Ohne Informatikstudium in die IT? Darauf achten Unternehmen bei Quereinsteigern
Ein Informatikstudium ist nicht immer Voraussetzung für einen IT-Job. Laut Bitkom beschäftigen 69 % der Unternehmen mit IT-Stellen Quereinsteiger. Welche Kenntnisse dabei zählen.
Ein Informatikstudium ist nicht immer Voraussetzung für einen IT-Job. Laut Bitkom beschäftigen 69 % der Unternehmen mit IT-Stellen Quereinsteiger.
Foto: PantherMedia / freedomtumz
Wer in der IT arbeiten möchte, braucht nicht zwangsläufig ein Informatikstudium oder eine entsprechende Ausbildung. Für 51 % der Unternehmen mit IT-Stellen zählen praktische IT-Kenntnisse mehr als formale Abschlüsse. Das zeigt eine aktuelle Befragung des Digitalverbands Bitkom. Demnach beschäftigen bereits 69 % dieser Unternehmen IT-Quereinsteigerinnen und -einstieger.
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Vier von zehn Unternehmen wollen stärker auf Quereinsteiger setzen
Der Quereinstieg ist in vielen IT-Abteilungen bereits Realität. Laut Bitkom beschäftigen 31 % der Unternehmen mit IT-Stellen häufig Quereinsteigende, weitere 38 % zumindest vereinzelt. Zudem wollen 39 % der Unternehmen künftig verstärkt auf Beschäftigte setzen, die ursprünglich einen anderen Berufsweg eingeschlagen haben. Die Angaben beziehen sich auf Unternehmen mit IT-Stellen, nicht auf sämtliche Unternehmen in Deutschland.
Eine frühere Erhebung von Bitkom aus dem Jahr 2025 zeigt, dass 27 % aller neu besetzten IT-Stellen an Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger vergeben werden. In rund jedem fünften Betrieb gibt es dafür sogar gezielte Programme.
Welche Kenntnisse IT-Quereinsteiger mitbringen
Wer über einen anderen Berufsweg in die IT kommt, hat oftmals praktische IT-Kenntnisse in petto. Von den Unternehmen, die Quereinsteigerinnen und -einsteiger beschäftigen, setzen 80 % typischerweise auf Menschen mit IT-Vorerfahrung.
| Hintergrund der Quereinsteiger | Anteil der Unternehmen |
| Berufspraktisch erworbene IT-Kenntnisse | 53 % |
| Abgeschlossene IT-Weiterbildung, etwa Bootcamp | 35 % |
| Autodidaktisch erworbene IT-Kenntnisse | 30 % |
| Kenntnisse aus abgebrochener IT-Ausbildung | 12 % |
| Berufsausbildung ohne IT-Bezug | 47 % |
| Hochschulabschluss ohne IT-Bezug | 30 % |
Die Angaben beziehen sich auf Unternehmen, die IT-Quereinsteigerinnen und -einsteiger beschäftigen. Da Unternehmen Personen mit unterschiedlichen Qualifikationen einstellen können, waren Mehrfachnennungen möglich.
Die Ergebnisse zeigen, dass Quereinsteigerinnen und -einsteiger nicht zwangsläufig ohne IT-Vorkenntnisse anfangen. Neben Berufserfahrung können auch selbstständig erworbene Programmierkenntnisse oder gezielte Weiterbildungen den Zugang zu IT-Tätigkeiten ermöglichen.
Dass Unternehmen zunehmend auf Quereinsteigende setzen wollen, bedeutet allerdings nicht, dass der Berufseinstieg derzeit einfach ist. Denn die Lage auf dem IT-Arbeitsmarkt hat sich zuletzt verändert: Laut einer weiteren Bitkom-Erhebung ist die Zahl der unbesetzten IT-Stellen in Deutschland von 149.000 im Jahr 2023 auf 79.000 im Jahr 2026 gesunken. Trotz des Rückgangs berichten viele Unternehmen weiterhin von Schwierigkeiten bei der Besetzung ihrer IT-Stellen.
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Als Ingenieur in die IT einsteigen
Für Ingenieurinnen und Ingenieure kann der Wechsel in die IT besonders dann interessant sein, wenn sie bereits mit Programmiersprachen, Simulationen oder digitalen Steuerungssystemen arbeiten. Maschinenbauingenieurinnen und -ingenieure können beispielsweise in der industriellen Softwareentwicklung arbeiten, Elektroingenieurinnen und -ingenieure in der Embedded-Softwareentwicklung und Wirtschaftsingenieurinnen und -ingenieure im IT-Projektmanagement.
Je nach bisheriger Tätigkeit kann der Wechsel weniger einem vollständigen beruflichen Neustart als vielmehr einer Verlagerung des fachlichen Schwerpunkts entsprechen. Wie leicht der Wechsel gelingt, hängt von den vorhandenen Kenntnissen und den Anforderungen der jeweiligen Stelle ab. Belastbare Zahlen dazu, wie häufig Ingenieurinnen und Ingenieuren der IT-Quereinstieg gelingt, liefert die Bitkom-Befragung nicht.
Weiterbildungen können IT-Quereinstieg erleichtern
35 % der Unternehmen, die IT-Quereinsteiger beschäftigen, setzen laut Bitkom auch Personen ein, die eine IT-Weiterbildung absolviert haben, beispielsweise ein Bootcamp. Wie erfolgreich solche Programme tatsächlich auf den Arbeitsmarkt vorbereiten, lässt sich daraus allerdings noch nicht ableiten.
Untersuchungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zeigen, dass berufliche Qualifizierungen und Umschulungen die Beschäftigungschancen verbessern können.
„Deutschland fehlen weiterhin Zehntausende IT-Fachkräfte, zugleich werden KI-Kompetenzen immer wichtiger“, sagt Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst.
Deshalb fordert der Verband unter anderem zusätzliche finanzielle Unterstützung für KI-Weiterbildungen.
Klassische IT-Ausbildung bleibt gefragt
Dass praktische Kenntnisse für viele Unternehmen wichtiger sind als formale Abschlüsse, bedeutet allerdings nicht, dass klassische Bildungswege an Bedeutung verlieren. Laut Bitkom beschäftigen 83 % der Unternehmen mit IT-Stellen Fachkräfte mit einer abgeschlossenen IT-Berufsausbildung. Fast 70 % haben zudem Beschäftigte mit einem IT- oder IT-nahen Hochschulabschluss.
Zur Befragung: Die Zahlen sind Ergebnisse einer repräsentativen Befragung im Auftrag des Digitalverbands Bitkom mit mehr als 600 Unternehmen mit mindestens drei Beschäftigten in Deutschland.
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