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Voyager 1 plötzlich verstummt: NASA gelingt Rettung in 24 Mrd. km Entfernung

02. November 2026

Illustration der Raumsonde Voyager 1 mit großer Parabolantenne und langen Auslegern vor einem blau leuchtenden Sternenhintergrund.
Voyager 1 ist seit 1977 im All unterwegs und inzwischen mehr als 24 Mrd. km von der Erde entfernt. Die NASA versucht, die fast 50 Jahre alte Raumsonde trotz schwindender Energiereserven möglichst lange in Betrieb zu halten. (Symbolillustration) Foto: picture alliance / Cover Images | NASA/JPL-Caltech/Cover Images
Voyager 1 war plötzlich nicht mehr erreichbar. Jetzt spart die NASA mit einem besonderen Trick Strom. Wie lange kann die 49 Jahre alte Sonde noch senden?
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Das Wichtigste in Kürze

Fast 49 Jahre ist Voyager 1 im All unterwegs. Im Oktober brach plötzlich der Funkkontakt ab. Inzwischen sendet die Sonde wieder Daten. Doch der NASA läuft die Zeit davon: Ihre Energieversorgung wird immer schwächer.

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Am 18. und 19. Oktober 2026 warteten die Ingenieurinnen und Ingenieure der NASA vergeblich auf ein Signal von Voyager 1. Bei zwei geplanten Kontaktversuchen blieb die Raumsonde stumm. Dabei war sie rund 24 Mrd. km von der Erde entfernt – weiter als jedes andere von Menschen gebaute Objekt.

Einen Tag später die Erleichterung: Am 20. Oktober empfingen die Antennen des Deep Space Network wieder ein Signal. Die Verbindung hatte sich wiederhergestellt, noch bevor die NASA Befehle zur Fehlersuche senden konnte.

Was genau passiert war, ist noch nicht vollständig geklärt. Fest steht: Ein Teil des Antriebssystems war ausgefallen, woraufhin die Bordcomputer automatisch eine Reserve aktivierten. Die NASA untersucht, ob der Vorgang mit der Funkunterbrechung zusammenhängt.

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„Es ist das erste Mal, dass wir beobachten, wie die Raumsonde etwas Derartiges tut. Aber wir sind inzwischen an einem Punkt der Mission, an dem wir mit dem Unerwarteten rechnen müssen“, erklärte Missionsmanager Kareem Badaruddin in einer Mitteilung des Jet Propulsion Laboratory (JPL) vom 29. Oktober 2026. „Wir sind erleichtert, wieder Kontakt mit Voyager 1 zu haben, und möchten unbedingt verstehen, was passiert ist“, ergänzte er.

Inhaltsverzeichnis

Warum Voyager 1 plötzlich den Kontakt verlor

Voyager 1 verfügt über ein eigenes Sicherheitssystem. Registrieren die Bordcomputer eine Störung, können sie auf Ersatzkomponenten umschalten und die Raumsonde in einen stabilen Betriebszustand versetzen. Ein solcher Mechanismus wurde im Oktober aktiv. Eine Gruppe von Steuerdüsen fiel aus, die Reserve übernahm automatisch.

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Die Steuerdüsen sind für die Ausrichtung der Sonde entscheidend. Sie sorgen unter anderem dafür, dass ihre große Funkantenne auf die Erde gerichtet bleibt. Schon kleine Abweichungen können die Kommunikation aus dieser Entfernung beeinträchtigen. Ob die Umschaltung tatsächlich zum Signalverlust geführt hat, weiß die NASA bislang nicht. Seit dem 20. Oktober besteht wieder Funkkontakt. Die Untersuchung läuft weiter.

Dass sich die Sonde selbst schützen kann, ist mitgedacht. Bereits bei ihrer Entwicklung in den 1970er-Jahren mussten die Ingenieure berücksichtigen, dass die Raumsonde über große Entfernungen hinweg nicht unmittelbar von der Erde gesteuert werden kann.

Heute ist diese Fähigkeit besonders wichtig. Ein Befehl benötigt inzwischen fast einen ganzen Tag, um Voyager 1 zu erreichen. Wie die Navigation und Kommunikation über solche Entfernungen grundsätzlich funktionieren, erklärt unser Beitrag „Wie navigieren Raumsonden durch das Sonnensystem?“.

Der NASA geht langsam der Strom aus

Der jüngste Kontaktverlust ist nicht das einzige Problem der Mission. Voyager 1 hat zunehmend mit ihrer Stromversorgung zu kämpfen. Als die Sonde am 5. September 1977 startete, besaß sie drei Radioisotopengeneratoren. Diese wandeln die Wärme, die beim radioaktiven Zerfall von Plutonium-238 entsteht, über Thermoelemente in elektrische Energie um.

Anders als Solarmodule benötigen sie kein Sonnenlicht. Das ist wichtig, denn in der enormen Entfernung der Sonde wären Solarzellen für ihren Energiebedarf keine praktikable Lösung. Beim Start lieferten die drei Generatoren zusammen rund 470 W elektrische Leistung. Heute ist davon erheblich weniger übrig. Die NASA beziffert den jährlichen Leistungsverlust auf etwa 4 W. Verantwortlich sind der radioaktive Zerfall und die Alterung der Generatoren. Die elektrische Leistung nimmt dadurch kontinuierlich ab.

Für das Missionsteam wird die Energieverteilung immer schwieriger. Neben den wissenschaftlichen Messgeräten brauchen auch die Computer, die Kommunikationseinrichtungen, die Steuerung und verschiedene Heizungen Strom.

Einfach alles abzuschalten, was gerade nicht benötigt wird, funktioniert nicht. Manche Bauteile müssen warm genug bleiben, damit beispielsweise keine Treibstoffleitungen einfrieren. Jedes eingesparte Watt kann deshalb helfen, die Mission zu verlängern.

Drei Geräte abgeschaltet – drei andere übernehmen

Im September 2026 gelang der NASA ein wichtiger Schritt. Nach monatelanger Vorbereitung schalteten die Ingenieurinnen und Ingenieure drei elektrische Geräte gleichzeitig ab und ersetzten sie durch drei Alternativen mit geringerem Stromverbrauch. Die Maßnahme erhielt den ungewöhnlichen Namen „Big Bang“.

Die Herausforderung bestand nicht allein darin, Strom zu sparen. Die sechs beteiligten Geräte tragen zur Wärmeversorgung der Raumsonde bei. Durch die gleichzeitige Umschaltung sollte der Energieverbrauch sinken, ohne die notwendige Wärmeverteilung zu beeinträchtigen.

Die NASA hatte das Verfahren zuvor bereits bei Voyager 2 erfolgreich eingesetzt. Etwa sechs Wochen später folgte Voyager 1. Das Ergebnis ist für die wissenschaftliche Mission wichtig: Ohne diese Maßnahme hätte die NASA möglicherweise schon im Sommer 2027 ein weiteres Messinstrument abschalten müssen. Wie viele zusätzliche Monate oder Jahre sich dadurch tatsächlich gewinnen lassen, beziffert die NASA für Voyager 1 bislang nicht.

Nur noch zwei Messinstrumente sind eingeschaltet

Ursprünglich führte Voyager 1 zehn wissenschaftliche Instrumente mit. Viele davon waren für die Vorbeiflüge an Jupiter und Saturn vorgesehen und wurden nach Abschluss dieser Missionsteile abgeschaltet. Andere Geräte blieben in Betrieb, um die Umgebung weit außerhalb der Planetenbahnen zu untersuchen.

Inzwischen sind nur noch zwei wissenschaftliche Instrumente eingeschaltet:

  • Magnetometer (MAG): Es misst Stärke und Richtung des Magnetfelds in der Umgebung der Sonde.
  • Plasmawelleninstrument (PWS): Es registriert elektrische Schwingungen im Plasma. Aus bestimmten Messungen lässt sich unter anderem die Elektronendichte des interstellaren Mediums bestimmen.

Beide Instrumente liefern Informationen aus einer Region, die bislang nur von den beiden Voyager-Sonden unmittelbar untersucht wurde.

Voyager 1 befindet sich seit August 2012 im interstellaren Raum. Sie hat damals die Heliopause durchquert, also die äußere Grenze jener Region, die maßgeblich vom Sonnenwind geprägt wird. Das bedeutet allerdings nicht, dass die Sonde das Sonnensystem bereits vollständig verlassen hat. Die weit entfernte Oortsche Wolke, eine vermutete Ansammlung eisiger Kleinkörper, gehört ebenfalls zum Sonnensystem.

Warum musste die NASA weitere Instrumente abschalten?

Im Februar 2025 wurde das Instrument zur Messung kosmischer Strahlung (Cosmic Ray Subsystem) deaktiviert. Im April 2026 folgte das Messgerät für energiearme geladene Teilchen (Low-Energy Charged Particles Experiment, LECP).

Der zweite Schritt wurde nach einem unerwarteten Leistungsabfall während eines geplanten Manövers am 27. Februar notwendig. Die NASA befürchtete, dass ein weiterer Spannungsabfall die automatische Unterspannungssicherung auslösen könnte.

Die Abschaltung des LECP verringerte den Stromverbrauch und sollte den Weiterbetrieb der übrigen Systeme absichern. Damit konzentriert sich die wissenschaftliche Arbeit von Voyager 1 inzwischen auf Magnetfeld- und Plasmawellenmessungen.

Bald dauert eine Antwort von Voyager 1 zwei Tage

Neben der schwindenden Energie stellt die Entfernung die NASA vor besondere Probleme. Am 18. November 2026 soll Voyager 1 nach Berechnungen der NASA rund 25,89 Mrd. km von der Erde entfernt sein. Das entspricht der Strecke, die Licht innerhalb von 24 Stunden zurücklegt.

Für die Kommunikation bedeutet das:

Vorgang Signallaufzeit
Befehl von der Erde zur Sonde 24 h
Antwort von Voyager 1 zur Erde 24 h
Hin- und Rückweg zusammen 48 h

Die Zeiten gelten für die erwartete Entfernung am 18. November. Sie berücksichtigen noch nicht die Zeit, die Voyager 1 für die Verarbeitung eines Befehls benötigt.

„Wenn man Voyager ‚Hallo‘ sagen möchte, schickt man seine Nachricht ab, geht nach Hause und wartet zwei Tage, bis man endlich eine Antwort bekommt“, erklärte Suzanne Dodd, Voyager-Projektmanagerin am JPL, in der NASA-Mitteilung vom 29. Oktober.

Die Signale werden über das Deep Space Network empfangen. Zu diesem weltweiten Antennennetz gehören Anlagen in Kalifornien, Spanien und Australien.

Die enorme Distanz macht die Fehlersuche schwierig. Selbst wenn das Missionsteam eine mögliche Ursache gefunden hat, lässt sich die Wirkung eines neuen Befehls erst mit großer Verzögerung überprüfen.

Fast 50 Jahre im All: Eine außergewöhnliche Mission

Als Voyager 1 im September 1977 startete, ging es zunächst darum, Jupiter und Saturn zu erforschen. 1979 erreichte die Sonde Jupiter und lieferte Aufnahmen des Planeten und seiner Monde. Zu den wichtigsten Entdeckungen gehörte der aktive Vulkanismus auf dem Jupitermond Io.

Im November 1980 folgte die Begegnung mit Saturn. Besonders interessant war dessen größter Mond Titan, dessen dichte Atmosphäre die Wissenschaft bis heute beschäftigt.

Anschließend setzte Voyager 1 ihre Reise nach außen fort. Seit 2012 erforscht sie den interstellaren Raum. Auch die Bordelektronik stammt im Kern noch aus den 1970er-Jahren. Dennoch ist es dem NASA-Team immer wieder gelungen, Probleme zu beheben und den Betrieb fortzusetzen.

2024 etwa musste die NASA auf einen Defekt im Computersystem reagieren. Ingenieure verteilten Programmcode auf andere Speicherbereiche und konnten dadurch die Übertragung wissenschaftlicher Daten wiederherstellen. Die lange Betriebsdauer zeigt vor allem, wie wichtig Reserven, Fehlerschutz und die Möglichkeit zu Softwareänderungen für eine Raumfahrtmission sind.

Wie lange kann Voyager 1 noch Daten senden?

Eine zuverlässige Jahreszahl gibt es nicht. Die NASA versucht, die wissenschaftlichen Instrumente so lange wie möglich zu betreiben. Der erfolgreiche „Big Bang“ hat dafür zusätzliche Energiereserven geschaffen. Trotzdem verlieren die Generatoren jedes Jahr weiter an Leistung. Die Sonde benötigt außerdem Strom für ihre Bordcomputer, die Funktechnik und die Lageregelung.

Dabei muss zwischen zwei Dingen unterschieden werden: dem Ende der wissenschaftlichen Messungen und dem endgültigen Verlust der Kommunikation. Selbst wenn eines Tages kein wissenschaftliches Instrument mehr eingeschaltet werden kann, könnte Voyager 1 unter Umständen weiterhin technische Zustandsdaten übertragen. Dafür müssten die erforderlichen Bordsysteme funktionsfähig bleiben.

Wann dieser Punkt erreicht wird, lässt sich nicht seriös vorhersagen. Der Kontaktverlust im Oktober hat gezeigt, dass auch unerwartete technische Störungen den weiteren Verlauf beeinflussen können. Fest steht nur: Voyager 1 wird ihren Weg durch den interstellaren Raum fortsetzen, auch wenn ihre Stromversorgung eines Tages nicht mehr für den Kontakt zur Erde ausreicht.

An Bord befindet sich zudem die Golden Record, eine vergoldete Schallplatte mit Bildern, Geräuschen, Musik und Grußbotschaften von der Erde. Sie benötigt keinen Strom, um die gespeicherten Informationen zu bewahren. Die wissenschaftliche Mission aber lebt davon, dass die NASA weiterhin Signale der Sonde empfängt. Nach fast 50 Jahren ist inzwischen jedes zusätzliche Betriebsjahr ein technischer Erfolg.

Quellen



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