Jetzt kommt Robird 20.04.2016, 09:47 Uhr

Dieser Roboter-Falke vertreibt Vogelschwärme an Flughäfen

Wenn ein Passagierflugzeug in einen Vogelschwarm gerät, kann das im schlimmsten Fall zum Absturz der Maschine führen. Gerade beim Start und bei der Landung können sich die Wege von Flugzeug und Vogel kreuzen. Ein Roboter-Falke aus den Niederlanden könnte sich als Wunderwaffe gegen Vögel erweisen.

Robird kurz vor dem Abflug: Künftig könnte der Roboter-Falke an Flughäfen dafür sorgen, dass sich immer weniger Vögel dorthin trauen und damit auch die Gefahr von Kollisionen mit Flugzeugen sinkt. 

Robird kurz vor dem Abflug: Künftig könnte der Roboter-Falke an Flughäfen dafür sorgen, dass sich immer weniger Vögel dorthin trauen und damit auch die Gefahr von Kollisionen mit Flugzeugen sinkt. 

Foto: Clear Flight Solutions

Mit einer kräftigen Armbewegung wirft der Falkner ihn weit fort von sich, den Falken Robird mit seinen großen hungrigen Augen und dem spitzen Schnabel. Das fliegende Tier mit dem ungewöhnlichen Namen kommt aus dem 3D-Drucker und soll abschreckend wirken.

Der Gründer von Clear Flight Solutions: Nico Nijenhuis.

Der Gründer von Clear Flight Solutions: Nico Nijenhuis.

Quelle: Clear Flight Solutions

Der Roboter-Falke ist die neueste Waffe gegen Vogelschwärme auf Flughäfen, Flächen der landwirtschaftlichen Nutzung, Müllverarbeitung, Häfen sowie Gelände der Öl- und Gasindustrie. Die klassische Vogelscheuche ist ein Auslaufmodell. Robird schwingt sich im Demonstrationsvideo mit schnellen Flügelschlägen hoch in die Lüfte und stürzt sich dann vom Piloten gesteuert in den nächsten Vogelschwarm – und treibt ihn gekonnt auseinander.

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„Vögel lernen, das Jagdgebiet eines Greifvogels zu meiden“

Genau darin liegt die Stärke Robirds. Er ahmt sein natürliches Vorbild, den Falken, so glaubwürdig nach, dass Vögel ihn als natürlichen Feind wahrnehmen und sein Revier in Zukunft meiden. „Vögel lernen, das Jagdgebiet eines Greifvogels zu meiden“, erklären die Entwickler des Roboter-Falken. „Als Folge sinken die Vogelzahlen um 50 Prozent und mehr, je nach Ort und Umweltbedingungen.“ Robird wurde von einer Firmenausgründung der University of Twente in den Niederlanden entwickelt. Der Rumpf kommt aus dem 3D-Drucker, die Flügel werden in den Räumen der Firma Clear Flight Solutions in Enschede aufwändig in Airbrush-Technik bemalt.

In Weeze erster Test auf einen Flughafen

Der täuschend echt aussehende Robird hat jetzt erstmals einen Test auf einem Flughafen hinter sich gebracht. „Der Besuch in Weeze war ein historischer Schritt für den Robird und unser Unternehmen. Mit unseren Robirds und Drohnen sind wir schon vielerorts im Einsatz, aber auf einem Flughafen waren wir bisher nicht“, sagt Nico Nijenhuis“.

Neues Arbeitsgebiet für Robird: Seine Flughafentauglichkeit wurde zunächst am Regionalflughafen Weeze getestet. 

Neues Arbeitsgebiet für Robird: Seine Flughafentauglichkeit wurde zunächst am Regionalflughafen Weeze getestet.

Quelle: Clear Flight Solutions

Nijenhuis gründete nach seinem Masterstudium an der University of Twente im Fachbereich Maschinenbau Clear Flight Solutions. Das kleine universitäre Spin-Off beschäftigt inzwischen 15 Mitarbeiter

„Menschliche Komponente bleibt enorm wichtig“

Der Regionalflughafen bei Weeze in Nordrhein-Westfalen wurde von Nico Nijenhuis für die Testflüge des Roboter-Falken aufgrund der recht geringen Anzahl an Flugbewegungen ganz bewusst ausgesucht. „Wir arbeiten in einem Hochrisikobereich und müssen alles genau testen. Beim Robird kommen die neuesten Technologien zum Einsatz, aber die menschliche Komponente bleibt enorm wichtig.“

„Vogelschlag ist ein echtes Problem“

Noch ist es daher ein Pilot, der den Roboter-Falken steuert. Langfristig ist allerdings das Ziel, die Robirds autonom Patrouille rund um die Flughäfen fliegen zu lassen. Der materielle Schaden auf Flughäfen durch Kollisionen mit Vögeln wird weltweit auf mehrere Milliarden Euro geschätzt.

Noch benötigt Robird einen Piloten.

Noch benötigt Robird einen Piloten.

Quelle: Clear Flight Solutions

Im schlimmsten Fall droht ein Flugzeugabsturz. Immer wieder geraten Flugzeuge in Konflikte mit Vogelschwärmen. „Vogelschlag ist ein echtes Problem“, sagt der Sprecher des Flughafens in Weeze, Holger Terhorst. Bisher ist in Weeze ein Vogelschutzbeauftragter für die Beobachtung und Vergrämung der Vögel zuständig.

Pilot wurde der „Held vom Hudson“

Spektakulär war die Notwasserung des US-Airways-Flug 1549 am 15. Januar 2009 auf dem Hudson-River in New York durch den Piloten Chesley B. Sullenberger, nachdem die Maschine mit einem Vogelschwarm kollidierte.

Bergung eines Airbus A320 aus dem Hudson River in New York: Der Pilot musste notlanden, nachdem Vogelschlag beide Triebwerke lahmlegte.

Bergung eines Airbus A320 aus dem Hudson River in New York: Der Pilot musste notlanden, nachdem Vogelschlag beide Triebwerke lahmlegte.

Quelle: Gino Domenico/dpa

Als Folge der Kollision fielen beide Triebwerke aus. Der als „Held vom Hudson“ gefeierte Sullenberger verhinderte mit seiner Notwasserung eine Katastrophe, alle 155 Menschen an Bord überlebten den Crash mit den Vögeln.

 

Ein Beitrag von:

  • Detlef Stoller

    Detlef Stoller ist Diplom-Photoingenieur. Er ist Fachjournalist für Umweltfragen und schreibt für verschiedene Printmagazine, Online-Medien und TV-Formate.

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