2. Weltkrieg 05.06.2025, 15:00 Uhr

Bomben-Blindgänger: Sind ferngesteuerte Bagger die Lösung?

Ferngesteuerte Bagger gegen Blindgänger: Ist das die Zukunft der Bombenräumung? Ein Blick auf Technik und Praxis in Deutschland.

Fliegerbombe aus dem zweiten Weltkrieg

Das Beseitigen von Blindgängern aus dem Zweiten Weltkrieg ist immer mit Risiko verbunden - kann eine ferngesteuerte Bombenräumung es mindern?

Foto: PantherMedia / max5128

Auch 80 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs schlummern noch immer gefährliche Überbleibsel unter unseren Füßen. Blindgänger, also Bomben, die beim Abwurf nicht detonierten, liegen nach wie vor in den Böden deutscher Städte, auf Feldern, Industriebrachen oder an alten Bahnknotenpunkten. Sie sind unsichtbar und gefährlich. Und sie tauchen immer wieder auf.

Schätzungen zufolge sind 10 bis 20 % der damals abgeworfenen zwei Millionen Tonnen Munition nicht explodiert. Besonders betroffen sind: Nordrhein-Westfalen, Berlin oder Hamburg. Allein in NRW registrieren die Behörden jedes Jahr rund 3000 Bombenfunde. Zuletzt machte Köln Schlagzeilen, als 20.000 Menschen ihre Wohnungen verlassen mussten, Krankenhäuser geräumt wurden und die halbe Stadt lahmgelegt war.

Wie Blindgänger heute in Deutschland entschärft werden

Die Verantwortung für die Entschärfung liegt bei den Kampfmittelräumdiensten (KMRD) der einzelnen Bundesländer. Diese arbeiten mit Ordnungsämtern, Polizei, Feuerwehr und Katastrophenschutz zusammen. Sobald ein Verdachtsfall gemeldet wird, beginnt eine bewährte Routine – gefährlich bleibt sie dennoch.

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Bevor der erste Spatenstich erfolgt, prüfen Fachbüros anhand historischer Luftbilder, ob das Gebiet ein mögliches Bombenziel war. Bei Auffälligkeiten folgen geophysikalische Messungen. Wenn sich ein Fund bestätigt, rückt der KMRD aus. Die Expertinnen und Experten vor Ort analysieren den Sprengkörper und entscheiden, wie weiter verfahren wird: entschärfen oder sprengen.

Zünder entscheiden über Risiko

Blindgänger sind nicht gleich Blindgänger. Entscheidend ist der verbaute Zünder. Bei Aufschlagzündern sitzt häufig ein gespannter Schlagbolzen im Inneren. Wird die Bombe bewegt, kann es zur Detonation kommen. Noch gefährlicher sind sogenannte Langzeitzünder. Diese arbeiten chemisch – mit einem Mechanismus, der teils Jahrzehnte später noch aktiviert werden kann. In Deutschland kommt es jährlich zu ein bis zwei spontanen Detonationen solcher Altlasten.

Bevor mit der eigentlichen Arbeit begonnen wird, muss das Umfeld evakuiert werden. Der Sperrradius kann – abhängig von der Größe der Bombe – bis zu 1000 Meter betragen. Das betrifft in Städten oft mehrere Tausend Menschen. Die Einsatzkräfte dürfen erst beginnen, wenn das Sperrgebiet vollständig geräumt ist.

Werkzeuge gegen die Gefahr

Je nach Zündertyp kommen unterschiedliche Werkzeuge zum Einsatz:

  • Einfache Aufschlagzünder werden mit Spezialzangen entfernt.
  • Komplizierte Konstruktionen erfordern ein Ausdrehimpulsgerät.
  • Chemische Langzeitzünder trennt man meist mit einem Wasserstrahlschneidgerät ab – ferngesteuert, aber nicht autonom.
  • Ist keine Entschärfung möglich, wird kontrolliert gesprengt – mit Sand, Wasser oder Strohballen zur Dämpfung.

Die Arbeit ist präzise, gefährlich – und bis heute stark vom Faktor Mensch abhängig. Schutzkleidung hilft kaum. Wer entschärft, steht sprichwörtlich auf einer tickenden Zeitbombe.

Ferngesteuerte Technik aus Norwegen: Ein Blick in die Zukunft?

In Norwegen setzt ein Projekt derzeit neue Maßstäbe in Sachen Sicherheit. Auf dem Gelände des ehemaligen Munitionswerks Raufoss steuert ein junger Maschinist einen Bagger – aus sicherer Entfernung. Sein Arbeitsplatz liegt mehrere hundert Meter entfernt von der Gefahrenstelle. Bedient wird ein umgerüsteter Cat 325 mit Kameras und verzögerungsfreier Videoübertragung.

Das norwegische Technologieunternehmen Steer AS hat das System entwickelt. Die Fernsteuerung ist präzise, robust und funktioniert sogar mit schwerem Gerät wie Rototilts, Greifern oder Magnetplatten. Letztere kommen im Raufoss-Projekt zum Einsatz, um Metallteile im Erdreich zu erkennen – bevor Menschen den Boden betreten. Die norwegischen Streitkräfte sind Teil des Projekts.

Peder Grindflek, der Maschinenführer, beschreibt seine Erfahrung so: „Einen ferngesteuerten Bagger zu bedienen ist etwas anders als der normale Arbeitsalltag, aber mit ein paar Jahren Bagger-Erfahrung und früheren Fernsteuerungsprojekten sind Ergebnis und Fortschritt fast identisch.“

Vorteile der Fernsteuerung

Für Monica Engejordet, HSE-Verantwortliche im Industriepark Raufoss, ist der Nutzen klar:
„Der Einsatz eines ferngesteuerten Baggers reduziert das Risiko von Personenschäden erheblich und ermöglicht gleichzeitig eine deutlich effizientere Durchführung als mit manueller Ausrüstung.“

Die Technik spart nicht nur Zeit, sondern schützt vor allem das Leben der Beteiligten. Auch beim Rückbau von Übungsplätzen wie in Hjerkinn hat sich die Technologie bereits bewährt. Inzwischen gibt es sogar Fernsteuerungen für Walzen. Diese entstanden durch eine Zusammenarbeit von Steer mit dem deutschen Maschinenhersteller Bomag. Dabei wurde erfolgreich eine Walze in Boppard, Deutschland, ferngesteuert direkt vom Büro in Oslo bedient.

Warum in Deutschland bislang kaum ferngesteuert entschärft wird

Die Vorteile liegen auf der Hand – doch in Deutschland bleibt die ferngesteuerte Bombenräumung die Ausnahme. Zwar kommen ferngesteuerte Wasserstrahlschneidgeräte bei besonders riskanten Zündern zum Einsatz. Doch der Großteil der Arbeit bleibt Handarbeit.

Woran liegt das?

Zum einen ist jeder Fund ein Einzelfall. Bodenbeschaffenheit, Lage der Bombe, Bauweise – all das beeinflusst die Strategie. Ferngesteuerte Bagger könnten nicht jeden Fall abdecken. Zum anderen braucht es massive Investitionen, um die Technologie bundesweit einzusetzen – vom Umbau der Geräte bis zur Schulung der Fachkräfte.

Außerdem haben sich die bestehenden Verfahren trotz aller Risiken bewährt. Die Entschärfung durch spezialisierte Teams funktioniert – die Unfallzahlen sind niedrig. Dennoch bleibt das Risiko bestehen. Eine spontane Explosion ist nicht auszuschließen.

Eine Zukunftsperspektive für Deutschland?

Die Kombination aus klassischer Expertise und moderner Technik könnte ein Weg in die Zukunft sein. Insbesondere bei vorbereitenden Maßnahmen – wie der metallischen Sondierung durch Magnetplatten – könnten ferngesteuerte Bagger wertvolle Dienste leisten. Auch bei der Bergung und Transportvorbereitung von Blindgängern wären Einsätze denkbar.

Für eine flächendeckende Einführung bräuchte es:

  • Technische Standards
  • Schulungszentren
  • Koordination zwischen Ländern
  • Finanzierung durch Bund, Länder oder EU

Bisher fehlt ein klarer politischer Impuls. Doch mit jedem Fund, jeder Evakuierung und jeder riskanten Entschärfung wächst der Druck, neue Wege zu prüfen.

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

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