auf der Consumer Electronics Show (CES) wieder zurück. Dort präsentiert die URG einen eigenen humanoiden Roboter. Möglich macht das eine Neuaufstellung des Unternehmens. Hauptsitz ist seit September 2025 Stuhr bei Bremen und nicht mehr Bochum.

Für die Region Bochum mag es das traurige Ende der Vision sein, zu einem wichtigen Standort für die Entwicklung zukünftiger Robotergenerationen zu werden. Für die Entwicklung der Robotik in Deutschland kann die neue URG durchaus eine Chance sein.

Roboter für Pflege und Laborautomation im Fokus

Unternehmensgründer und URG-CEO Wassim Saeidi zeigt sich zum Start der Consumer Electronics Show in Las Vegas optimistisch. Der Fokus des Unternehmens liegt jetzt klar auf den Bereichen Pflege- und Laborautomation sowie Ausbildung. Die Firma kann dabei auf ein bestehendes Servicenetz aufbauen und einen etablierten Kundenstamm. Dazu zählen laut Saeidi beispielsweise das Universitätsklinikum Essen, das Universitätsklinikum Marburg, die Asklepios Kliniken sowie Kunden in den USA, Arabien und Spanien.

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Zu den bereits bekannten mobilen Robotern stellt die Firma in der Wüste Nevada nun einen eigenen humanoiden Roboter mit Beinen vor. Fast schon symbolisch kommt das Unternehmen damit wieder auf die Beine. Doch warum begibt sich das die URG damit auf eine instabile Plattform?

Zum Portfolio der neuen URG gehören bisher verschiedene mobile Roboter. Das reicht von der uLab-Serie mit einem Roboterarm, über die Transportroboter der uLog- und uServe-Serien bis hin zu Reinigungsrobotern (uClean) und Überwachungsrobotern (uRun) für Innen- und Außenbereiche. Die meisten Modelle verfügen über ein Display mit großen markanten Augen. Alle fahren auf Rollen. Das reicht in Hotels und Krankenhäusern mit Aufzügen eigentlich aus. Zudem stehen die mobilen Plattformen sehr stabil.

Deshalb gibt es bei URG künftig wieder humanoide Roboter

Einen Roboter auf Beine zu stellen und noch menschlicher wirken zu lassen, ist für URG-CEO Saeidi dennoch naheliegend. Er spielt dabei auf die kleinen humanoiden Roboter Pepper und NAO an, die noch zum Portfolio der alten URG gehört hatten (s. Kasten). „Alle, die den Pepper gesehen haben, haben ihn spontan über den Kopf gestreichelt. Wir haben also erlebt, wie Peppers Bewegung mit den zwei Armen, mit dem Gesicht die Leute zur Interaktion animiert“, fasst er Erfahrungen aus dem Pflegebereich zusammen. Für eine intensive soziale Interaktion fehle inzwischen menschlichen Pflegekräften dagegen immer häufiger die Zeit. Das führe zu zusätzlichem Stress.

Der neue humanoide Roboter uMe soll hier für Entlastung sorgen. „Das hört sich erst einmal widersprüchlich an“, räumt Saeidi ein. „Aber auch eine Maschine, die die Illustration einer menschlichen Psyche mit sich führt, baut eine soziale Bindung auf. Er verweist auf Erfahrungen mit Rheumapatienten und bei Demenzkranken. Der Firmenchef hat dazu auch Gespräche mit Fachkräften geführt: „Insbesondere für Pfleger ist das unheimlich belastend, nicht überall sein zu können.“ Gleiches gelte für Menschen, die im Pflegeheim arbeiten und auch Sterbende begleiten.

Roboter für die Motivation in der Ausbildung

Auch im Bildungsbereich – der „Education“, wie er es nennt – setzt Saeidi auf die soziale Komponente. Da helfe das humanoide Erscheinungsbild der Roboter junge Menschen zu motivieren. Vom NAO-Roboter kennt er noch die globalen Wettbewerbe, bei denen Teams Programme entwickeln mussten. Da ging es beispielsweise darum, dem liegenden Roboter wieder auf die Beine zu helfen. „Roboter helfen also auch dabei Professionalität und Ideen anzuregen sowie neue Geschäftsfelder zu erschließen, aber auch neue Lösungen zu schaffen.“ Saeidi sagt: „Wir können damit das Wissen und die Bewegung globalisieren. Der Umweg über die Technologie hilft Menschen den Zugang zu neuen Berufsfeldern zu finden.“

Die Roboter Pepper und NAO haben dafür laut Saeidi den Grundstein gelegt. Trotz seiner zwei Räder habe Pepper aber nicht richtig fahren können und wurde zuletzt vor allem für den Bildungsmarkt optimiert. „Wir wollten ein Produkt, das parallel zum Bildungsmarkt auch Industriezweige wie das Gesundheitswesen erschließt.“

Humanoider Roboter bekommt spezielles Navigationssystem

Das neue Modell uMe wirkt schon optisch deutlich moderner. Der Roboter ist 1,20 m groß und etwa 30 kg schwer. Die Komponenten dafür stammen laut Saeidi weitestgehend von internationalen Partnern. Die Software entwickelt URG dagegen selbst. „Der humanoide Roboter ist dabei Teil unseres Ökosystems. Dort integrieren wir alle unsere Applikationen“, erklärt der Unternehmer. „Wir arbeiten dazu auch mit dem DLR zusammen.“ Als aktuelle Entwicklungsbeispiele nennt er softwaredefinierte Fähigkeiten, insbesondere für KI-gestützte Abläufe.

Besonders stolz ist er auf die Kerntechnologie zur Navigation humanoider Roboter aus seinem Haus. „Dafür haben wir ein Patent vom Fraunhofer-Institut gekauft. Die Navigationstools sollen den Roboter zu Entscheidungen leiten können.“ Genau hier sieht er auch einen wesentlichen Unterschied zu den Modellen, die in teils spektakulären Videos präsentiert werden. „Die Hersteller der Humanoiden haben höchstens Pilotprojekte, wir haben dagegen bereits Roboter im Einsatz. Für uns ist der humanoide Roboter ein ergänzendes Produkt.“

Praktische Erfahrungen mit mobilen Robotern fließen in Humanoide ein

Durch den mobilen Manipulationsroboter uLab verfüge man z. B. bereits über Routine im Laboralltag. „Dadurch haben wir ein sehr tiefes Verständnis von den Bedürfnissen. Wir wissen, wie solide ein reelles Produkt sein muss, um sich in der Praxis zu etablieren.“

Die URG selbst fokussiert sich dabei stark auf den Gesundheitsbereich. „Unser Partnernetzwerk und unsere Partner gehen aber in viele verschiedene Bereiche, wie Flughäfen, Kantinen, Flughäfen, die Industrie und auch Möbelhäuser.“

Für den Einsatz in Krankenhäusern habe man den uMe bereits nach der entsprechenden Richtlinie vom TÜV Süd freigeben lassen. Auch Einsätze der unterschiedlichen Robotermodelle im OP seien künftig geplant. Die Routinen, die man mit den bestehenden Modellen bereits in Laboren und der Pflege habe, wolle man dazu übertragen. „Der Laborbereich ist da weiter als die anderen Anwendungen. Da haben wir die Oberflächen und die Techniken so ausgewählt, dass sie den Normen entsprechend eingerichtet und gereinigt werden dürfen“, so der URG-Chef.

Noch hat der Roboter „uMe“ keine Hände. Die sollen aber folgen. Aus guten Gründen wird es laut Hersteller aber keine Fünf-Finger-Hände geben.

Foto: United Robotics Group

Hände des Roboters sollen einfach und zuverlässig sein

In Bezug auf die Hände weicht die URG von der humanoiden Form ab. Saeidi lässt durchblicken, dass es künftig zwei oder drei Finger geben wird, statt Fünf-Finger-Hände. Seine Begründung: „Wenn Sie versuchen einen Stift zwischen Ihren Fingern zu zentrieren, ist das sehr kompliziert. Mit zwei Fingern ist das deutlich einfacher. Wir werden also nicht versuchen der Physik mit viel Rechenleistung zu trotzen, sondern etablierte Lösungen einsetzen.“ Damit sei es leichter, neue Einsatzfälle schnell und zuverlässig abzubilden.

Die Basisversion des humanoiden Roboters uMe soll etwa 39.900 € kosten. Mit verschiedenen Ausbaustufen können es bis zu 70.000 € sein. „Wir werden aber eine Vision rausbringen, die es ermöglicht, ein System direkt einzusetzen“, sagt Saeidi. Die Basisversion soll ab Mitte 2026 verfügbar sein.

Durch die neue Konstellation bei der URG ist das Unternehmen nun nicht mehr von Investoren-Pitches getrieben. Saeidi und seine Geschäftsführungskollegin Kerstin Wagner wollen sich stattdessen vor allem mit der Realität bei den Anwendern beschäftigen und weniger mit „Storytelling“. So bezeichnet man die zumeist eindrucksvollen Präsentationen, mit denen viele aufstrebende Roboterhersteller Kunden, aber vor allem auch Investoren beeindrucken wollen.

Ein Beitrag von:

  • Martin Ciupek

    Martin Ciupek ist Ingenieur und Technikjournalist mit den Schwerpunkten Maschinenbau, Robotik und Automatisierungstechnik.

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