Wissenstransfer 07.04.2026, 13:00 Uhr

84 % setzen auf Learning by Doing, doch genau hier liegt das Problem

84 % setzen auf Learning by Doing, doch beim Wissen weitergeben fehlen oft klare Strukturen. Warum Wissensmanagement und Weiterbildung jetzt entscheidend sind.

Symbolbild Wissenstransfer zwischen Generationen.

Wissen teilen, Kompetenzen stärken: So gelingt der Wissenstransfer im Unternehmen.

Foto: Smarterpix/Dmyrto_Z

Für eine repräsentative Studie wurden 1600 Führungskräfte in Deutschland und Österreich zu den Themen Lernen im Unternehmen und Wissensmanagement befragt. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass viele Unternehmen auf niederschwellige Lernmethoden setzen – insbesondere auf Learning by Doing und den informellen Austausch im Arbeitsalltag.

Wenn Führungskräfte Learning by Doing aktiv unterstützen, sichern Unternehmen wertvolles Wissen – und stärken so ihre Wettbewerbsfähigkeit in einem zunehmend dynamischen Markt.

Warum Unternehmen Know-how sichern müssen

Gabriele Fantl, Leiterin des Bereichs Vertrieb und Projektmanagement am Hernstein Institut der FHWien der Wirtschaftskammer Wien, erklärt, dass die Wissensweitergabe in vielen Unternehmen noch nicht ausreichend strukturell verankert sei.

„Wenn Wissen stark an einzelne Personen gebunden bleibt, kann das unterschiedliche Ursachen haben – etwa fehlende Übergabeprozesse, begrenzte zeitliche und personelle Ressourcen oder Unsicherheit darüber, wie Wissen geteilt werden soll“, sagte die Expertin.

Häufig werde dem strukturierten Offboarding, also einem geregelten Austrittsprozess aus dem Unternehmen, zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt.

In beiden Fällen geht dem Unternehmen wertvolles Wissen verloren. Wissensmanagement kann dazu beitragen, Wissen systematisch zu sichern und zugänglich zu machen. Voraussetzung dafür ist eine Unternehmenskultur, die Austausch fördert und von der Führungsebene aktiv getragen wird, erklärte Fantl.

Qualifikationsdefizite bei Neueinstellungen: Fachkräftemangel und Unternehmensanforderungen

Unternehmen übernehmen eine zentrale Rolle in der Qualifizierung ihrer Mitarbeitenden. Dies beginnt bei der dualen Berufsausbildung, umfasst aber ebenso strukturierte Einarbeitungsprogramme, gezielte Weiterbildungsmaßnahmen sowie Learning-on-the-Job im Arbeitsalltag.

Gabriele Fantl erläutert, dass rund sieben von zehn Führungskräften der Ansicht seien, neue Mitarbeitende kämen häufig nicht ausreichend qualifiziert in die Unternehmen. Als mögliche Ursachen nennt sie den Fachkräftemangel in vielen Branchen sowie die steigende Bedeutung unternehmensspezifischer Anforderungen.

Grafik Führungskräfte

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Learning by Doing und informelles Lernen als zentrale Weiterbildungsinstrumente

Das Lernen im Arbeitsalltag oder Training on the Job und der informelle Austausch unter Kolleginnen und Kollegen spielen eine entscheidende Rolle in der Kompetenzentwicklung. Laut der Studie messen 84 % der Befragten diesen Lernformen große Bedeutung bei – in Deutschland 81 %, in Österreich 88 %.

„Weiterbildung muss in den Arbeitsalltag integriert werden, statt zusätzlich nebenher zu laufen. Kurze, kompakte Lerneinheiten und flexible Zeiten – etwa vor oder nach der Schicht – sind dabei besonders effektiv“, sagte auch Stephan Rodig, Geschäftsführer der Bildungsfabrik in einem ingenieur.de Interview.

Auch formale Lernformate bleiben wichtig: Interne Schulungen werden von 75 % der Führungskräfte als wesentlicher Bestandteil der Weiterbildung angesehen, externe Schulungen von 60 %.

Gabriele Fantl erklärt, dass informeller Austausch und kollegiale Beratung einen unmittelbaren Wissenstransfer im Arbeitskontext ermöglichen und gleichzeitig Zusammenarbeit und Vertrauenskultur fördern. Externe Schulungen bieten strukturierte Impulse, neue Perspektiven und methodische Vertiefung. Entscheidend sei das Zusammenspiel beider Lernformen für eine effektive Weiterbildung.

„Informelles Lernen ist dabei häufig stark von einzelnen Personen abhängig. Ohne klare Standards oder Dokumentation besteht das Risiko, dass Wissen nicht systematisch gesichert wird. Mit steigender Managementebene gewinnt daher auch die gezielte externe Weiterbildung weiter an Bedeutung“, erklärt Fantl.

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Laufende Weiterbildung aufgrund der schnellen Veränderungen notwendig

Drei Viertel der Führungskräfte sind der Meinung, dass Mitarbeitende regelmäßig weitergebildet werden müssen, weil sich die Anforderungen in Unternehmen ständig ändern. Je höher die Führungsebene, desto wichtiger erscheint ihnen das.

Fantl nennt die wichtigsten Gründe, warum Weiterbildung heute so entscheidend ist:

  • Soft Skills werden wichtiger, und die Anforderungen an Führung verändern sich (19 %)
  • Schnelle Veränderungen im Arbeitsalltag machen ständiges Lernen nötig (17 %)
  • Komplexere Prozesse und Aufgaben erfordern mehr Wissen (14 %)
  • Geldlicher Anreiz: Acht von zehn Führungskräften meinen, Weiterbildung sollte sich auch im Gehalt widerspiegeln

Unternehmen, die weniger Wert auf Weiterbildung legen, nennen vor allem hohe Kosten (21 %) und fehlende passende Angebote (19 %) als Gründe.

Wenn es um Inhalte für Weiterbildung geht, wünschen sich die Führungskräfte vor allem Social Skills (13 %) und Krisen- und Konfliktmanagement (10 %). Fantl berichtet, dass die Befragten Präsenzseminare bevorzugen, egal ob intern oder extern angeboten.

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Ein Beitrag von:

  • Alexandra Ilina

    Alexandra Ilina ist Diplom-Journalistin (TU-Dortmund) und Diplom-Übersetzerin (SHU Smolensk) mit mehr als 20 Jahren Berufserfahrung im Journalismus, in der Kommunikation und im digitalen Content-Management. Sie schreibt über Karriere und Technik.

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