Zu 25 Prozent recycelt 21.07.2014, 15:11 Uhr

3D-Drucker druckt mit Plastikmüll

Ein amerikanisches Unternehmen bringt einen 3D-Drucker für Zuhause auf den Markt, der mit recyceltem Material arbeitet. Das ist zwar nicht der einzige Ansatz in dieser Hinsicht, wohl aber der erste kommerzielle. Mit im Boot ist der Getränke-Gigant Coca-Cola, der seine ausgedienten PET-Flaschen als Druckmaterial zur Verfügung stellt. 

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So langsam schicken sich 3D-Drucker an, die Welt zu erobern: Nachdem sie zuerst nur wissenschaftlichen Labors, einer Handvoll privilegierten Konstrukteuren und einigen wenigen ambitionierten (und finanzkräftigen) Bastlern zur Verfügung standen, sinken die Preise stetig, so dass sie zunehmend im Einzelhandel zu finden sind. Die Öffentlichkeit begrüßt das – 3D-Drucker würden eine ganze Generation von Amerikanern inspirieren, wieder Dinge selbst zu machen, betont zum Beispiel US-Wirtschaftsministerin Penny Pritzker –, wäre da nicht das Problem mit dem Druckmaterial. Das Filament, der Kunststoff-Faden, aus dem 3D-Drucker die Objekte „drucken“, ist mit 50 Dollar (rund 37 Euro) pro Kilo relativ teuer und meistens neuwertig, also nicht besonders umweltfreundlich.

Dass es zumindest hinsichtlich der Umweltfreundlichkeit auch anders geht, zeigt das US-Unternehmen 3D-Systems, ebenfalls bekannt unter dem Namen Cubify. Sein Ekocycle Cube, ein Drucker für den Privatgebrauch, druckt mit Filament, das zu immerhin einem Viertel aus recyceltem Material besteht. Das wiederum stammt vom Kooperationspartner Coca-Cola. Der Getränkegigant versorgt die Druckerschmiede mit ausgedienten PET-Flaschen, die fortan ein zweites Leben als Handyhülle, Gartenzwerg oder Blumenvase führen dürfen – je nachdem, was der Nutzer so vorhat.

Pionier auf dem Gebiet des 3D-Drucks

Ein paar Einschränkungen gibt es da allerdings: Der Drucker schafft nur Objekte mit bis zu 15 Zentimetern Kantenlänge, und die Farben beschränken sich derzeit auf Schwarz, Natur, Transparent und Rot – ob letzteres ein Zugeständnis an den Alt-Kunststoff-Lieferanten sein soll, ist nicht überliefert. Die Auflösung des Ekocycle Cube beträgt 70 Micron. Das Gerät kostet 1199 Dollar (knapp 890 Euro und wird ab Herbst erhältlich. Der 3D-Drucker verfügt über eine WLAN und Bluetooth-Verbindung sowie zwei Extruder. Mit diesen zwei Ausgabedüsen ist er in der Lage, zweifarbige Objekte zu drucken. Später sollen noch weitere Farben hinzukommen. Zu bedienen ist er über ein Touchscreen-Display oder per App über Tablet oder Smartphone.

Die Hersteller-Firma 3D-Systems/Cubify hat sich schon des Öfteren einen Namen als Pionier auf dem 3D-Drucker-Markt gemacht: So entwickelte sie als wohl erste einen Drucker für Lebensmittel und brachte einen 3D-Scanner für den Handgebrauch auf den Markt, mit dem sich Objekte kopieren lassen. Um den Ekocycle jetzt möglichst effektiv zu promoten, setzt das Unternehmen auf bekannte Namen: Zum einen gibt es den Partner Coca-Cola, der sich mit der Beteiligung einen umweltbewussten Anstrich gibt, zum anderen ist der künstlerische Leiter und Mitbegründer der Druckerfirma der bekannte Rapper will.i.am von den Black-Eyed Peas.

Eher weniger für den technischen Bereich geeignet

Ein paar Haken hat das PET-Flaschen-Recycling dann aber doch: Zwar preist das Unternehmen sein „rPET“ als genauso widerstandsfähig wie die sonst üblicherweise eingesetzten Kunststoffe an, was durch einen speziellen Bearbeitungsprozess erreicht werde. Allerdings, darauf weist Computer Bild in einem Vodcast hin, basiere PET auf Erdöl. Somit dünste das Filament auf rPET-Basis bei der Bearbeitung aus und die Drucktemperatur sei sehr hoch. Das bislang gängige Material Polylactide (kurz PLA), dessen synthetische Polymere zu den Polyestern zählen, erreiche zudem eine bessere Druckqualität. Dennoch räumen die Experten von Computer Bild dem PET-basierten Recyclingmaterial Chancen ein – wenn auch mehr im künstlerischen als im technischen Bereich.

Wie bei den meisten Druckerbefüllungen hat auch rPET aus Verbrauchersicht einen weiteren Pferdefuß: Trotz des Recyclinganteils stammt die Befüllung immer noch vom Hersteller, der damit auch die Preise festlegt. Abhilfe verspricht nach Angaben des Online-Magazins Wiwo-Green unter anderem der Recyclebot. Dabei handelt es sich um ein Open-Source-Projekt, dessen Erfinder Joshua Pearce von der Michigan Technological University die Baupläne im Internet zur Verfügung stellt. Mit diesem Recyclebot ließen sich alte Plastik-Verpackungen von der Shampoo-Flasche bis zur Zahnpastatube zu Filament-Fäden verarbeiten – der Kunststoff müsse lediglich gründlich gesäubert und fein zerkleinert werden, notfalls mit Hilfe eines Büro-Schredders. Statt bis zu 50 Dollar koste ein Kilo Filament so nur ein paar Cent – plus die Kosten für den Recyclebot, natürlich.

Möglicherweise ein Modell für die Zukunft

Allerdings: Da das wiederverwertete Material viel Polyethylen hoher Dichte enthält, schrumpft das frisch gedruckte Objekt ein wenig beim Abkühlen, heißt es. Das Recycling-Modell könnte aber nicht nur der Umwelt zugute kommen: Es könnte auch Plastiksammlern vor allem in ärmeren Ländern ein Einkommen sichern. Bereits jetzt gibt es laut Wiwo Green die „Ethical Filament Foundation“. Diese arbeitet mit Organisationen auf der ganzen Welt zusammen, die die Herstellung von ethisch einwandfrei produziertem Druck-Filament vorantreiben.

 

  • Judith Bexten

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