Figure 03 auf dem roten Teppich 26.03.2026, 20:34 Uhr

Nicht Tesla: Dieser Roboter lief neben Melania Trump im Weißen Haus

Melania Trump präsentiert im Weißen Haus einen humanoiden Roboter, doch nicht Teslas Optimus. Warum Figure 03 plötzlich im Fokus steht.

Melanie Trump und Figure 03 auf dem roten Teppich

Melanie Trump und Figure 03 auf dem roten Teppich: Der humanoide Roboter wurde dem Tesla Optimus vorgezogen.

Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com | Gent Shkullaku

Das Bild bleibt hängen: Melania Trump läuft durch die Flure des Weißen Hauses. An ihrer Seite kein Staatsgast, sondern eine 1,73 m große, schwarz-weiße Maschine. Kein Gesicht, klare Linien, kontrollierte Bewegungen.

Beim Gipfel „Fostering the Future Together“ präsentiert die First Lady ihre Ideen für die Zukunft der Bildung. Doch in der Tech-Szene sorgt vor allem eine andere Frage für Aufmerksamkeit: Warum steht dort nicht der Roboter von Elon Musk?

Ein Newcomer im East Room

Obwohl Musk eine sichtbare Rolle im Umfeld der US-Politik spielt, bleibt sein humanoider Roboter „Optimus“ außen vor. Stattdessen tritt „Figure 03“ auf.

Entwickelt wurde das System von Figure AI. Das Unternehmen hat erst vor kurzer Zeit mehr als eine Milliarde US-Dollar an Finanzierung eingesammelt. Zu den Investoren zählen unter anderem Nvidia und LG.

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Für Gründer Brett Adcock ist der Auftritt ein Meilenstein: „Figure 03 hat Geschichte als erster humanoider Roboter im Weißen Haus geschrieben.“ Für das Start-up ist das mehr als nur Aufmerksamkeit. Es ist ein strategisch wichtiger Moment. Dass ausgerechnet ein vergleichsweise junges Unternehmen vor Tesla zum Zug kommt, fällt auf.

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Figure 03 begrüßt Menschen in verschiedenen Sprachen

Figure 03 ist kein reines Showobjekt. Mit rund 61 kg Gewicht ist der Roboter darauf ausgelegt, sich in einer für Menschen gebauten Umgebung zu bewegen. Sein direkter Vorgänger Figure 02 hat schon bei BMW am Band gearbeitet.

Im Kern arbeitet ein KI-System namens „Helix“. Dahinter steckt ein Vision-Language-Action-Modell. Vereinfacht gesagt: Der Roboter sieht seine Umgebung über Kameras, versteht gesprochene Sprache und leitet daraus Handlungen ab.

Frühere Systeme des Unternehmens waren vor allem für industrielle Aufgaben gedacht. Im Weißen Haus übernimmt Figure 03 eine andere Rolle. Er begrüßt Gäste, spricht mehrere Sprachen und interagiert sichtbar mit der Umgebung.

Die Vision vom Hauslehrer „Plato“

Den eigentlichen Fokus setzt die First Lady auf das Thema Bildung. KI soll künftig nicht nur im Hintergrund arbeiten, sondern als physisches Gegenüber auftreten.

„Sehr bald wird künstliche Intelligenz von unseren Mobiltelefonen auf Humanoide übergehen, die einen praktischen Nutzen bieten“, erklärt sie.

Trump entwirft das Bild eines Roboters namens „Plato“. Ein System, das Kinder individuell begleitet. Es soll Wissen vermitteln, sich anpassen und jederzeit verfügbar sein.

Die Idee dahinter:

  • Lernen wird personalisiert
  • Inhalte passen sich dem Tempo an
  • Unterstützung ist jederzeit verfügbar

Gleichzeitig gilt: Der eingesetzte Roboter hat mit dieser Vision noch nichts zu tun. Figure 03 ist nicht für Bildungsanwendungen entwickelt worden. Sein Auftritt macht vor allem sichtbar, wohin die Entwicklung gehen könnte.

Figure 03 winkt und die Damen stehen stramm: Die polnische First Lady Marta Nawrocka, die französische First Lady Brigitte Macron und die US-amerikanische First Lady Melania Trump. Foto: picture alliance / abaca | Gripas Yuri/ABACA

Knallharte Wirtschaftspolitik

Hinter der freundlichen Begrüßung durch den Roboter steckt jedoch knallharte Wirtschaftspolitik. Die Trump-Administration sieht in der KI-Robotik ein entscheidendes Feld im Wettbewerb mit China. Peking drängt massiv in den Markt für Humanoide und präsentiert regelmäßig neue Modelle.

Für Melania Trump ist die technologische Vormachtstellung eine Frage der nationalen Sicherheit und des Wohlstands: „Auf diese Weise werden die Vereinigten Staaten ihre langfristige wirtschaftliche Überlegenheit sichern. Dies wird das BIP-Wachstum ankurbeln […] und unserer Nation die Kontrolle über das wohl wichtigste Kapital der Zukunft verschaffen – geistiges Eigentum“, betonte sie.

Warum nicht Optimus?

Die zentrale Frage bleibt: Warum steht nicht Teslas Roboter im Weißen Haus? Ein direkter Vergleich der Systeme ist schwierig. Beide befinden sich noch in der Entwicklung. Öffentliche Einblicke sind begrenzt.

Was sich jedoch beobachten lässt: Figure zeigt derzeit Anwendungen, die in klar strukturierten Umgebungen funktionieren. Genau das ist für einen Auftritt wie im Weißen Haus entscheidend. Solche Events lassen keinen Spielraum für Fehler. Systeme müssen zuverlässig reagieren. Nicht maximal innovativ, sondern stabil. Hier scheint Figure aktuell einen Vorteil zu haben.

Merkmal Figure 03 Tesla Optimus
Größe 1,73 m ca. 1,73 m
Gewicht 61 kg ca. 57 kg
KI-System Helix (VLA-Modell) nicht öffentlich spezifiziert
Fokus strukturierte Aufgaben, Interaktion Industrie, Haushalt
Status Prototyp Prototyp

Vielleicht wollte die First Lady auch ein Zeichen setzen, dass der Markt für humanoide Roboter breiter aufgestellt ist als nur die Welt von Elon Musk. Figure 03 wird derzeit zwar noch nicht kommerziell vertrieben, doch die Demonstration im Weißen Haus zeigt, dass die Zeit der Science-Fiction vorbei ist.

Ein Blick in die Zukunft

Ob Roboter tatsächlich bald als Pädagogen in Kinderzimmern stehen, bleibt abzuwarten. Die technischen Hürden bei der Sicherheit und der ethische Umgang mit KI-gesteuerten Lehrkräften sind Themen, die auch auf dem Gipfel von Teilnehmenden wie Brigitte Macron kritisch hinterfragt wurden.

Eines hat der Auftritt jedoch geschafft: Die Diskussion über Humanoide ist in der Mitte der Gesellschaft – und im Zentrum der Macht – angekommen. Ob beim nächsten Mal dann doch ein Tesla-Roboter die Tür öffnet, wird wohl auch davon abhängen, wie schnell Elon Musk seine Maschinen zur diplomatischen Etikette erzieht.

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

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